Hilfe für Hisbollah Türkei soll Waffenlieferung aus Iran gestoppt haben

Die türkischen Behörden haben offenbar eine Schmuggelladung Waffen aus Iran abgefangen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Empfänger: vermutlich die libanesische Hisbollah-Miliz. Eine solche Lieferung wäre ein klarer Verstoß gegen Uno-Sanktionen.


München - Der Zugriff erfolgte am türkisch-syrischen Grenzübergang Kilis: Die Türkei hat nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" eine Waffenlieferung aus Iran gestoppt. Der Vorfall habe sich bereits am 30. April ereignet. Mindestens ein Lastwagen mit größeren Mengen Waffen oder Munitionsbestandteilen habe die Grenze passieren wollen.

Die Zeitung beruft sich auf westliche Diplomatenkreise. Die Lieferung sollte offenbar nach Syrien gehen und war vermutlich für die mit Teheran verbündete Hisbollah-Miliz im Libanon bestimmt. Die radikale Schiiten-Organisation unterhält demnach auch Depots in Syrien.

Iran hat in der Vergangenheit immer wieder versucht, die Uno-Sanktionen zu unterlaufen. Bereits vor Jahren verhängte der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen ein Verbot von Waffenexporten gegen das Land. Die internationale Gemeinschaft verdächtigt Teheran, heimlich Atomwaffen zu entwickeln. Sowohl die Uno als auch die EU verschärften die Sanktionen im vergangenen Jahr.

Doch die iranische Führung lässt sich davon offenbar nicht beeindrucken: Ein mit der Untersuchung der Sanktionen beauftragtes Komitee des Uno-Sicherheitsrates berichtete erst Ende Juni von erneuten Verstößen. "Die steigende Zahl der uns gemeldeten Verstöße gibt Anlass zu ernsten Bedenken", erklärte der Vorsitzende des Komitees, Néstor Osorio. Die Bereitschaft der Mitgliedstaaten, diese Zuwiderhandlungen zu melden, sei aber positiv und müsse weiter gestärkt werden.

Dem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" zufolge haben die türkischen Grenzer in den vergangenen Monaten ihre Kontrollen verschärft. Noch im April hätten verdächtige Lieferungen die Grenze zwischen der Türkei und Syrien problemlos überqueren können.

Von der Zeitung befragte Diplomaten deuteten die stärkeren Kontrollen nun als Zeichen der Regierung in Ankara: Diese wolle Syrien und Iran signalisieren, dass sie die Gewalt gegen syrische Oppositionelle nicht weiter hinnehmen werde. Am Mittwoch und Donnerstag gingen die syrischen Sicherheitskräfte erneut brutal gegen Dissidenten in der Protesthochburg Hama vor, berichteten Menschenrechtler. 45 Menschen seien durch Maschinengewehrfeuer und Panzergeschosse getötet worden. Vor der Gewalt sind Tausende Syrer in die benachbarte Türkei und in den Libanon geflohen. Der Uno-Sicherheitsrat hat sich nach langem Zögern inzwischen auf eine Verurteilung der syrischen Regierung durchgerungen.

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Dass der wohl aus Iran stammende Waffentransport in der Türkei abgefangen wurde, könnte dem Bericht zufolge einen weiteren Grund haben: Ankara habe Teheran deutlichmachen wollen, dass man den Schmuggel durch sein Staatsgebiet nicht weiter tolerieren werde.

Auf verschiedenen Wegen hat Iran in der Vergangenheit versucht, Waffen an die radikale Hisbollah zu liefern - Teheran gilt als Hauptfinanzierer der libanesischen Radikalen. In den vergangenen Jahren sollen nicht nur Lastwagen, sondern immer wieder auch Schiffe mit gefährlicher Ware beladen worden sein.

Vor zwei Jahren etwa stoppte die israelische Armee einen Munitionstransport aus Iran: Mehr als 3000 Raketen, dazu Handgranaten, panzerbrechende Munition, kistenweise Patronen für Sturmgewehre waren in 36 Containern an Bord eines Frachters versteckt. Das Kriegsgerät sollte wohl an die Hisbollah gehen. Pikant für Deutschland: Das Schiff gehörte einem deutschen Reeder.

Auch im März diesen Jahres fing Israels Marine nach eigenen Angaben ein Schiff mit einer großen Ladung Waffen an Bord ab. Die Lieferung stamme aus Syrien und habe nach einem Stopp im türkischen Hafen von Mercin nach Ägypten gebracht werden sollen - und von dort aus zu extremistischen Palästinensern im Gaza-Streifen. Ein Militärsprecher verkündete damals: "Offensichtlich werden wir weitere Beweise für eine Achse Iran-Syrien-Hisbollah finden."

kgp/dadp

insgesamt 14 Beiträge
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MeineMeinungist... 04.08.2011
1. Die Uno muss schneller handeln
und darf nicht nur ein Papiertiger sein. Dazu gehören schnellstens Reformen. Der Sicherheitsrat muss aufgestockt werden und die Funktionen der Vetomächte gehören abgeschafft. Die Chinesen und Amerikaner können dort schalten und walten wie sie wollen, bzw. wie es ihnen nützlich erscheint. Das ist doch völlig undemokratisch, was in diesem Verein geschieht.
atherom 04.08.2011
2. Sie haben das häufige NJET vergessen.
Zitat von MeineMeinungist...und darf nicht nur ein Papiertiger sein. Dazu gehören schnellstens Reformen. Der Sicherheitsrat muss aufgestockt werden und die Funktionen der Vetomächte gehören abgeschafft. Die Chinesen und Amerikaner können dort schalten und walten wie sie wollen, bzw. wie es ihnen nützlich erscheint. Das ist doch völlig undemokratisch, was in diesem Verein geschieht.
Absicht? Auf jeden Fall zeigt es sich, dass der Iran nicht nur das ihm von den (deutschen) Atomgegner zuerkannte Recht auf Atomkraft beansprucht, sondern auch aus dem Recht gebraucht macht, Waffen zu liefern, wohin es möchte. Wofür dem Iran der Zuspruch und Beifall der (deutschen) Friedensbewegung sicher ist.
Nonvaio01 04.08.2011
3. und was soll uns das sagen?
Zitat von sysopDie türkischen Behörden haben offenbar eine Schmuggelladung Waffen aus Iran abgefangen, berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Empfänger: vermutlich die libanesische Hisbollah-Miliz. Eine solche Lieferung wäre ein klarer Verstoß gegen Uno-Sanktionen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,778284,00.html
Das heisst ja nicht das es der Staat Iran war der Waffen geliefert hat, es kann ja auch eine Privat persohn gewesen sein ein Waffenhaendler. Wenn einer Waffen aus den USA schmuggelt, ist ja auch nicht die Regierung der USA, sondern eine einzel personhn der Waffenhaendler.
Nonvaio01 04.08.2011
4. UNO und demokratie
Zitat von MeineMeinungist...und darf nicht nur ein Papiertiger sein. Dazu gehören schnellstens Reformen. Der Sicherheitsrat muss aufgestockt werden und die Funktionen der Vetomächte gehören abgeschafft. Die Chinesen und Amerikaner können dort schalten und walten wie sie wollen, bzw. wie es ihnen nützlich erscheint. Das ist doch völlig undemokratisch, was in diesem Verein geschieht.
hallo, die UNO wurde nie als demokratisch angesehen. So wie die UNO aufgeteilt kann Sie das auch gar nicht. Tut mir leid aber Sie leben nicht in einer demokratischen Welt, Sie leben in einer schein demokratie.
hartaberfair, 04.08.2011
5. nanu ?
seit wann interessiert hier in deutschland irgendwen die UNO ? ich bin baff muss ich sagen... ach neeee JETZT verstehe ich , wenn es um eigene interessen geht gilt die UNO, wenn es um die der anderen geht gilt sie nicht ! z.B. UNO res. 1244
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