Hilfsangebot Konferenz schnürt Milliarden-Paket für Afghanistan

Die Weltgemeinschaft wird den Wiederaufbau in Afghanistan mit rund 8,2 Milliarden Dollar unterstützen. Damit erhält das kriegsgebeutelte Land bis 2008 insgesamt 12,6 Milliarden Dollar – von schätzungsweise 28 Milliarden, die das Land für die nächsten sieben Jahre benötigt.


Kanzler Schröder und Präsident Karzai: Richtung weisende Finanzhilfen
AP

Kanzler Schröder und Präsident Karzai: Richtung weisende Finanzhilfen

Berlin - Die internationale Staatengemeinschaft wird den weiteren Aufbau Afghanistans von diesem Jahr an bis 2006 mit mindestens 8,2 Milliarden Dollar unterstützen. Diese Summe sei am Mittwoch auf der Geberkonferenz in Berlin zugesagt worden, teilte der afghanische Finanzminister Ashraf Ghani nach der Sitzung mit.

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) sprach von einem hervorragenden Ergebnis und einem klaren Signal für das Vertrauen in die afghanische Regierung und Bevölkerung. Afghanistans Präsident Hamid Karzai hatte zuvor eindringlich um Hilfe - vor allem beim Kampf gegen den Drogenanbau - gebeten. Dies entscheide über Erfolg oder Scheitern des Friedensprozesses. Sein Land dürfe nicht allein gelassen werden. Anfang 2002 waren bei der Geberkonferenz von Tokio Hilfen in Höhe von 4,5 Milliarden US-Dollar zugesagt worden. Damit erhält das Land bis 2008 insgesamt 12,6 Milliarden Dollar.

Wieczorek-Zeul wies zudem darauf hin, dass sich die Zusage der USA auf Hilfen in Höhe von 2,2 Milliarden US-Dollar nur auf das Jahr 2004 beziehe. Auch andere Länder hätten Zusagen für nur ein Jahr gegeben. Damit dürfte die Gesamtsumme bis 2006 deutlich über neun Milliarden Dollar liegen, sagte die Ministerin. Deutschland will in den kommenden vier Jahren 320 Millionen Euro zahlen. Japan kündigte 400 Millionen Dollar und Italien 140 Millionen Euro an. Die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) will mit einer Milliarde Dollar an Krediten und Bürgschaften helfen.

Afghanistan braucht nach einer Schätzung der Weltbank in den kommenden sieben Jahren 27,5 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau. Die Gelder werden nach Angaben von Finanzminister Ghani nicht sofort, sondern "in Phasen und Stufen" gebraucht. Ziel bleibe es, dass Afghanistan in spätestens zehn Jahren "auf eigenen Füßen stehen" könne. Ghani rechnet mit einer nächsten Geberkonferenz 2006. Dabei werde es dann um einen Vierjahreszeitraum gehen.

Ghani dankte im Namen seines Landes für die "außerordentliche Leistung". Allein im Fiskaljahr 2004/2005, das am 21. März begann, werde Afghanistan über 4,4 Milliarden US-Dollar verfügen können. Anders als in Tokio stehe diesmal nicht die humanitäre Hilfe, sondern der Wiederaufbau des Landes im Vordergrund.



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