Hilfsorganisationen in Westafrika Kindersex gegen Lebensmittel?

In einem Geheimreport werden schwere Vorwürfe gegen Mitarbeiter von Hilfsorganisationen in Westafrika erhoben. Sie sollen von Flüchtlingskindern für Lebensmittelrationen Sex gefordert haben.


London - Zahlreiche Helfer seien an der sexuellen Ausbeutung von Flüchtlingskindern in Westafrika verwickelt, heißt es in einem internen Bericht von Hilfsorganisationen, der dem britischen Sender BBC vorliegt. Der Report berichtet über Vorfälle in Liberia, Sierra Leone und Guinea. Die Enthüllungen sollen selbst erfahrene Helfer überrascht haben.

67 Mitarbeiter von mehr als 40 Hilfsorganisationen sollen ihre Position ausgenutzt haben, um von den Flüchtlingskindern Sex zu bekommen, berichteten das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die britische Hilfsorganisation "Save the Children". Junge Mädchen berichteten explizit, wie sie angeblich gezwungen wurden, für Lebensmittel ihre Körper zu verkaufen. "Die Kinder sind in einer verzweifelten Lage. Um zu überleben, müssen sie entscheiden, ob sie hungern oder sich selbst verkaufen", erklärte Paul Nolan von "Save the Children". "Diese Kinder sind nicht in einer Position zu verhandeln." Die Folgen der Misshandlungen seien frühe Schwangerschaften und Infektionen mit sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV.

"Save the Children" kündigte an, sie werde alles daran setzen, um diese Praktiken zu stoppen. "Ausgerechnet die Menschen, die Hilfe leisten sollten, sind die Ausbeuter der Opfer", beklagte die Direktorin von "Save the Children" für Liberia, Jane Gibril. "Wie werden uns jetzt zusammensetzen und darüber beraten, was getan werden muss, damit Kinder sich nicht für Hilfeleistungen verkaufen müssen."

Drei Mitarbeiter wurden bereits entlassen. Bei den Personen, die in den angeblichen Skandal verwickelt sind, soll es sich überwiegend um einheimische Mitarbeiter der Hilfsorganisationen handeln. Einige minderjährige Mädchen berichteten, dass auch Uno-Blauhelmsoldaten in die Vorfälle verwickelt sind. "Sie wollen, dass wir Sex mit ihnen machen, damit sie uns Geld geben", bestätigte ein Opfer den BBC-Mitarbeitern.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.