US-Wahlkampf Hillary Clinton macht den Trump

Im US-Wahlkampf suchte Hillary Clinton bislang verzweifelt nach einer Strategie gegen Donald Trump, jetzt hat sie eine Idee: Sie kopiert den Rivalen und kontert mit Beleidigungen.

Von , Washington


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Eine große Rede war angekündigt in San Diego. Hillary Clinton wollte ihre Vorstellungen über die amerikanische Außenpolitik präsentieren. In Wahrheit ging es aber nur um ein Thema: Donald Trump.

"Dieser Mann darf niemals die Atombomben-Codes in die Hände bekommen", warnte Clinton - und machte sich dann daran, alle außenpolitischen Aussagen Trumps aus den vergangenen Monaten Punkt für Punkt auseinanderzunehmen.

Trump habe schlicht keine Ahnung von Außenpolitik, er stoße Amerikas Verbündete vor den Kopf und wolle sich statt dessen mit Wladimir Putin verbrüdern, höhnte Clinton. Ein Graus. Sollte er als Präsident über Amerikas Außen- und Sicherheitspolitik bestimmen, würde dies zu weltweitem Chaos führen. "Wir dürfen niemals die Sicherheit unserer Kinder in seine Hände legen. Trump ist gefährlich."

Amerika erlebt eine neue Hillary Clinton. Die voraussichtliche Präsidentschaftskandidatin der Demokraten schaltet auf Angriff um. Seit Wochen suchen Clinton und ihre Strategen einen Plan, um Donald Trump zu besiegen. Doch ihr Wahlkampf verlief zuletzt schleppend, die Affäre um ihren privaten E-Mail-Server schadete ihr, Trump konnte in den Umfragen aufholen.

Nun hat sich Clinton offenbar dafür entschieden, Trump mit seinen eigenen Waffen zu schlagen: Auch um von den eigenen Schwächen abzulenken, greift sie den Gegner fast täglich frontal an, beschimpft ihn als "Trickser" und "Betrüger".

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Wahlkampfrede: Clintons beste Zitate über Trump

"Es geht ihm nur um seinen eigenen Profit"

Das Timing stimmt. In der kommenden Woche stehen die letzten wichtigen Vorwahlen in Kalifornien und New Jersey an. Clinton dürfte dann voraussichtlich die entscheidene Zahl von 2383 Delegiertenstimmen erreichen - und im Ringen mit ihrem parteiinternen Rivalen Bernie Sanders endgültig als Kandidatin der Demokraten feststehen. Der eigentliche Hauptwahlkampf beginnt, ab dann geht es um alles oder nichts.

Clinton hofft mit der Fokussierung auf Trumps wirre Aussagen in der Außenpolitik, unentschlossene Wähler oder auch moderate Anhänger der Republikaner erreichen zu können. Gleichzeitig will sie den Sanders-Anhängern deutlich machen, warum es wichtig ist, künftig sie zu unterstützen. Sie lenkt die Aufmerksamkeit auf den gemeinsamen Feind, um die eigenen Reihen zu schließen.

Trump bietet reichlich Angriffsfläche, nicht nur in der Außenpolitik. Seit Tagen nutzen Clinton und Co. die Ungereimtheiten um die sogenannte "Trump University", um Trump in die Defensive zu bringen. Neue Dokumente zeigen, dass die Universität wohl vor allem dem Zweck diente, Studenten mehr und mehr Studiengebühren aus der Tasche zu ziehen - eine schöne Vorlage für die Demokraten. "Trumps Geschäftsgebaren enthüllt seinen Charakter: Es geht ihm nur um seinen eigenen Profit", schimpft Clinton im Trump-Stil.

Auch in der Medienarbeit kopiert Clinton jetzt den Rivalen. Der Republikaner dominiert bislang häufig die Berichterstattung der großen TV-Sender, in dem er praktisch permanent für Interviews zur Verfügung steht. Oft läßt er sich per Telefon zu jeder Tages- und Nachtzeit live in Sendungen zuschalten, um Kommentare zu aktuellen Debatten abzugeben. Nun haben die Moderatoren immer häufiger schon in der Frühe statt Trump plötzlich Clinton am Telefon.

Sogar bei Twitter, Trumps bevorzugter Kampagnenmaschine, ist Clinton mit einem Mal ausgesprochen aktiv: Sie feuert einen Tweet nach dem anderen ab - meist geht es direkt gegen Trump. Allein zur Affäre um die Trump-Universität setzte sie innerhalb weniger Stunden ein gutes Dutzend Tweets ab. Die Studenten der Universität hätten ihm vertraut und er habe sie reingelegt, so Clinton. "Das gleiche würde er mit unserem Land tun." Trump wiederum forderte bei einem Auftritt in Kalifornien, Clinton wegen ihrer E-Mail-Affäre "ins Gefängnis" zu schicken.

Schön für sie: Bei ihrer neuen Offensive hat Clinton einen wichtigen Verbündeten, US-Präsident Barack Obama. Der Noch-Amtsinhaber, dessen Beliebtheitswerte bei den US-Bürgern seit Wochen kontinuierlich steigen, feuert inzwischen regelmäßig gegen Trump.

Obamas Botschaft: Der Republikaner verspreche Dinge, die er niemals einlösen könne. Den Namen Trump nimmt er dabei wohlweislich selten in den Mund. Das sei nicht nötig, findet der Präsident. "Das macht er ja selbst schon häufig genug."


Zusammengefasst: Hillary Clinton war lange zurückhaltend, doch jetzt attackiert sie Donald Trump mit aller Härte. Vor allem Trumps Außenpolitik-Pläne und die Affäre um die "Trump University" sind für sie Angriffspunkte. Ähnlich wie Trump will sie mit dem Getöse von eigenen Schwächen ablenken. Sie kopiert auch seine Medienstrategie in Teilen.

US-Vorwahlen
insgesamt 118 Beiträge
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Seite 1
mickt 03.06.2016
1. Zum Kopieren
würde aber auch gehören, dass Clinton treist lügt, Sachen erfindet und Unwahrheiten verbreitet. Das hier hört sich eher vernünftig an: den Mann sachlich und mit Argumenten und Fakten demontieren als das was er ist, ein Narziss, der nur an sich denkt und sich an anderen zu deren Kosten bereichert.
nano-thermit 03.06.2016
2. Alsooo
...lieber Trump als Killary. Wenn jemand kriege schürt und Leichen zählt, dann Killary. RT hats hinlänglich berichtet, nur unsere westliche Presse hat es irgendwie nicht mitbekommen.
manicmecanic 03.06.2016
3. weltweites Chaos wegen Trump?
echt guter Witz von einer hauptverantwortlichen Person für das bereits bestehende weltweite Chaos überall wo unsere 'Freunde' kräftig involviert sind.
cherrypicker 03.06.2016
4. Sehe ich nicht so
Frau Clinton muss sehr aufpassen: Wenn sie Trumps Stil zu sehr kopiert, verprellt sie ihre eigenen Wähler und bestärkt die Trump-Anhänger noch in ihrer Haltung, nach dem Motto: "Jetzt erst recht!". Erfahrungsgemäß bringt es wenig, Populisten nachzuahmen, denn wer auf populistische Parolen steht, wählt im Zweifelsfall immer das Original. Eine Realpolitikerin wie Clinton müsste Trump den Wind aus den Segeln nehmen, indem sie echte Lösungen für die drängenden Probleme der USA vorschlägt. Ich fürchte nur, Frau Clinton hat in dieser Hinsicht nichts zu bieten. Ein "weiter so!" wird diesmal aber nicht reichen.
worldalert11 03.06.2016
5. Hillary kopiert
Hillary hat keine eigenen Ideen, keine eigene Agenda, stattdessen redet sie ununterbrochen über Trump. Merkwürdig: Sie kopiert Trump und wird dafür auch noch gelobt. Als billige Kopie von Trump wird sie im November verlieren, da sie den Leuten nichts anzubieten hat.
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