Clinton, Sanders, Trump Drei Kandidaten patzen in New York

Amerikas Vorwahlzirkus erreicht New York. Gleich drei Kandidaten hoffen auf ein Heimspiel: Clinton, Sanders und Trump. Doch ihre Werbetouren sind überschattet von Peinlichkeiten.

AFP

Von , New York


Echte New Yorker fahren U-Bahn. Denkt sich wohl Hillary Clinton, als sie sich bei einem Besuch in der Bronx in den Untergrund wagt - ihren Tross aus Secret Service, Beratern und Reportern im Schlepptau.

Prompt wird sie von einer älteren Dame bedrängt, die ihr viel zu sagen hat. Mit stoischem Lächeln versucht Clinton, durchs Drehkreuz in die Subway zu entkommen. Doch vergeblich zieht sie ihre U-Bahn-Karte durch: Nichts geht, das Drehkreuz klemmt, die Dame redet weiter auf sie ein.

Die Kandidatin bugsiert die MetroCard ungelenk ein zweites Mal durch den Magnetschlitz. Ein drittes Mal. Ein viertes Mal. Erst beim Versuch Nummer fünf kapituliert das Drehkreuz. Die Dame bleibt zurück, sie redet immer noch.

Im Video: Hillarys Kampf mit dem U-Bahn-Ticket

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Im prallvollen Waggon erwarten Clinton weitere Peinlichkeiten. Die meisten Pendler ignorieren sie, selbst ein Baby, das sie kurz herzt, saugt ungerührt an seiner Flasche weiter. Nach zwei Stationen steigt sie aus: Sie liebe die Subway, "so praktisch" - dabei hasst jeder New Yorker die U-Bahn.

Clintons kleines Malheur wird schnell zum großen Aufreger: plump angebiedert - und blamiert! "Hillary braucht MetroCard-Unterricht", mokiert sich das Boulevardblatt "Daily News": Echte New Yorker müssen am Subway-Drehkreuz nicht mal den Schritt verlangsamen.

Drei Kandidaten hoffen auf Heimspielsieg

Und so hat der US-Vorwahlzirkus New York erreicht. Erstmals seit 1988 spielen der Nordoststaat, der eigentlich viel zu spät im Terminkalender kommt, und die Millionenstadt, die den selben Namen trägt, eine Rolle.

Und was für eine: Demokraten wie Republikaner setzen viel auf die Primaries am Dienstag. Gleich drei Kandidaten hoffen auf ein Heimspiel - New Yorks Ex-Senatorin Clinton, der in Brooklyn aufgewachsene Bernie Sanders und Donald Trump, der Manhattan-Mogul aus Queens.

Clinton und Trump, die von einer Reihe Niederlagen gedemütigten Spitzenreiter, müssen in New York siegen - zumal es um einen ganzen Batzen Parteitagsdelegierte geht: 95 Republikaner, 247 Demokraten.

Clinton, die in Umfragen klar führt, beginnt ihren Wahlkampf im Apollo Theater, dem Herzen schwarzer Kultur. Dennoch bleibt sie für viele New Yorker ein Alien. Vielleicht weil sie im feinen Vorort Chappaqua lebt. Oder weil sie lieber Touristenfallen besucht wie das Kult-Café Junior's mit seinen fetten Cheesecakes, die sie unberührt lässt.

So richtig im Fettnäpfchen landet sie wegen Bürgermeister Bill de Blasio. Ein Sketch des Demokratenduos bei einem Galadinner geht voll nach hinten los: Er laufe auf "C.P. time", kalauert der chronisch zu späte de Blasio, "colored people's time". Ein empörtes Grummeln geht durch den Saal, woraufhin Clinton schlagfertig pariert: CP stehe wohl eher für "Cautious politicians' time" - Politiker, die immer besonders behutsam vorgehen und deshalb etwas länger brauchen. Der empörte Aufschrei über den rassistischen Ausdruck hallt dennoch durch die Stadt.

Bernie Sanders mampft Hotdogs

Bernie Sanders hats nicht besser. Er verpatzt sein Vorstellungsgespräch, ein Interview mit besagter "Daily News": Unter anderem sagt er, für New Yorks U-Bahn brauche man Token - die wurden 2003 abgeschafft.

Auch Sanders rast durch New York. Er besucht sein einstiges Haus in Brooklyn, in dem heute Exil-Russen wohnen, die seinen "demokratischen Sozialismus" offen verteufeln. Er mampft in Coney Island Hotdogs mit Sauerkraut, was zu unvorteilhaften Videos führt. Er pilgert ebenfalls nach Harlem ins Apollo Theater, wo ihn ein antisemitischer Zwischenrufer stört.

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Erst recht in die Nesseln setzen sich aber die Republikaner. Das begann schon im Januar, als ausgerechnet Trump - den viele New Yorker als rassistischen Einwandererfeind, wahlweise Lachnummer verachten - die "New Yorker Werte" gegen Ted Cruz verteidigte: "Linksliberal", hatte Cruz gehöhnt, "pro Abtreibung, pro Homoehe, alles dreht sich ums Geld."

Kein Wunder, dass Cruz' New-York-Besuch zum Debakel wird. Eine Schulvisite in der Bronx muss er absagen, da die Schüler mit Streik drohen. Ein Zwischenstopp in einer Tostado-Stube vollzieht sich vor einer Handvoll genervter Essensgäste: "Ted Cruz hat hier nichts verloren!"

Trump wird auf den Straßen ausgebuht

Trump dagegen - der als einziger Kandidat in New York City wohnt - lässt sich nur wenig blicken. Etwa um mit Gattin Melania zum ersten Mal das 9/11-Museum zu besuchen: Der 30-minütige PR-Gag verursacht viel Spott, trotz Trumps 100.000-Dollar-Spende an die Stiftung.

Lieber konzentriert sich Trump auf Long Island und den Norden des Bundesstaates, wo mehr Republikaner leben. Während sie ihn in New York City auf der Straße ausbuhen, feiern ihn da Zehntausende Fans.

Am Ende könnte alles aber sowieso für die Katz sein. Geht das Rennen so weiter, dürfte bei den Republikanern eine Entscheidung frühestens fallen, wenn die Vorwahlkarawane Kalifornien erreicht - am 7. Juni.

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Lane Hartwell
Marc Pitzke ist US-Korrespondent für SPIEGEL ONLINE in New York.

E-Mail: Marc_Pitzke@spiegel.de

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insgesamt 54 Beiträge
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Seite 1
el_jefe 13.04.2016
1. Nichts ist peinlicher
als das, was die Republikaner in diesem Wahlkampf bieten (vulgo "Mülltonnenbrand" genannt). Tun Sie bitte nicht so, als wären die typischen politischen Patzer von Clinton und Sanders in irgendeiner Weise damit vergleichbar.
barstow 13.04.2016
2. Man schaue nur in die irren Augen
Von Clinton. Das sagt alles. Geht genauso wenig wie Trump.
killing joke 13.04.2016
3. stärkste Machtzusammenballung
Die politische Führung der stärksten Machtzusammenballung unseres Planenten wird durch Fahrkartenautomaten und Fast-Food-Videos entschieden. Jippie!
Tom97 13.04.2016
4. Bernie Sanders
Ich hoffe er gewinnt auch in New York die Wahl. Für mich ist er der einzige vernünftige Kanditat für die Präsidentschaft...
modemhamster 13.04.2016
5.
"So I watch Bernie, he wins, he wins, he keeps on winning, winning, winning; And then I see "He's got no chance!" They always say he has no chance, why doesn't he have a chance? Because the system is corrupt!" Donald Trump, Rochester, 10.4.16. Je länger der Wahlkampf dauert, desto mehr erscheint Clinton als das größte Übel.
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