US-Wahlkampf FBI-Agenten wussten seit Wochen von Clinton-Mails

Das FBI brütet offenbar seit Wochen über den neuen E-Mails mit Bezug zu Hillary Clinton. Behördenchef Comey - selbst Republikaner - will erst am Donnerstag davon erfahren haben. Und informierte sofort den Kongress.

Hillary Clinton
AFP

Hillary Clinton


In der neuen, angeblichen Affäre um US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ist ein wichtiges Detail bekannt geworden: Offenbar wussten FBI-Mitarbeiter schon Anfang Oktober von weiteren E-Mails, die für die Ermittlungen um die Nutzung eines privaten Mailservers durch Clinton während ihrer Zeit als Außenministerin relevant sein könnten. Das berichtet die "Washington Post" und beruft sich auf eine nicht näher benannte Quelle.

FBI-Direktor James Comey will allerdings erst am Donnerstag von diesen weiteren Mails erfahren haben. Darum habe er am Freitag umgehend den Kongress per Brief darüber informiert, dass die Ermittlungen in der Causa Clinton eventuell neu aufgenommen werden müssten. Unklar ist, warum seine Mitarbeiter Comey erst am Donnerstag, rund zwei Wochen vor der Präsidentschaftswahl, informierten.

In der Nacht zu Montag meldete die "Washington Post", das FBI habe inzwischen die offizielle Erlaubnis erhalten, die Mails zu durchsuchen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Mitarbeiter der Strafverfolgungsbehörden. Es handle sich demnach um insgesamt fast 650.000 E-Mails - wobei darunter zahlreiche sind, die mit dem Fall Clinton nichts zu tun haben dürften, wie es in dem Artikel heißt.

Clintons Wahlkampf-Team ist seit dem Bekanntwerden der neuen E-Mail-Funde am Freitag alarmiert. Bis dato schien es, als stehe die Demokratin als Siegerin der Wahl vom 8. November so gut wie fest. Nun muss sie wegen der neuen Überprüfungen des FBI wieder bangen. Clinton nannte das Vorgehen der Ermittler am Samstag "zutiefst besorgniserregend" und ein "bisher einmaliges" Vorkommnis.

Video zur E-Mail-Affäre: Clinton knöpft sich FBI-Chef vor

Bislang ist unklar, was es mit den Mails überhaupt auf sich hat. Sie stammen von einem Computer des früheren Kongressabgeordneten Anthony Weiner, dem langjährigen Ehemann von Clintons enger Beraterin Huma Abedin. Den Rechner sollen Abedin und ihr Noch-Ehemann gemeinsam genutzt haben - wobei Abedin sagte, sie wisse nicht, wie Mails mit Bezug zu Clinton auf den Rechner gelangt sein könnten.

Clinton und ihr Team hatten FBI-Direktor Comey am Wochenende scharf für sein Timing angegriffen. In seinem recht unspezifischen Schreiben an die Kongressabgeordneten erweckte Comey den Eindruck, es würde nun wieder gegen Clinton ermittelt, blieb aber vage, um was für E-Mails es sich handelt.

Für das Wahlkampf-Team des republikanischen Bewerbers Donald Trump war die Meldung über weitere Mails mit einem Bezug zu Clinton ein Glücksfall. Trotz eines Quasi-Freispruchs in der E-Mail-Affäre durch FBI-Chef Comey im Juli 2016 war das Thema Dienst-Mails einer der aggressivsten Punkte in Trumps Anti-Clinton-Wahlkampf.

Lange bevor die neuen Details im Raum standen, hatte Trump in einer Fernsehdebatte erklärt, wenn er Präsident werde, solle ein Sonderermittler Clintons Mails untersuchen und die Demokratin, wenn irgend möglich, ins Gefängnis bringen.

Alle Fakten zum neuen E-Mail-Fund und zur Rolle des FBI lesen Sie hier.

cht/aar

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Seite 1
schokohase123 30.10.2016
1. faszinierend bis erschreckend
bei solchen Vorkommnissen kann man sich selbst als sattelfester, geerdeter Mensch irgendwann so langsam des Eindrucks nicht erwehren, das hier von welcher Seite auch immer zu bestimmten Zeitpunkten irgendwelche Informationen in den Ring geworfen werden, um das Wahlergebnis doch wieder in irgendeiner Art und Weise zu beeinflussen. Anders lassen sich solche getimten Nachrichten Lecks so langsam nicht mehr erklären.
Holztransistor 30.10.2016
2. nicht näher genannte Quelle... soso
Ist das jetzt der Versuch dem FBI zu unterstellen, man hätte absichtlich so lange gewartet um Clinton kurz vor der Wahl nochmal anzuschwärzen? Meiner Meinung nach ist der Zeitpunkt ist völlig egal. Wichtig ist, was in den Mails steht. Und das sollte darüber entscheiden, ob diese Frau Präsidentin werden darf.
h.hass 30.10.2016
3.
Wie genau wird Clinton durch diesen "Skandal" nun eigentlich belastet? Aus den bisherigen Berichten geht dies nicht hervor. Geht es um einen allzu laxen Umgang mit Ihren Dienst-E-Mails? Und wenn ja, disqualifiziert sie das tatsächlich für den Job als US-Präsidentin? Wenn man die bisherige Faktenlage betrachtet, scheint es sich um einen gemachten Skandal zu handeln, der eigentlich gar keiner ist.
KingTut 30.10.2016
4. Amerika gibt ein extrem schlechtes Bild ab
Der gesamte Wahlkampf in den USA hat ein extrem schlechtes Bild auf dieses wundervolle Land geworfen. Es ging kaum noch um Sachthemen, sondern nur um die persönliche Diffamierung des politischen Gegners. Warum jetzt so kurz vor der Wahl von dem Republikaner Comey neue angebliche Tatbestände gegen Frau Clinton aufgefahren werden ist deshalb bemerkenswert, weil die in Rede stehenden E-Mails gar nichts mit Frau Clinton, sondern mit ihrer ehemaligen Mitarbeiterin zu tun haben. So jedenfalls hat es der Spiegel in den vergangenen Tagen berichtet. Ich finde es erschreckend, wie viel böses Blut in diesem Wahlkampf versprüht wurde und ich befürchte, dass der Effekt bis weit nach der Wahl hinaus seine Wirkung entfaltet. Was Amerika momentan vor der Weltbühne abliefert ist erbärmlich. Ist denen denn nicht klar, dass die lachenden Dritten Russland und China sind? Den Schurken dieser Welt darf diese stolze Nation nicht in die Hände arbeiten.
mc_os 30.10.2016
5. Wie im Mittelalter
Der Überbringer der schlechten Nachricht ist der Böse. Nicht der Täter!
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