E-Mail-Affäre Clinton knöpft sich FBI-Boss vor

FBI-Chef James Comey ist Republikaner - und kündigt kurz vor der US-Wahl neue Untersuchungen zu Hillary Clintons E-Mail-Affäre an. Diese reagiert harsch. Donald Trump nutzt derweil die Gunst der Stunde.


Hillary Clinton hat das jüngste Vorgehen von FBI-Chef James Comey in der E-Mail-Affäre als "zutiefst besorgniserregend" kritisiert. So kurz vor der Wahl öffentlich zu machen, dass die Bundespolizei neu gefundene E-Mails aus ihrer Zeit als Außenministerin untersuche, sei "merkwürdig" und ein in seiner Art "bisher einmaliges" Vorkommnis, sagte die demokratische Präsidentschaftskandidatin in Daytona Beach im Bundesstaat Florida.

Sie forderte Comey auf, alle Informationen im Zusammenhang mit den neuen Untersuchungen auf den Tisch zu legen.

Der FBI-Chef - selbst Republikaner - hatte in einem Brief an führende Kongressmitglieder mitgeteilt, dass im Zuge einer anderen Ermittlung weitere E-Mails aufgetaucht seien, die vertrauliche Inhalte enthalten könnten. Entdeckt wurden diese Mails laut "New York Times", als das FBI Geräte der Clinton-Vertrauten Huma Abedin und von deren Noch-Ehemann Anthony Weiner untersuchte. Es werde nun geprüft, ob dies für Clintons Fall eine maßgebliche Rolle spiele.

Mit dem Gang an die Öffentlichkeit brach Comey nicht nur mit der langjährigen Praxis des FBI, Schritte zu vermeiden, die den Ausgang der Wahl beeinflussen könnten. Er widersetzte sich auch seiner Vorgesetzten, der Justizministerin Loretta Lynch.

Trump: "Größter Skandal seit Watergate"

Donald Trump nutzte die neuen Entwicklungen in der E-Mail-Affäre für scharfe Attacken gegen seine Rivalin. In einer Rede in Colorado warf er ihr vor, durch und durch korrupt zu sein und eigene finanzielle Interessen über das Wohl der Nation zu stellen. Im Fall eines Wahlsieges "würde sie das Oval Office so rasch zum Verkauf anbieten, dass euch schwindelig würde", rief der Präsidentschaftskandidat unter dem Jubel seiner Anhänger.

Clinton habe gelogen und betrogen, um ihr eigenes kriminelles Verhalten zu vertuschen und "euch und eure Kinder in Gefahr gebracht", fuhr Trump fort. "Sie ist schuldig, schuldig, schuldig." Die E-Mail-Affäre sei der größte politische Skandal seit Watergate und "eine ernste Bedrohung unserer Demokratie".

Tatsächlich ist über die neu entdeckten Mails nichts bekannt, was für Clinton strafrechtliche Folgen haben könnte. Im Gegenteil: Die Mails stammen allem Anschein nach nicht von ihr und wurden auch nicht auf ihrem umstrittenen privaten Server gefunden. Dennoch hat der Fall so kurz vor der Wahl enormes politisches Gewicht, er dürfte Clinton eindeutig schaden.

Alle Hintergründe zum neuen E-Mail-Fund lesen Sie hier.

asa/dpa



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areku 29.10.2016
1. Das FBI hält sich nicht an die Regeln...
Dem Artikel ist zu entnehmen das sich das FBI bei früheren Ermittlungen nicht in den Wahlkampf eingemischt hat. In einem Staat der die Rechtstaatlichkeit quasi für sich gepachtet hat, sollte so ein vorgehen der Bundespolizei eher die Regel als die Ausnahme sein.
lambda1 30.10.2016
2. Vorknöpfen?
Was ist denn das für eine Berichterstattung? Das FBI begründete, dass die nicht in den Geruch kommen wollten, evtl nach der Wahl der Unterdrückung von Fakten beschuldigt zu werden.
marilan 30.10.2016
3. Wo ist das Problem?
Ist doch altbekannt, dass diese politischen Machtspielchen auf allen Ebenen laufen. Hat sie halt Pech gehabt, dass der Boss, nicht so wie die Justizministerin, nicht auf ihrer Seite steht. Die Unabhängigkeit von Exekutive, Legislative und Judikative ist früher oder später jedermanns Wunsch, dann aber wieder doch nicht. Alles nur gefasel. Pech hat sie gehabt, und das sollte sie auch anerkennen. Anderseits, wenn sie gewinnt, dann hat Comey halt keine große Karriere mehr vor sich.
westphal-travel 30.10.2016
4. Ab in den Knast mit ihr !
Na, da bin ich mal gespannt, wie schnell die Medien zurueckrudern, wenn Trump diese Wahl doch gewinnt. Die Clinton wuensche ich mir jedenfalls nicht als Praesidentin und Trump ist unter zwei Uebeln immer noch die bessere Alternative. Zumindest erwarte ich unter seiner Regierung eine Entspannung des Verhaeltnisses zu Russland. Jede von Clinton verursachte Verschaerfung der Situation wuerde vor allem Europa schaden und deshalb "NO" to Hillary !
Quelle 30.10.2016
5. Schmeckt gar nicht
Tja, da wird ihr auf den letzten Metern der schon sicher geglaubte Wahlsieg gefährdet, und das schmeckt ihr natürlich gar nicht. Wäre das Donald Trump passiert, dann mag ich mir ihr Triumphgeschrei und ihren Aufklärungseifer gar nicht vorstellen, aber Einstecken ist halt immer wesentlich schwieriger ...
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