Clintons Erfolg in Nevada Zittersieg im Zockerstaat

Sie hat bei Tagelöhnern gepunktet, bei Gewerkschaftern und bei Besserverdienern: Mit ihrem Sieg in Nevada zeigt Hillary Clinton, dass sie die aussichtsreichste Bewerberin der US-Demokraten ist. Doch ihr Rivale Sanders will nicht aufgeben - noch nicht.
Clinton: Aufatmen in Nevada

Clinton: Aufatmen in Nevada

Foto: DAVID BECKER/ REUTERS

Am Ende geht es doch ganz schnell. Kopf an Kopf liegen Hillary Clinton und Bernie Sanders anfangs, mal führt der eine, mal die andere, und jeweils nur hauchdünn. Doch als dann die Ergebnisse aus dem bevölkerungsstärkeren Süden Nevadas einlaufen, schiebt sich Clinton vor, Stimme für Stimme - bis der Zeiger auf 52,6 Prozent stehen bleibt.

Dabei hat Clintons Team mit dem Schlimmsten gerechnet. Im Caesars Palace am Casino-Strip von Las Vegas haben sie nur einen kleineren Saal angemietet, um die Resultate, je nachdem, zu feiern oder geübt-stoisch zu betrauern. Kaum 300 Leute passen hinein, der Rest muss auf dem Flur warten, die Smartphones gezückt fürs Kandidaten-Selfie.

"Danke, Nevada!", ruft Clinton, als sie vor die Fans tritt, flankiert von dem erschreckend fahlen Ex-Präsidenten Bill Clinton. "Manche mögen an uns gezweifelt haben, aber wir selbst haben nie an uns gezweifelt."

Ihre dünne, heisere Stimme deutet aber eher das Gegenteil an. Sicher, in der Theorie war Clinton immer die nahezu unaufhaltsame Kandidatin, die einzige mit echten Chancen. Doch dann kamen Iowa, die Fast-Niederlage, und New Hampshire, die echte Pleite - und im Clinton-Lager brach Panik aus: Würde ihr Schlachtplan am populistischen Revolutionär Sanders scheitern?

Was die Demokraten-Führung gegen Sanders hat

In Nevada - wo Clintons einst zweistelliger Vorsprung zerronnen war - musste sie es also schaffen, um ihre Kandidatur zu retten. Alles stand auf dem Spiel im Spielerstaat, auch wenn Demokraten-Insider nur den Kopf schütteln über Sanders und seine wohl illusionären Versprechen: "Allein aus Respekt", sagt einer über den 74-jährigen Senator, "haben wir bisher nicht gegen ihn eingegriffen."

Diese Zurückhaltung dürfte nun schwinden. Denn Sanders brauchte einen Sieg in Nevada noch mehr als Clinton: Sein unerwartet gutes Abschneiden in den beiden ersten Vorwahlstaaten hatte er fast ausschließlich Weißen zu verdanken. In Nevada musste er sich erstmals einer diversifizierten Minderheiten-Wählerschaft stellen.

Die Amerikaner sprechen von "Wählbarkeit" - und die scheint bei Clinton, das ist die wichtigste Lehre von Nevada, einfach höher: Bernie Sanders hat weniger Reiz. Was sich schon am Freitagabend zeigte: Da wirkte seine Abschlusskundgebung in einem nicht ganz gefüllten Amphitheater auf den Hügeln vor Las Vegas seltsam unmotiviert - wie der Auftritt einer unwilligen Band vor weißen College-Studenten.

Was für Clinton spricht

Clinton dagegen sichert sich die Mehrheit der nicht-weißen Wähler. Sanders punktet zwar knapp bei den Latinos, die in Nevada besonders stark vertreten sind. Doch bei den Schwarzen, die er zuletzt hofiert hat, stimmen nur zu 22 Prozent für ihn - obwohl er die Unterstützung einiger schwarzer Lokalpolitiker bekam.

Ohne die Afro-Amerikaner freilich, ohne eine breite Koalition der Minderheiten, lässt sich kaum eine demokratische Kandidatur gewinnen. Geschweige denn eine US-Präsidentschaftswahl gegen einen perfiden, skrupellosen, unberechenbaren Widersacher wie Donald Trump, der am Samstag zeitgleich bei den Republikanern in South Carolina siegte.

Auch deshalb hatte Clinton nichts dem Zufall überlassen. Sie wusste, dass Nevada - Schauplatz ihres bitteren Caucus-Zweikampfes mit Barack Obama im Jahr 2008 - erneut eine entscheidende Etappe werden würde.

Ihr erstes Nevada-Büro eröffnete Clinton schon im Juli 2015, nur Wochen nach ihrem offiziellen Einstieg ins Rennen und ein halbes Jahr vor Sanders. Monatelang umgarnte sie die mächtigen Casino-Gewerkschaften, die Latino-Vertreter, die "Dreamers" - jene jungen, von Abschiebung bedrohten Einwanderer. Sie zog durch Kantinen und Küchen, besuchte Tagelöhner und Nachtschichtler.

Dabei ist vielsagend, dass sich Sanders' Botschaft von ökonomischer Fairness gerade hier nicht durchsetzte - in einem Staat, der mehr als andere unter der Rezession litt. Doch Nevadas Vorwähler vertrauten Clinton: Sie gewann die Schlecht- und die Besserverdiener -, eine Spanne, die sie brauchen wird für den Kampf, der vor ihr liegt.

Dieser Kampf dürfte trotzdem noch eine Weile dauern. Sanders verliert in Nevada nicht klar genug, um jetzt aufgeben zu können, ohne seine Anhänger derart zu vergrätzen, dass sie sich ganz von der Partei abwenden - ein Risiko, dass auch die Parteispitze fürchtet.

Er wird denn noch eine Weile mitmischen - auch, wie gemunkelt wird, aus Animosität gegen das Partei-Establishment, von dem er sich stets distanziert hat. "Wir haben den Wind im Rücken", beharrte er. "Wir werden am Super Tuesday in elf Staaten im ganzen Land konkurrieren." Dann stieg er ins Flugzeug nach South Carolina, wo die Demokraten am kommenden Samstag wählen.


Zusammengefasst: Hillary Clinton hat die Urwahl der Demokraten für die US-Präsidentschaftskandidatur im Bundesstaat Nevada am Samstag knapp gewonnen. Nach Auszählung von 79 Prozent der Wahlkreise führte sie mit 52,1 Prozent vor ihrem Konkurrenten Bernie Sanders, der 47,8 Prozent erreichte. Sanders, parteiloser Senator aus Vermont, der sich selbst als demokratischer Sozialist bezeichnet, gratulierte Clinton, aufgeben will er aber noch nicht. Für Clinton ist es ein wichtiger Sieg, der zeigt, dass sie breite Wählerschichten überzeugen kann.