US-Vorwahlen Die drei Probleme der Hillary Clinton

Hillary Clinton ist die Kandidatur kaum noch zu nehmen, für die Wahl im November rechnen sich die Demokraten beste Chancen aus. Die gewaltigen Probleme der Partei geraten dabei aus dem Blick.

US-Demokratin Clinton
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Die Stimmung ist gut bei Hillary Clinton. Am Dienstag hat sie wieder wichtige Siege eingefahren, ihr Rivale Bernie Sanders ist rechnerisch so gut wie abgeschüttelt. Wer mit Leuten spricht, die Clinton nahe stehen, spürt gar ein klein wenig Euphorie. Ob Donald Trump oder Ted Cruz ihr Gegner wird, spielt eigentlich keine Rolle. Der eine ist zu erratisch, der andere zu konservativ, als dass das Weiße Haus für sie in Reichweite wäre. So sehen es die Menschen in Clintons Zirkel.

Was bei all dem Chaos auf Seiten der Republikaner untergeht, ist, welch gewaltige Probleme die Demokraten ihrerseits haben. Gemeint sind weniger die Schwächen von Clinton persönlich, über die ist schon viel geschrieben worden. Es geht um die strukturellen Handicaps der Partei, deren Folgen sich möglicherweise erst in ein paar Jahren zeigen.

Im Video: Hillary Clintons Auftritt an der US-Ostküste

Erstens: Der Kampf zwischen Clinton und Sanders hat offengelegt, wie sehr sich die Elite der Partei und die jüngeren Amerikaner voneinander entfremdet haben. Das Selbstverständnis der Parteiführung als Garant des Status quo beißt sich mit den Träumen der Milleniumskinder.

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Sie sind aufgewachsen in einer Welt, in der Wünsche oft mit einem einzigen Mausklick erfüllbar sind. Warum das Finanzsystem einmal runter- und dann schnell wieder hochgefahren werden konnte, es aber nicht möglich sein soll, etwa den Zugang zu Universitäten erschwinglicher zu machen, ist ihnen schlicht ein Rätsel.

Sanders, 74-Jähriger Senator, der bis vor Kurzem noch parteilos war, scheint dieses On-demand-Lebensgefühl besser zu treffen als Clinton. Das muss für die Ex-Außenministerin ein Alarmsignal sein. Der Rückhalt der Jungen ist nichts mehr, worauf die Demokraten ohne Weiteres zählen können. In einer alternden Gesellschaft wäre das noch zu vernachlässigen. In der Demografie der USA wird man auf lange Sicht ohne jüngere Wählergruppen aber kaum gewinnen können.

Kampf um den Charakter der Demokraten

Zweitens: Die Rolle, die die Demokraten in Amerikas politischem System künftig spielen wollen, ist unklar. Es gibt zwei Flügel. Clinton repräsentiert jenen, der die Partei als staatstragenden Apparat versteht, der sich mit der Macht in Wirtschaft, Finanzwelt und Kultur so arrangiert, dass schon nichts richtig schiefgehen wird. Sanders steht für jenen Flügel, der die Demokraten avantgardistischer und als Treiber des Wandels versteht.

Womöglich schafft Clinton es, diese Flügel im Wahlkampf zusammenzuführen. Aber dass die Einheit hält, wenn die Wahl vorüber ist, ist unwahrscheinlich. Je geringer die Parteibindung wird, desto mehr Profil muss eine Partei zeigen, um Wähler anzusprechen. Der Kampf um den Charakter der Demokraten wird kommen.

Drittens: Die Demokraten leiden unter einem eklatanten Nachwuchsdefizit. Kein Mitglied der Parteiführung ist unter 50 Jahre alt. Von den Senatoren und Gouverneuren gibt es fast niemanden mit nationaler Bekanntheit, mal abgesehen vielleicht von Bauminister Julián Castro, der seinen Job bisher aber auch nicht wirklich preisverdächtig ausgeführt hat. Man mag der Auffassung sein, dass sich die Sache schon regelt, wenn Clinton erst einmal Präsidentin ist.

Die Wahrheit ist: Schon unter Barack Obama wurde die Nachwuchsarbeit so sehr verschlafen, dass sich die Republikaner einen enormen Vorsprung erarbeiten konnten. Politiker wie Paul Ryan, Marco Rubio oder Ted Cruz mögen in vielen Fragen Hardliner sein: Aber sie sind alle erst Mitte 40.

Und sie haben noch viel vor.

Hier sehen Sie eine Videoanalyse zum Cruz-Kasich-Deal:

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insgesamt 51 Beiträge
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muellerthomas 27.04.2016
1.
Na da musste sich Herr Meidick aber schon Probleme aus den Fingern saugen. Vielleicht gibt es eine gewisse Entfremdung der ganz jungen Wähler zur Politik, aber eben allgemein zur Politik und nicht nur zu den Demokraten. Letztlich hilft die demographische Entwicklung sogar eher den Demokraten als der GOP. Und die beiden Flügel...na die liegen doch näher zusammen als die Fundis und Realos bei den deutschen Grünen. Ist es nicht sogar eher ein Vorteil, dass die Partei ein gewisses Spektrum abdeckt?
freddygrant 27.04.2016
2. Alle guten Dinge sind drei!
Es scheint, die US-Amerikaner kommen nicht umhin, sich nach einer weiteren, wählbaren Partei umzusehen und diese im Interesse der US-Wähler und -Jugend zu etablieren. Auch das wäre ein Weg zu mehr Demokratie in den USA ...
Bürger Icks 27.04.2016
3. Hab noch ein paar Clinton Probleme
Hillary Clinton: A Career Criminal https://www.youtube.com/watch?v=kypl1MYuKDY Hillary Clinton Exposed, Movie She Banned From Theaters Full https://www.youtube.com/watch?v=9IOpbj8ajZs Hillary Clinton lying for 13 minutes straight https://www.youtube.com/watch?v=-dY77j6uBHI Ob nun Trump oder Clinton, kein normal denkender Mensch mit normalem "Vermögen", Einkommen, Job, keiner der nicht will das die Welt noch mehr aus den Fugen gerät, kann für diese Figuren sein. Aber Clinton wird FÖTU...tschuldigung, POTUS, mit Trump(einem gutem, persönlichem Freund) als Steigbügelhalter. Denn wenn die Wallstreet einen der ihren als POTUS sehen will, damit sich bloss nichts ändert am System, dann wird diese Marionette auch POTUS! Da wird dann auch mal mit Wahlverfälschungen gearbeitet, mit millionenschweren Trollarmeen die gegen Sanders arbeiten, statt für Hillary, aber das alles scheint nicht bis in die deutsche Presse vorzudringen. Auch nicht, das das FBI nur allzugerne eine Untersuchung mit folgender Anklage vollführen würde, wegen der Benghazi-E-Mail-Geschichte, usw.
matthias.h.goldmann 27.04.2016
4. Es geht nicht um Wünsch-Dir-Was
Den Kommentator scheinen die jungen Sanders-Wähler genauso ratlos zu machen wie das Establishment der Demokraten. Es geht nicht um Wünsch-Dir-Was, um das Erfüllen jeglicher Träume auf Mausklick. Es geht darum, dass eine ganze Generation merkt, dass sie niemals den Lebensstandard und die Entfaltungsmöglichkeiten ihrer Eltern genießen wird. Das Nachkriegsversprechen des steigenden Wohlstands für alle ist ausgeträumt. Man startet mit enormen Schulden in das Berufsleben und hat dennoch kaum Aussicht auf eine gesicherte, langfristige Anstellung. Stolpert man am Arbeitsmarkt, gibt es kein soziales Netz, das einen auffangen würde. Das alles ist das Ergebnis von 40 Jahren neoliberaler Politik, für die auch das Parteiestablishment der Demokraten und Hillary Clinton stehen. Man muss nur etwas die sozialen Medien oder Vice News studieren, um das zu realisieren.
adsoftware 27.04.2016
5. Endlich mal eine realistische Videoanalyse
Veit Medick gibt den Status Quo hier einmal realistisch wieder. Für Trump könnte der Wahlkampf einfacher nicht sein. Seine Gegenkandidaten sind schwach und verhalten sich völlig verzweifelt. Hillary ist wegen Bengasi und ihren überteuerten Vorträgen total verbrannt. Trump spricht die 99% an, obwohl er zu den 1% gehört. Aber er nimmt kein Lobby-Geld und ist damit der einzige ehrliche Kandidat. Kein Zweifel, dass er Präsident wird.
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