Präsidenten-Wahlkampf in den USA Clinton, die Zweite

Hillary überall: Ex-Außenministerin Clinton wirbelt durch die USA, der Schattenwahlkampf für die Präsidentschaft läuft. Auch ihre Gegner rüsten sich - es dürfte eine Schlammschlacht werden.

AP/dpa

Von , Washington


Natürlich macht auch Amerikas Nationale Vereinigung der Autoverkäufer (NADA) mit beim großen Hillary-Clinton-Rätsel. Will sie oder will sie nicht? "Ich weiß es nicht", entgegnete Clinton auf die Frage nach einer möglichen Präsidentschaftskandidatur 2016. Neulich war sie der Stargast auf dem NADA-Jahrestreffen in New Orleans, lobte die Autoindustrie - und enthüllte am Ende doch noch etwas: Im Jahr 1996 sei sie das letzte Mal selbst Auto gefahren.

Und schon summt es in den sozialen Netzwerken. Egal was Hillary Clinton in diesen Tagen macht oder sagt, es ist "newsworthy", es hat Nachrichtenwert.

Die Nation wartet auf ihre Ansage: Ja oder nein? Wenn sie will, dann kommen die Demokraten wohl nicht an ihr vorbei. "Kann noch jemand Hillary stoppen?", fragte das "Time"-Magazin jüngst auf seinem Cover. Die Antwort: wohl kaum. Dabei mache es keinen Unterschied, ob sie nun ihre Kandidatur schon offiziell erklärt habe oder nicht, so das Heft: Clinton sei derart vernetzt und bereit für die Präsidentschaft nach zwei Wahlkämpfen an der Seite ihres Mannes und einem eigenen, "dass ihr privates Leben praktisch nicht zu unterscheiden ist von ihrem Leben als Kandidatin". Fazit: Solange sie sich nicht festlegt, verdammt sie die anderen zum Warten.

Denn Vizepräsident Joe Biden und US-Senatorin Elizabeth Warren haben durchblicken lassen, dass sie gegen Clinton nicht in Vorwahlen antreten werden. Jüngere wie Marylands Gouverneur Martin O'Malley oder New Jerseys Senator Cory Booker können ohnehin über 2016 hinausdenken. Einer Umfrage zufolge liegt Clinton derzeit weit vor ihren potentiellen innerparteilichen Rivalen: Während sich 65 Prozent der befragten Demokraten für sie aussprechen, kommt Biden nur auf acht, Warren auf sieben und O'Malley sowie der frühere Gouverneur von Montana, Brian Schweitzer, auf gerade mal ein Prozent.

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Warmlaufen für 2016: Hillary Clintons Comeback-Pläne
Die Clinton-Welle wird Woche für Woche größer. Mitte Februar erscheint die neue Hillary-Biografie, im Sommer dann ihr eigenes Buch. Zuletzt platzierten die Magazinmacher der "New York Times" ihr Gesicht auf einem Himmelskörper ("Planet Hillary"), umgeben vom weitverzweigten Clinton-Universum mit all den Beratern, Weggefährten, Helfern. Die Botschaft der Fotomontage: Wenn Clinton erfolgreich sein will, muss sie dieses über Jahrzehnte geschaffene, aber chaotisch organisierte Universum auf sich ausrichten.

Die Jahre als First Lady (1993 bis 2001), als New Yorks US-Senatorin (2001 bis 2009) sowie als Obamas Chefdiplomatin (bis 2013) haben aus ihr einerseits eine Marke gemacht; andererseits liefern ihre Vergangenheit und ihr Umfeld gehörig Stoff für politische Gegner.

Die halten Clinton insbesondere die islamistische Terrorattacke auf Amerikas diplomatische Vertretung im libyschen Bengasi vor, bei der im September 2012 vier Amerikaner ums Leben kamen, darunter der US-Botschafter. Clinton übernahm damals als Außenministerin die politische Verantwortung, die Sicherheitsmaßnahmen waren nicht ausreichend.

Und dann ist da natürlich noch: die Affäre Lewinsky.

Der Radikalliberale Rand Paul hat soeben gemeinsam mit seiner Ehefrau dieses Territorium für die Republikaner markiert. Kelley Paul sagte der "Vogue", Bill Clinton habe sich "wie ein Raubtier" verhalten. Man dürfe es ihm nun nicht so leichtmachen, wieder ins Weiße Haus zurückzukehren, auch nicht als "erster Ehemann der Nation". Gegenüber NBC legte Rand Paul nach, erklärte die Affäre Lewinsky zum "Faktor" für den Fall einer Hillary-Kandidatur.

Die erwartbaren Schmutzeleien dürften bereits eingepreist sein in Clintons Kandidatur-Überlegungen, getreu dem Wahlkampfschlager der Clintons aus den Neunzigern nach einem Song von Fleetwood Mac: "Hör nicht auf, über morgen nachzudenken. Gestern ist vergangen." An Weihnachten twitterte Clinton: "Freue mich auf 2014. So viel zu tun."

In den Monaten zuvor hatte sie gesagt, sie wolle noch erleben, wie eine Frau ins Weiße Haus gewählt werde. Es ist der Traum von der ersten "Madam President" Amerikas. Längst läuft der "Schattenwahlkampf" ("Politico"), auch ganz ohne Kandidatin:

  • Die Spendenplattform (SuperPAC) "Ready for Hillary" hat allein im vergangenen Jahr vier Millionen Dollar von Kleinspendern eingesammelt und brachte am vergangenen Wochenende führende Aktivisten der Demokraten in Iowa, einem der ersten Vorwahlstaaten 2016, zusammen.
  • In der vergangenen Woche erklärte der größte und wichtigste SuperPAC der Demokraten - "Priorities USA Action" - offiziell seine Unterstützung für Clinton.
  • Mit "Correct the Record 2016" hat Clinton bereits jetzt eine Website, die Attacken entkräften soll.

Clinton wird auf dieser Welle so lange surfen, wie sie nur kann. Mit ihrer Autobiografie wird sie eine Lesereise machen, dann ist es Herbst. Sie wird im Kongresswahlkampf ein bisschen mitmischen, dann ist es November. Irgendwann danach, vielleicht, wird die Welle ihren Scheitelpunkt erreichen.

insgesamt 29 Beiträge
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Binideppert? 03.02.2014
1. Eine...
...Präsidentschaft Hillarys würde den USA nach insgesamt 16 verlorenen Jahren bestimmt nicht schaden.
Rezet 03.02.2014
2.
Mrs.Clinton im Präsidialamt würde noch mehr Kriege bedeuten, oder hat jemand bereits ihre unrühmliche Rolle in den Konflikten um Libyen, Syrien und Iran vergessen?
WhereIsMyMoney 03.02.2014
3. Und wen kümmert's?
Es ist doch mittlerweile so ziemlich egal wer Präsident wird, an der Aussenpolitik, also das was für uns wichtig ist, ändert sich doch nichts. Bis heute glauben einige dass mit Al Gore es keine Kriege gegeben hätte, was absolut falsch ist. Ich denke der amerikanische Wahlkampf sollte in unseren Medien nciht mehr als der russische oder gar der chinesische (nun ja, der interne Kampf) behandelt werden. Manchmal habe ich den Eindruck das mehr über den amerikanischen Wahlkampf geschrieben wird als über unseren eigenen.
Oskar ist der Beste 03.02.2014
4. optional
Hillary ist ja nicht nur gut vernetzt, sondern hat auch eine sehr lange politische Erfahrung aufzuweisen, so war sie bereits im Legal Team des Representantenhauses über Watergate 1973! Und sie kann im Gegensatz zu Obama Leute nicht nur überzeugen, sondern sich auch durchsetzen. Sie wäre ein Glücksfall für die USA und hätte schon 2008 den Job bekommen sollen.
onkendonk 03.02.2014
5. Mal sehen ob sie genug Geld für den Kauf der Präsidentschaft zusammenbekommt!
Und nach der immensen Enttäuschung mit Obama glaube ich nicht das sich da viel ändert. Die Typen der amerikanischen Präsidenten (sowie deren Bewerber auf das Amt) sind sich viel zu ähnlich, viel zu uramerikanisch und viel zu sehr von sich und ihrem System überzeugt als das sich da was ändern würde. Hilf dir selbst dann hilft dir Gott, und wenn du arm oder krank oder gar beides bist hast du eben nicht oft und fest genug gebetet und bist infolgedessen selbst an deinem Elend schuld. Oder gar ein Ausländer, und für den gilt das amerikanische System/Recht sowieso nicht.
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