Warmlaufen für 2016: Hillary Clintons Comeback-Pläne
US-Schattenwahlkampf Hillary, die Erste
Wer dieser Tage durch Amerikas News-Kanäle zappt, der wird es unweigerlich mit Hillary Clinton zu tun bekommen. Die Ex-Außenministerin ist derzeit so präsent wie seit Februar nicht mehr, als sie sich aus dem Amt verabschiedete. Zuletzt machte sie mit einer Rede vor einer Juristenvereinigung Schlagzeilen.
Da sprach sie über die "alten Dämonen der Diskriminierung", kritisierte massiv den Obersten Gerichtshof, der die Rassismus-Schutzklausel im Wahlrechtsgesetz aufgehoben hatte. Clinton kündigte gleich weitere Reden an, um für "Vertrauen in die Regierung" zu werben, dann soll es um die Balance von Sicherheit und Transparenz gehen - die NSA-Schnüffelaffäre lässt grüßen.
"Als ob sie bereits 'Madam President' wäre"
Es sind Reden, die Barack Obama halten könnte, der ist schließlich der Präsident. Was aber ist Hillary Clinton gerade? Eine Ex-Außenministerin, die sich einfach so ums Gemeinwesen sorgt? Oder eine Frau, die sich für die Präsidentschaftskandidatur 2016 warmläuft?
"Die Luft schwirrt von Hillary", bemerkt die "New York Times"-Kolumnistin Maureen Dowd: "Von der Seitenlinie aus zieht sie unverhältnismäßig viel Aufmerksamkeit auf sich - als ob sie bereits 'Madam President' wäre." Und Obama selbst hat ihr zuletzt ein "Leuchten" attestiert. Tritt Hillary 2016 also an? Das ist die Frage, die lange vor der Wahl die Gemüter weit über ihre Partei hinaus bewegt.
Schon hat sich eine von Clinton unabhängige Spendervereinigung gebildet, ein sogenanntes SuperPAC (Political Action Committee). Name: "Ready for Hillary". Im ersten Halbjahr 2013 hat die Gruppe laut Bundeswahlbehörde 1,25 Millionen Dollar für den Clinton-Zweck gesammelt. Auch Fan-Artikel für den Wahlkampf sind bereits erhältlich, ein T-Shirt kostet 30 Dollar, Autoaufkleber gibt's für lau.
Hillary als Mini-Serie und Doku-Drama
Clinton selbst hält sich alles offen - und führt eine Art Schattenkampagne. Regelmäßig platziert sie Andeutungen: Sie hoffe, dass sie noch erlebe, wie erstmals eine Frau ins Weiße Haus gewählt werde. Das erklärte sie bei einem Auftritt in Toronto im Juni. Zugleich startete sie ihren privaten Twitter-Account @HillaryClinton, in Windeseile hatte sie mehr als eine halbe Million Follower. Ihre vielsagende Profil-Biografie dort:
"Ehefrau, Mutter, Frauen- und Kinderrechtlerin, First Lady von Arkansas, First Lady der Vereinigten Staaten, US-Senatorin, Außenministerin, Autorin, Hundebesitzerin, Haar-Ikone, Hosenanzug-Liebhaberin, Gläserne-Decke-Knackerin, TBD..."
Wobei das Kürzel TBD hier entscheidend ist. Es steht für: "To be determined" - noch zu entscheiden. Wieder so eine Andeutung. Spätestens im nächsten Sommer wird Clinton sagen müssen, ob sie will oder nicht. Dann werden auch ihre Memoiren über die Zeit im Außenamt erscheinen. In Hollywood planen sie einen Streifen über Clintons frühes Leben mit ihrem Mädchennamen als Titel: "Rodham". Der TV-Sender NBC hat eine Mini-Serie ("Hillary") angekündigt, CNN versucht sich an einer Dokumentation über Clintons Leben. Ganz offensichtlich erwarten die Sender große Aufmerksamkeit in Sachen Clinton.
Der Weg wird leichter - "beim nächsten Mal"
Am Wahlabend im November 2016 wäre sie 69 Jahre. Zu alt, lästern die Republikaner. Man kenne Hillary ja "schon seit den siebziger Jahren", so Stuart Stevens, der den Wahlkampf von Mitt Romney managte. Clintons Leute entgegnen, Ronald Reagan sei bei seinem Wahlsieg 1980 bereits 70 Jahre alt gewesen.
Klar ist: Wenn Clinton will, wird ihr die Kandidatur nur schwer zu nehmen sein. In einer aktuellen McClatchy-Marist-Umfrage unter Wählern der Demokraten führt sie das Feld möglicher Bewerber für die Präsidentschaftskandidatur der Partei mit großem Abstand an: 63 Prozent sprechen sich für Clinton aus, Vize-Präsident Joe Biden folgt mit 13 Prozent, New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo kommt auf sechs und Marylands Regierungschef Martin O'Malley auf ein Prozent.
Eine neuerliche Clinton-Bewerbung würde sich allerdings deutlich von ihrem Nominierungswahlkampf im Jahr 2008 unterscheiden. Gegen Obama suchte sie sich damals als die erfahrenere Kandidatin zu inszenieren, ihre Rolle als mögliche erste Frau auf dem Chefposten stand nicht im Vordergrund. Erst nach ihrer Niederlage griff sie - mit Blick auf die für sie in den Vorwahlen abgegebenen 18 Millionen Stimmen - dieses Motiv auf: Frauen in der Politik stoßen noch immer an eine "gläserne Decke", die ihren Aufstieg verhindert, sagte sie. Doch diese weise nun 18 Millionen Risse auf. Das "nächste Mal" werde der Weg ein bisschen einfacher sein.
Vorkämpferin für Frauenrechte
Seither hat sie sich als Vorkämpferin für Frauenrechte gegeben, nicht zuletzt in ihrem Job als Außenministerin. Über den Strategiewechsel berichtete ein Clinton-Mitarbeiter in der "Washington Post": "Damals haben wir einen großen Fehler gemacht, die Idee der Wahl der ersten Frau ins Amt des Präsidenten nicht aus vollem Herzen auszuspielen." Diesmal soll es anders laufen. "Emily's List" - eine Organisation zur Förderung von Politikerinnen der Demokraten - hat bereits den "Madam President"-Wahlkampf gestartet, Anfang August traf man sich in Iowa, dem ersten Vorwahlstaat 2016.
Es ging dort zwar nicht explizit um Clinton; aber alle sprachen über sie. Etwa die Senatorin Claire McCaskill, die 2008 noch für Obama warb: "Wohin auch immer ich komme, Frauen und Männer sagen, Hillary Clinton ist die richtige Kandidatin", wird sie von der "New York Times" zitiert. Die Stimmung bei vielen Demokraten: Nachdem man mit Obamas Wahl 2008 Geschichte geschrieben hat, soll dies nun wiederholt werden - mit Clinton.
Wirklich hinter sich gelassen hat sie die Hauptstadt ohnehin nie. In der Connecticut Avenue, nur einen Kilometer Luftlinie vom Weißen Haus entfernt, unterhält sie ein "Übergangsbüro". Vertraute und Leiterin dort ist Huma Abedin, Ehefrau des Skandalpolitikers Anthony Weiner, der um die Bürgermeisterkandidatur der Demokraten in New York kämpft.
Und ausgerechnet Weiner heizt gerade die Spekulationen an. Auf die Frage des Webmagazins "BuzzFeed", ob er etwas über die Rolle seiner Frau in einem möglichen Clinton-Wahlkampf wisse, antwortete er: "Ich weiß etwas. Aber ich sage es nicht." Ein Clinton-Sprecher konterte prompt, man habe keine Ahnung, wovon Weiner da rede.
Für die nächsten Monate ist Spannung garantiert.