Nach Lungenentzündung Clinton will diese Woche wieder auf Tour

Hillary Clinton hat einige Termine wegen ihrer Lungenentzündung abgesagt. Lange will die US-Demokratin aber nicht pausieren - schon in dieser Woche soll der Wahlkampf weitergehen.

Hillary Clinton
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Hillary Clinton


Nach ihrem Schwächeanfall in New York gönnt Hillary Clinton sich derzeit eine Auszeit. Eine Reise nach Kalifornien am Montag sagte sie ab, die kommenden Tage will sie sich schonen. Auskurieren will sich die demokratische Präsidentschaftsbewerberin jedoch offenbar nicht: Schon Mitte der Woche wolle sie wieder Wahlkampf machen, teilte ihr Sprecher Brian Fallon am Montag mit.

Clinton war am Sonntag bei den Feierlichkeiten zum Jahrestag der Terroranschläge von 9/11 zusammengesackt und musste die Veranstaltung abbrechen. Auf einem Video ist zu sehen, wie Clinton von ihren Leibwächtern gestützt und in ein Auto geleitet werden musste. Zunächst war die Rede von Überhitzung. Erst Stunden später gab Clintons Ärztin bekannt, die 68-Jährige leide schon seit Tagen unter einer Lungenentzündung.

Am Montagabend sagte Clinton dem US-Sender CNN, sie habe ihre Krankheit nicht sofort öffentlich gemacht, weil sie nicht damit gerechnet habe, dass es eine so große Sache werde. Bei dem Auftritt in New York sei ihr schwindelig gewesen, und sie habe das Gleichgewicht verloren - nicht aber das Bewusstsein.

Die Geheimhaltung hatte Kopfschütteln und deutliche Kritik ausgelöst - bei Republikanern wie Demokraten. Clintons Sprecher räumte ein, dass ihr Wahlkampfteam im Umgang mit dem Schwächeanfall Fehler gemacht habe. "Im Nachhinein glaube ich, hätten wir besser mit der Situation umgehen können", sagte Fallon. "Wir hätten schneller mehr Informationen herausgeben können."

Ihr Team sei jedoch in den 90 Minuten nach ihrem Kollaps so sehr damit beschäftigt gewesen, sich um das Wohl der Präsidentschaftsanwärterin zu kümmern, dass man vernachlässigt habe, die Öffentlichkeit zu informieren.

Clinton will umfangreiche medizinische Informationen herausgeben

Schon in den vergangenen Wochen hatten Clintons politische Gegner an ihrer Gesundheit gezweifelt - ohne jeglichen Beleg. Der frühere New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani etwa, ein Unterstützer des republikanischen Kandidaten Donald Trump, hatte wiederholt gesagt, Clinton sei müde und sehe krank aus. Trumps Sprecherin Katrina Pierson bescheinigte Clinton vergangenen Monat gar Dysphasie, eine Krankheit, bei der das Sprachverständnis eingeschränkt ist.

Clintons Zusammenbruch spielte den Republikanern nun in die Hände. Auch Trump nahm den Vorfall zum Anlass, Clintons gesundheitliche Verfassung und ihre Eignung für das Präsidentenamt in Frage zu stellen. Der 70-Jährige versprach außerdem, in Kürze Details zu seinem Gesundheitszustand zu veröffentlichen.

Dem will Clintons Wahlkampfteam in nichts nachstehen: Man werde in den kommenden Tagen umfangreiche medizinische Informationen herausgeben, versicherte Fallon. "Es gibt keine unter Verschluss gehaltenen Gesundheitsprobleme, es bleibt bei der Lungenentzündung", sagte er. Auch gebe es keinen Zusammenhang zwischen dem Vorfall am Sonntag und einer Gehirnerschütterung von 2012.

Weißes Haus hat Verständnis für Fragen nach der Gesundheit

Der Gesundheitszustand von US-Präsidenten spielt in den USA schon immer eine große Rolle. Auch das Weiße Haus signalisierte Verständnis für Fragen nach der Fitness von Präsidentschaftsbewerbern. Es sei sicher legitim, den Gesundheitszustand des nächsten US-Präsidenten kennen zu wollen, sagte der Sprecher von Präsident Barack Obama, Josh Earnest. Die Kandidaten müssten aber ganz alleine wissen, welche Angaben und welche Details sie weitergeben wollten.

An der Tauglichkeit von Clinton zweifle US-Präsident Barack Obama auch nach ihrem Schwächeanfall nicht, sagte Earnest. "Der Präsident ist nach wie vor davon überzeugt, dass Hillary Clinton die im ganzen Land am besten geeignete Person ist, um seine Nachfolgerin zu werden."

kry/Reuters/AP/dpa/AFP

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joerg.braenner 12.09.2016
1. Hoffentlich...
...macht jetzt nicht auch noch Trump schlapp. Nicht, dass ihm nochmal der Fersensporn zum Verhängnis wird. Er konnte ja damals schon leider nicht in den Vietnam-Krieg ziehen wegen diesem ärgerlichen Fuß-Leiden...
Frank Zi. 12.09.2016
2.
Hillary Clinton trägt seit einigen Wochen Anti-Epilepsie Sonnenbrillengläser (Zeiss Z1 F133 blue). Auch auf den Fotos oben, eindeutig zu erkennen für jeden Neurologen, Augenarzt oder Optiker. Das sind keine normalen Sonnenbrillen-Gläser, sondern die trägt man eigentlich nur, wenn man unter Epilepsie leidet.
joes.world 12.09.2016
3. Noch ist der Wille zur Macht stärker, als die Physis.
Was aber, wenn die alte Dame den Gipfel erklommen hat? Den Sieg bei der Präsidentschaft. Kommt dann der innere Zusammenbruch? Und wenn dann die Krisen kommen? Speziell die Außenpolitischen. Schlag auf Schlag. Denn die Welt außerhalb der schicken Washingtoner Hinterzimmer und exklusiven Lokale - Hillarys Welt -, ist voller Haifische. Die nur auf eine Schwäche, ein wenig Blutverlust warten. Und eine welke Präsidentin, nach einem außenpolitischem Fliegengewicht namens Obama, könnte die USA weiter an Bedeutung verlieren lassen, noch mehr abrutschen lassen. Und rutsch die Leitmacht der westlichen Welt und demokratischen Lebensweise - zieht das die EU noch schneller hinab. Dass es weder Republikaner noch Demokraten schafften einen ernstzunehmenden Kandidaten aufzustellen - lässt für die nächsten 4 Jahre schlimmes erwarten. Clinton ist nicht wie Trump. Sie ist anders. Selbstverständlich. Aber keinen Deut besser. Wird sie am Ende noch desaströser für die freie Welt, als der wirre Bau-Tycoon?
tomrobert 12.09.2016
4. Zerfressender Ehrgeiz-.
Wie gesegnet ist eine Nation mit einer Kandidatin , die die eigene Gesundheit ihrem Ehrgeiz unterordnet? Wer steht da eigentlich im Vordergrund? Ein Mensch der sich als so unentbehrlich für sein Land geriert das es den Bürger fröstelt, zu was ist der noch in der Lage, was wird der noch alles seinem Willen unterjochen um Ziele zu erreichen? Und sind diese Ziele dann überhaupt für das Land und seine Bürger wünschenswert ?Entbehrt diese Person nicht jeglicher gesunder Empathie zur Führung eines Gemeinwesens? Die Frau bricht zusammen, kann im letzten Moment abgestützt in den Wagen verbracht werden, und taucht gleich danach lächelnd wieder auf um ihr Fitness zu bezeugen, in einer abstrusen Form. Ich frage mich, was ist das für eine Gesellschaft die Menschen mit einer solchen pathologischen Selbstdarstellung zur Wahl für ein Präsidentenamt hervorbringt? Mich erinnert das an Römische Kaiser, an Caligula, Nero, Tiberius. Nur hatten die keine Wahl. Clinton schon.
lemmy01 12.09.2016
5. Grundsätzliche Fragen
Eine Lungenentzündung ist eine ernstzunehmende Erkrankung und muss/sollte sorgfältig auskuriert werden. Sie disqualifiziert aber nicht einen Präsidentschaftskandidaten. Das Ganze eröffnet Raum für grundsätzliche Fragen: 1. Der Job des US-Präsidenten dürfte einigermaßen stressig sein. Ob Kandidaten um die 70 im Normalfall (und ich sehe momentan keinen Krisenfall in den USA) so ideal sind, ist aus meiner Sicht fragwürdig. Ok., die alten sind heute fitter. Und Leute wie Ecclestone in der Formel 1 oder Karl Lagerfeld in der Mode sind deutlich älter und machen immer noch einen bewundernswerten Job. Aber die machen diesen Job seit Ewigkeiten. Die Präsidentsschaftskandidaten sind hingegen "Newcomer". In den meisten Unternehmen dürften die für die Spitzenposition wegen der Überschreitung der internen Altersgrenze keine Chance mehr haben. 2. Der "Vize" sollte dann wirklich ein adäquater "Auswechselspieler" sein und nicht nur eine Beruhigungspille um irgendwelche Parteiflügel einzufangen. Vielleicht sollte man dieser Position bei der Wahlentscheidung größere Bedeutung beimessen. 3. Täuscht mich der Eindruck oder werden die Bewerber generell älter? Bernie Sanders war ja auch nicht mehr ganz taufrisch (wenngleich ein erfrischender Faktor im Wahlkampf). Der Gegner von Obama im letzten Wahlkampf (Caine) hatte das ideale Alter für den Präsidentenposten auch schon überschritten.
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