E-Mail-Affäre Hillary Clinton hat ihr Postfach gründlich bereinigt

Die Öffentlichkeit solle ihre E-Mails sehen, hat Hillary Clinton nach dem Eklat um ihr privates Postfach gesagt. Doch offenbar gibt es nur das zu sehen, was sie will: Die Hälfte aller Nachrichten hat die Politikerin mittlerweile unwiderruflich gelöscht.

 Ex-Außenministerin Hillary Clinton: Selber vorsortiert - und dann gelöscht
REUTERS

Ex-Außenministerin Hillary Clinton: Selber vorsortiert - und dann gelöscht


Die mögliche zukünftige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten muss sich in der E-Mail-Affäre neuen Vorwürfen stellen: Clinton hat anscheinend alle Korrespondenz auf ihrem persönlichen Rechner unwiderruflich gelöscht. Das teilte der republikanische Vorsitzende eines Kongress-Ausschusses, Trey Gowdy, mit.

Er berief sich dabei auf Angaben von Clintons Anwalt David Kendall, der laut "New York Times" und anderen Medien das Vorgehen der Ex-Ministerin allerdings als völlig legitim verteidigte. Gowdy sprach dagegen von einem bisher beispiellosen Vorgang. Clinton habe mit der Säuberung des Rechners der Bevölkerung die Möglichkeit genommen, sich näher über ihre Arbeit als US-Außenministerin zu informieren.

Kürzlich war bekannt geworden, dass Clinton als US-Chefdiplomatin entgegen allen Gepflogenheiten ausschließlich eine private E-Mail-Adresse für ihre dienstlichen Korrespondenzen benutzt hat. Das war zwar in ihrer Amtszeit nicht direkt verboten, sieht aber nicht besonders gut aus. Es erweckt den Anschein, sie wolle etwas verbergen. Das könnte der ehemaligen First Lady im Präsidentschaftswahlkampf schaden: Clinton steht seit langem im Ruf, geheimniskrämerisch zu sein. Ihre Gegner dürften ihren Umgang mit den Korrespondenzen nutzen, diesen Vorwurf zu untermauern.

Clintons Teams hat selbst sortiert, welche E-Mail als privat gelten

Als das Außenministerium sie aufforderte, der Behörde alle auf ihre Arbeit bezogenen E-Mails zu übergeben, gab sie 30.000 Korrespondenzen auf 55.000 Seiten heraus - aussortiert von einem eigenen Team. Weitere 30.000 hatte Clintons als privat eingestuft und zurückgehalten. Per Twitter kündigte Clinton im März an, ihre dienstlichen E-Mails auch der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen.

Allerdings wird die Öffentlichkeit auch von den 55.000 abgegebenen Seiten selbstverständlich nicht alles zu sehen bekommen; das Außenministerium wird in wochenlanger Arbeit alles herausfiltern müssen, was die nationale Sicherheit gefährden könnte. Doch mehr als das gibt es wohl auch gar nicht mehr zu sehen: Nach der Sortierung der E-Mails durch ihr Team hat Clinton den als privat deklarierten Rest laut ihrem Anwalt gelöscht - also ungefähr die Hälfte aller Nachrichten.

Die Republikaner wittern darin wieder eine Chance zur Kritik. Trey Gowdy leitet einen Parlamentsausschuss, der sich mit dem islamistischen Terroranschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi im September 2012 beschäftigt. Dazu forderte er Korrespondenzen von Clinton an.

juh/dpa



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Seite 1
managerbraut 28.03.2015
1. Nichts, aber auchgar nichts
im Netz auf Mailserver - Cloud oder eigenen Festplattenspeicher ist unwiderruflich gelöscht! Wer behauptet das gelöschte Daten, egal welcher Art und Herkunft auf ein Speichermedium durch lösch Befehle unwiderruflich gelöscht sind, ist ein Dummkopf und hat von Computern keine Ahnung!
dunnhaupt 28.03.2015
2. Die keineswegs
Chancen hat Frau Clinton vermutlich kaum, denn sie ist denkbar unbeliebt und durch die Vergangenheit "belastet". Aber sie kann mit ihren berüchtigten politischen Machenschaften die Aufstellung aussichtsreicherer Demokraten verhindern und so indirekt den Republikanern zum Sieg verhelfen.
f_wohlgemuth 28.03.2015
3. Welch schwachsinnige Vorwürfe
Natürlich hat, wer alle Mails auf einer Adresse empfängt, da sowohl seine privaten als auch seine dienstlichen Mails. Und genauso natürlich ist es, dass ich selbst entscheide, welche dieser Mails privat und welche dienstlich sind - sonst sind die privaten nicht mehr privat. Das muss im Prinzip übrigens auch für die dienstliche Adresse gelten, genauso wie es für die Schneckenpost gilt, die man als öffentliche Person enthält. Sonst wäre z.B. auch der Austausch vertraulicher Nachrichten zwischen Politikern unmöglich. Das kann man sich zwar für Leute wünschen, denen man nicht traut, aber auf Dauer wäre es kontraproduktiv. Wir können die gläserne Person für bestimmte Bereiche der öffentlichen Person verlangen, da gehören z.B. die finanziellen Bezüge mindestens in dem Maß dazu, indem jeder normale Bürger seinem Arbeitgeber gegenüber zur Offenbarung verpflichtet ist, aber Gedanken gehören mit Sicherheit nur soweit dazu, als man Sie im Auftrag gedacht werden. Das passt hervorragend zu den Bild, das Republikaner auch bei anderen Gelegenheiten vermitteln: Nur bedingt demokratisch.
Danares 28.03.2015
4.
Zitat von managerbrautim Netz auf Mailserver - Cloud oder eigenen Festplattenspeicher ist unwiderruflich gelöscht! Wer behauptet das gelöschte Daten, egal welcher Art und Herkunft auf ein Speichermedium durch lösch Befehle unwiderruflich gelöscht sind, ist ein Dummkopf und hat von Computern keine Ahnung!
Ich würde eher sagen, wer behauptet, daß sich Daten, die unter der eigenen Obhut stehen, nicht unwiderruflich löschen liessen, der Dummkopf ist, der von Computern keine Ahnung hat. Daß es dafür ein wenig mehr Anstrengung bedarf als einem einfachen Löschbefehl, versteht sich von selbst.
happy2010 28.03.2015
5.
Zitat von f_wohlgemuthNatürlich hat, wer alle Mails auf einer Adresse empfängt, da sowohl seine privaten als auch seine dienstlichen Mails. Und genauso natürlich ist es, dass ich selbst entscheide, welche dieser Mails privat und welche dienstlich sind - sonst sind die privaten nicht mehr privat. Das muss im Prinzip übrigens auch für die dienstliche Adresse gelten, genauso wie es für die Schneckenpost gilt, die man als öffentliche Person enthält. Sonst wäre z.B. auch der Austausch vertraulicher Nachrichten zwischen Politikern unmöglich. Das kann man sich zwar für Leute wünschen, denen man nicht traut, aber auf Dauer wäre es kontraproduktiv. Wir können die gläserne Person für bestimmte Bereiche der öffentlichen Person verlangen, da gehören z.B. die finanziellen Bezüge mindestens in dem Maß dazu, indem jeder normale Bürger seinem Arbeitgeber gegenüber zur Offenbarung verpflichtet ist, aber Gedanken gehören mit Sicherheit nur soweit dazu, als man Sie im Auftrag gedacht werden. Das passt hervorragend zu den Bild, das Republikaner auch bei anderen Gelegenheiten vermitteln: Nur bedingt demokratisch.
Das ist so falsch Die Nachprüfbarkeit von schriftlichem ist ein Eckpfeiler Zudem Clinton hat Mitarbeiter trennen lassen zwischen Privat und Geschäftlich, da wäre es mehr als selbstverständlich den Privatteil für Nachfragen gesichert zu haben Das ganze spricht eine glasklare Sprache!
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