E-Mail-Affäre Hillary Clinton hat ihr Postfach gründlich bereinigt

Die Öffentlichkeit solle ihre E-Mails sehen, hat Hillary Clinton nach dem Eklat um ihr privates Postfach gesagt. Doch offenbar gibt es nur das zu sehen, was sie will: Die Hälfte aller Nachrichten hat die Politikerin mittlerweile unwiderruflich gelöscht.
Ex-Außenministerin Hillary Clinton: Selber vorsortiert - und dann gelöscht

Ex-Außenministerin Hillary Clinton: Selber vorsortiert - und dann gelöscht

Foto: JOSHUA ROBERTS/ REUTERS

Die mögliche zukünftige Präsidentschaftskandidatin der Demokraten muss sich in der E-Mail-Affäre neuen Vorwürfen stellen: Clinton hat anscheinend alle Korrespondenz auf ihrem persönlichen Rechner unwiderruflich gelöscht. Das teilte der republikanische Vorsitzende eines Kongress-Ausschusses, Trey Gowdy, mit.

Er berief sich dabei auf Angaben von Clintons Anwalt David Kendall, der laut "New York Times"  und anderen Medien das Vorgehen der Ex-Ministerin allerdings als völlig legitim verteidigte. Gowdy sprach dagegen von einem bisher beispiellosen Vorgang. Clinton habe mit der Säuberung des Rechners der Bevölkerung die Möglichkeit genommen, sich näher über ihre Arbeit als US-Außenministerin zu informieren.

Kürzlich war bekannt geworden, dass Clinton als US-Chefdiplomatin entgegen allen Gepflogenheiten ausschließlich eine private E-Mail-Adresse für ihre dienstlichen Korrespondenzen benutzt hat. Das war zwar in ihrer Amtszeit nicht direkt verboten, sieht aber nicht besonders gut aus. Es erweckt den Anschein, sie wolle etwas verbergen. Das könnte der ehemaligen First Lady im Präsidentschaftswahlkampf schaden: Clinton steht seit langem im Ruf, geheimniskrämerisch zu sein. Ihre Gegner dürften ihren Umgang mit den Korrespondenzen nutzen, diesen Vorwurf zu untermauern.

Clintons Teams hat selbst sortiert, welche E-Mail als privat gelten

Als das Außenministerium sie aufforderte, der Behörde alle auf ihre Arbeit bezogenen E-Mails zu übergeben, gab sie 30.000 Korrespondenzen auf 55.000 Seiten heraus - aussortiert von einem eigenen Team. Weitere 30.000 hatte Clintons als privat eingestuft und zurückgehalten. Per Twitter kündigte Clinton im März an , ihre dienstlichen E-Mails auch der Öffentlichkeit zugänglich machen zu wollen.

Allerdings wird die Öffentlichkeit auch von den 55.000 abgegebenen Seiten selbstverständlich nicht alles zu sehen bekommen; das Außenministerium wird in wochenlanger Arbeit alles herausfiltern müssen, was die nationale Sicherheit gefährden könnte. Doch mehr als das gibt es wohl auch gar nicht mehr zu sehen: Nach der Sortierung der E-Mails durch ihr Team hat Clinton den als privat deklarierten Rest laut ihrem Anwalt gelöscht - also ungefähr die Hälfte aller Nachrichten.

Die Republikaner wittern darin wieder eine Chance zur Kritik. Trey Gowdy leitet einen Parlamentsausschuss, der sich mit dem islamistischen Terroranschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi im September 2012 beschäftigt. Dazu forderte er Korrespondenzen von Clinton an.

juh/dpa
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