Hinrichtung von Soldaten Taliban wollen Pakistan mit Schockvideo erpressen

Taliban verbreiten in Pakistan ein grausames Video: Extremisten erschießen 15 verschleppte Soldaten. Die Exekutionen seien ein Signal an das Militär. Es solle aufhören, Muslime im eigenen Land zu bekämpfen, sagt ein Sprecher der Radikalen. Friedensgespräche mit der Regierung drohen zu scheitern.

REUTERS/ Umar Media

Von , Islamabad


Schweigend stehen die Männer in einer Reihe. Mit Handschellen sind sie aneinander gefesselt, ihre Augen sind verbunden. Manche tragen Uniformen. Es sind 15 Mitglieder des pakistanischen Frontier Corps, jener Truppe, die die Grenze zu Afghanistan überwacht. Sie wurden am 23. Dezember in der nordwestpakistanischen Krisenprovinz Khyber Pakhtunkhwa bei einem Gefecht mit Extremisten gefangen genommen und entführt. Zu der Tat bekannten sich die Taliban, wenig später wurden die Leichen der Soldaten gefunden.

Nun erfährt die Öffentlichkeit in einem schockierenden Video, wie die Männer getötet wurden. Die Taliban selbst bezeichnen den Mitschnitt als Warnung an die pakistanische Regierung und an das Militär. Der Film wird derzeit per DVD auf Märkten entlang der pakistanisch-afghanischen Grenze verbreitet.

Ein paar langbärtige Männer - offensichtlich Taliban - singen Lieder. Einer von ihnen spricht in die Kamera. "Zwölf unserer Kameraden wurden gnadenlos abgeschlachtet", sagt er. "Auch unsere gottesfürchtigen Frauen wurden angegriffen." Aus Rache würden die Geiseln jetzt getötet. "Wir warnen die Regierung von Pakistan, dass euch allen dieses Schicksal blüht, wenn ihr nicht aufhört, unsere Freunde zu töten."

Dann darf einer der Gefangenen etwas sagen. Er beschreibt gefasst, wie am Tag ihrer Entführung ihre Kaserne im Distrikt Tank von den Militanten gestürmt wurde, wie diese mit "Raketen" angriffen und dabei einen Soldaten töteten. "Sie bedrohten uns mit unseren eigenen Waffen", sagt der Mann. "Sie fesselten uns, verfrachteten uns in einen Datsun-Pick-up und fuhren mit uns davon."

Anschließend ergreift wieder einer der Militanten das Wort: Man werde das vergossene Blut der Kameraden rächen. Dann schießt einer der Taliban mit seinem Sturmgewehr vom Typ Kalaschnikow AK-47 in die Hinterköpfe einiger Soldaten. Die Mörder grölen dabei: "Gott ist groß!" Nach und nach treten die Extremisten dann hinter die noch lebenden Soldaten und töten sie mit gezielten Schüssen. Die Soldaten sacken zusammen, die Reihe wankt, da die Männer aneinandergekettet sind.

"Das sind keine Gläubigen, das sind Irre"

Es ist nicht das erste Mal, dass ein grausames Video auftaucht, das zeigt, wie Extremisten pakistanische Sicherheitskräfte töten. Im vergangenen Sommer veröffentlichten Taliban einen Film, der dokumentiert, wie 16 entführte Polizisten erschossen werden. Für Entsetzen sorgte aber auch Filmmaterial, das beweist, dass pakistanische Soldaten willkürlich gefangene Extremisten exekutieren und Menschenrechte verletzen.

Ein Taliban-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE in einem Telefonat, das Töten werde nur beendet, wenn Pakistans Militär "endlich aufhört, Muslime in ihrem eigenen Land zu töten". Andernfalls werde man auch künftig Soldaten, Polizisten und Paramilitärs "gefangen nehmen und liquidieren, solange sie mitmachen bei diesem Morden unserer unschuldigen Glaubensbrüder".

Ein Armeesprecher im Hauptquartier in Rawalpindi erklärte, man lasse sich von solchen Videos nicht einschüchtern. "Diese Botschaften zeigen nur, welch Geistes Kind diese Leute sind. Das sind keine Gläubigen, das sind Irre", sagte er.

Allerdings ist die Strategie Pakistans schwer zu durchschauen. So lebte Qaida-Chef Osama Bin Laden offenbar unbehelligt in dem Land, denn US-Spezialeinheiten töteten ihn im pakistanischen Abbottabad. Schon länger werfen die USA Pakistan vor, heimlich Extremisten zu unterstützen und ihnen Unterschlupf zu gewähren.

Dem Vernehmen nach führen pakistanische Offizielle mit den Taliban geheime Gespräche über einen Waffenstillstand. Regierungsvertreter und Militärs betonen, dass dem Anti-Terror-Krieg im Land bereits Tausende Menschen zum Opfer gefallen seien. Deshalb sei man an einem Friedensschluss interessiert.

Doch schon seit Tagen ist aus Regierungskreisen zu hören, dass die Gespräche nicht vorankommen. Grund für die Schwierigkeiten sei, dass die Extremisten in viele Fraktionen zersplittert seien und jede Gruppe andere Forderungen habe. Das Video dürfte einen Friedensschluss nun noch schwerer machen.

insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
peterregen 22.01.2012
1. ...
Zitat von sysopTaliban verbreiten in Pakistan ein grausames Video: Extremisten erschießen 15*verschleppte Soldaten. Die Exekutionen seien*ein Signal an das Militär. Es solle aufhören, Muslime im eigenen Land zu bekämpfen, sagt ein Sprecher der Radikalen.*Friedensgespräche mit der Regierung drohen zu scheitern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810631,00.html
Nach solchen Berichten frage ich mich immer, warum Zeitungen und Fernsehnachrichten nicht voll sind mit Interviews von Imamen oder anderen religiösen Führern, die klipp und klar sagen, daß diese Verbrecher nichts mit dem Islam zu tun haben und ewig in der Hölle schmoren werden.
Rodri 22.01.2012
2. ...
Zitat von sysopTaliban verbreiten in Pakistan ein grausames Video: Extremisten erschießen 15*verschleppte Soldaten. Die Exekutionen seien*ein Signal an das Militär. Es solle aufhören, Muslime im eigenen Land zu bekämpfen, sagt ein Sprecher der Radikalen.*Friedensgespräche mit der Regierung drohen zu scheitern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810631,00.html
Sorry SPON, aber es ist Schwachsinn, dass die Taliban den Leuten in Pakistan mit solchen Videos noch großen Schrecken zufügen würden. So etwas ist dort leider Alltag. Google hilft. ;)
lifeguard 22.01.2012
3.
Zitat von peterregenNach solchen Berichten frage ich mich immer, warum Zeitungen und Fernsehnachrichten nicht voll sind mit Interviews von Imamen oder anderen religiösen Führern, die klipp und klar sagen, daß diese Verbrecher nichts mit dem Islam zu tun haben und ewig in der Hölle schmoren werden.
ich wage zu bezweifeln, das sich diese fanatiker von irgendjemandem etwas sagen lassen. sie sind der meinung, das sie im recht sind mit dem was sie tun. und sie würden diese religiösen führer im ernstfall als lakaien das westens bezeichnen das proplem liegt in pakistan. solange es die regierung nicht schafft, das militär unter die ziviel kontrolle zu stellen wird sich da nix ändern, denn teile des offizierskorps sind mit sympathisanten der taliban unterwandert. das zeigt das beispiel bin laden. ich glaub kaum das der solange im land leben konnte das das militär etwas davon wußte im übrigen bin ich voll ihrer meinung
stesoell 22.01.2012
4.
Zitat von RodriSorry SPON, aber es ist Schwachsinn, dass die Taliban den Leuten in Pakistan mit solchen Videos noch großen Schrecken zufügen würden. So etwas ist dort leider Alltag. Google hilft. ;)
Ich setze noch einen drauf: Hiesiger Bevölkerung wird auch kein Schrecken zugefügt. Wir akzeptieren es und morgen geht es wieder ins Büro. Es ist _hier_ leider medialer Alltag,... Welcher Bedingungen bedarf es, damit sich dieser Zustand verändert?
hierro 22.01.2012
5. Militärs werden nicht eingeschüchtert
Zitat von sysopTaliban verbreiten in Pakistan ein grausames Video: Extremisten erschießen 15*verschleppte Soldaten. Die Exekutionen seien*ein Signal an das Militär. Es solle aufhören, Muslime im eigenen Land zu bekämpfen, sagt ein Sprecher der Radikalen.*Friedensgespräche mit der Regierung drohen zu scheitern. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,810631,00.html
Die Gotteskrieger sind blauäugig und naiv. Sie können doch nicht ernsthaft glauben, dass sie die pakistanischen Militärs einschüchtern oder gar auf die Knie zwingen können. Über dieses in dem Beitrag erwähnte Video können die Militärs doch nur lächeln. Sie bestimmen seit Jahrzehnten, wie und wann Pakistan welchen politischen Weg beschreitet. Bald werden sie wieder aus den Kasernen kommen und die Macht in dem am Rande des Abgrunds stehenden Staates zu übernehmen. Die geplanten "Friedensgespräche" mit der derzeitigen Regierung haben Landeskenner nie als ein ernstes Bemühen der beiden Seiten betrachtet.
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