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28. August 2009, 16:52 Uhr

Hinrichtungs-Video aus Sri Lanka

"Die Armee bestreitet jede Verantwortung"

Männer in Uniform, die per Kopfschuss Gefangene hinrichten: Der Sprecher der sri-lankinischen Armee, Udaya Nanayakkara, streitet im Interview mit SPIEGEL ONLINE die Echtheit eines Videos von angeblichen Gräueltaten ab. Er bezeichnet die Bilder als Propaganda-Inszenierung der Rebellen.

SPIEGEL ONLINE: Der Welt werden gerade schockierende Bilder vorgeführt - angeblich von Soldaten der Armee Sri Lankas, die einen Mann erst treten und dann mit Genickschuss oder Kopfschuss töten. Acht weitere Leichen sind zu sehen. Was können Sie uns zu diesem Video sagen?

Udaya Nanayakkara: Dass es arrangierte Bilder sind, eine vorgetäuschte Hinrichtung, die nichts mit der Armee Sri Lankas zu tun hat. Unsere Soldaten streifen nicht unkontrolliert durchs Land, denn die SLA erlaubt ihren Soldaten nicht, auf eigene Faust zu handeln. Wir bestreiten also jede Verantwortung. Vergessen Sie bitte nicht, dass die TV-Sender, die diese Bilder zuerst gezeigt haben, den Rebellen der LTTE nahestehen. Es ist nicht das erste Mal, dass sie so etwas tun - sie haben in der Vergangenheit mehrmals versucht, das Ansehen der Regierung und der Armee Sri Lankas zu beschädigen.

SPIEGEL ONLINE: Aber die Soldaten tragen eindeutig die Uniform der SLA - und man kann hören, wie sie lachen und Singhalesisch sprechen.

Nanayakkara: Na und? Nur weil sie SLA-Uniformen tragen, können Sie doch nicht behaupten, es handele sich Soldaten unserer Armee. Es sind keine Rangabzeichen zu sehen, die Männer tragen keine Namensschildchen, und selbst ihre Gesichter sind nicht zu erkennen. Das sind alles Hinweise darauf, dass wir es mit einer Inszenierung zu tun haben.

SPIEGEL ONLINE: Wenn es sich tatsächlich um ein Video handeln sollte, das von LTTE-nahen Organisation oder der LTTE selbst produziert worden ist, dann dürften doch die Web-Seiten der Tamilen wie Tamilnet die Bilder doch längst gezeigt haben - und zwar in einer besseren Qualität, oder?

Nanayakkara: Lassen Sie mich mit einer Gegenfrage antworten: Die Organisation Journalists For Democracy, die das Video jetzt verbreitet hat, behauptet, es sei im Januar aufgenommen worden. Warum haben sie dann bis August mit einer Veröffentlichung gewartet? Ich sage es noch einmal: Es ist nichts weiter als der Versuch, die Erfolge der Armee und der Regierung in Misskredit zu ziehen. Sie wissen doch sicherlich, dass die LTTE für solche Formen der Gegenpropaganda berüchtigt ist.

SPIEGEL ONLINE: Welche Schritte werden Sie nun unternehmen - jetzt, wo das Video im Umlauf ist -, um seine Herkunft zu ermitteln?

Nanayakkara: Wir haben eine entsprechende eigene Untersuchung eingeleitet. Ich kann ihnen jetzt noch nicht sagen, wie viel Zeit wir dafür benötigen, aber wir werden sofort an die Öffentlichkeit gehen, wenn wir die Sache geklärt haben.

SPIEGEL ONLINE: Wann wird die Armee Journalisten Zugang zu den Gebieten gewähren, die bis jetzt von der LTTE gehalten wurden, damit dort endliche eine unabhängige Überprüfung der Lage erfolgen kann?

Nanayakkara: Da kann ich Ihnen leider noch keinen Zeitrahmen nennen, doch zurzeit können wir die Sicherheit von Journalisten in diesen Gebieten noch nicht garantieren. Die Gefahr geht vor allem von Minen aus. Sobald wir die Minen geräumt haben, können wir auch Journalisten in diese Regionen reisen lassen. Selbst unsere Soldaten können sich dort nur mit allergrößter Vorsicht bewegen. Unsere Minenräumtruppe hat fast jeden Tag Opfer zu beklagen.

SPIEGEL ONLINE: Sind die Minen wirklich die einzige Gefahr oder muss man auch heute noch vereinzelt mit Splittergruppen der Rebellen rechnen, wie es im Osten Sri Lankas bis vor wenigen Monaten der Fall war?

Nanayakkara: Es ist natürlich möglich, dass sich in manchen Teilen Sri Lankas noch immer bewaffnete Elemente herumtreiben. Aber was die Rückzugsgebiete der LTTE im Norden und Nordosten betrifft: Dort besteht keine Gefahr mehr durch bewaffnete Rebellen. Die LTTE ist Geschichte.

Das Interview führte die SPIEGEL-Korrespondentin in Neu-Delhi, Padma Rao

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