Hisbollah in Syrien Der Tod des Terror-Playboys

Die libanesische Hisbollah hat einen ihrer wichtigsten Militärstrategen verloren. Mustafa Amine Badreddine war einem opulenten Lebensstil nicht abgeneigt, sein Tod in Syrien ist rätselhaft.

Mustafa Amine Badreddine
AP/ Hezbollah Media Department

Mustafa Amine Badreddine


Mustafa Amine Badreddine war schon oft knapp davongekommen. Nun, mit 55 Jahren, endete sein Leben in einer "großen Explosion" auf einem Militärstützpunkt nahe dem Flughafens von Damaskus, wie die libanesische Hisbollah verkündete.

Wie genau Badreddine ums Leben kam, ist noch unklar. Die Hisbollah geht davon aus, dass es ein israelischer Bomben- oder Raketenangriff war. Israel kommentiert solche Vorwürfe offiziell nie, auch dieses Mal nicht. Manchen Berichten zufolge sollen bei der Explosion auch zwei iranische Revolutionsgardisten getötet worden sein, doch bisher gibt es dafür noch keine Bestätigung.

Dem "Guardian" zufolge könnte der Angriff nicht Badreddine, sondern einer Waffenlieferung gegolten haben: Russland hat vor Kurzem - trotz israelischer Proteste - ein modernes Flugabwehrsystem an Iran verkauft, der wiederum mit der Hisbollah verbündet ist. Israel kündigte an, die Waffen im Auge behalten zu wollen. Israelische Kampfjets können derzeit ungefährdet den Libanon überfliegen. Das würde unmöglich, sollte die Hisbollah über ein modernes Flugabwehrsystem verfügen.

Er genoss sein Luxusleben unter falscher Identität am Strand

Der Tod von Badreddine dürfte die Hisbollah schwer treffen. Er war einer ihrer wichtigsten Militärstrategen, gehörte dem sogenannten Dschihad-Rat an, der die Operationen der Gruppe plant, und war einer der Befehlshaber des Hisbollah-Einsatzes in Syrien. Seit der Gründung der Gruppe vor mehr als 30 Jahren soll Badreddine an allen großen Hisbollah-Missionen beteiligt gewesen sein. Die meisten davon gingen gegen Israel. Seine Mitkämpfer nannten ihn nach einem legendären Schwert und schiitischen Symbol "Zulfikar".

Als Teenager war er von der säkularen, palästinensischen Fatah-Miliz unter Jassir Arafat ausgebildet worden. Mit Anfang 20 wechselte er zur neuen, von Iran unterstützten, radikalislamistischen Hisbollah - zusammen mit seinem Cousin, dem späteren Hisbollah-Kronprinz Imad Mughnija. Dieser starb 2008 durch eine Autobombe mitten in Damaskus, sein Tod soll auf das Konto der CIA und des Mossad gehen.

Ein Foto aus jener Zeit zeigt Badreddine als jungen Strahlemann, ihm hing der Ruf eines Playboys nach. Bis zu Beginn seines Syrieneinsatzes soll er im Libanon am Meer gewohnt haben mit Frau, Jacht und teurem Mercedes - getarnt unter dem christlichen Alias "Sami Issa". Lange Nächten habe er im Casino du Liban verbracht.

Das US-Nachrichtenportal "Daily Beast" nannte ihn in einem Porträt einen "pyromanen Playboy", denn er galt auch als einer der innovativsten Bombenbauer der Hisbollah. Unter anderem soll Badreddine an dem Anschlag auf den US-Militärstützpunkt in Beirut 1983 beteiligt gewesen sein, bei dem 241 US-Soldaten ums Leben kamen. Wenige Wochen später reiste Badreddine als "Elias Saab" nach Kuwait ein, wo er am 12. Dezember 1983 sieben Bombenanschläge im Abstand von 90 Minuten koordinierte, darunter auch einen auf die US-Botschaft.

Kuwaitische Polizisten verhafteten ihn schließlich, er wurde zum Tode verurteilt. Um ihn freizupressen ließ sein Cousin, der Hisbollah-Kader, drei kuwaitische Passagierflüge sowie mehrere Europäer und Amerikaner in Beirut entführen - ohne Erfolg. Mindestens zwölf der Geiseln wurden getötet.

"Ein nahezu unauffindbarer Geist"

Nur mit Glück entkam Badreddine doch noch aus der Todeszelle: Als der irakische Diktator Saddam Hussein 1990 in Kuwait einmarschierte und die Gefängnisse dort öffnete, flüchtete Badreddine zur iranischen Botschaft und verschwand über Teheran zurück nach Beirut. Danach soll er die "Unit 1800" der Hisbollah befehligt haben, die dafür zuständig ist, palästinensische Terroristen bei Anschlägen auf Israel zu unterstützen.

"Badreddine streift als unerkennbarer und nahezu unauffindbarer Geist durch den Libanon, ohne einen Fußstapfen zu hinterlassen", sagte Graeme Cameron, der Staatsanwalt des internationalen Hariri-Tribunals. Dieses beschuldigte Badreddine 2005 an dem Anschlag auf den damaligen libanesischen Premierminister Rafik al-Hariri beteiligt gewesen zu sein.

Im Januar 2015 kam Badreddine zum letzten Mal knapp davon: Einem Bericht der "New York Times" zufolge galt eigentlich ihm der israelische Drohnenangriff auf den Golanhöhen, bei dem ein iranischer General und sechs Hisbollah-Mitglieder ums Leben kamen. Badreddine hatte in letzter Minute entschieden, doch nicht an dem Treffen teilzunehmen.

"Ich werde als Märtyrer zurückkehren oder siegreich", soll Badreddines Motto gewesen sein, heißt es in Hisbollah-nahen Medien.

Hisbollah-Trauerfeier für einen in Syrien gefallenen Kämpfer
AP

Hisbollah-Trauerfeier für einen in Syrien gefallenen Kämpfer

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.