Workshop für Ukip-Parteijugend Britischer Politiker empfiehlt Hitler als Vorbild

Eine seltsamer Hitler-Workshop provoziert in Großbritannien wütende Reaktionen. Ein Parlamentarier der rechtspopulistischen Ukip lobt den Diktator als "womöglich kraftvollsten Redner der Geschichte" - und empfiehlt der Parteijugend, ihn zu imitieren.
Ukip-Chef Farage: "Stil, nicht Inhalt"

Ukip-Chef Farage: "Stil, nicht Inhalt"

Foto: HANDOUT / Reuters

London - Nigel Farage, der Chef der rechtspopulistischen United Kingdom Independence Party (Ukip), bekommt wegen provokanter Äußerungen eines Parteimitglieds massiven Ärger. Der Parlamentarier Bill Etheridge, 44, hatte Adolf Hitler auf einer Veranstaltung für den Parteinachwuchs als "magnetischen, kraftvollen Redner" verehrt.

Wenn Hitler Reden hielt, sei er zunächst auf- und abgegangen und habe dabei sein Publikum fixiert, zitiert die britische Zeitung "Daily Mail"  den Ukip-Mann. Manchmal habe der Diktator minutenlang gewartet, ehe er mit seiner Rede begonnen habe. Das habe die Spannung so sehr erhöht, dass das Publikum ihm später Wort für Wort gefolgt sei. Dem Ukip-Nachwuchs empfahl er, sich daran ein Beispiel zu nehmen. "Ich sage nicht direkt kopieren", fügte Etheridge hinzu, "greifen Sie kleine Momente auf."

An der Veranstaltung nahmen Berichten zufolge rund vierzig junge Ukip-Politiker teil. Etheridges Empfehlungen provozieren mittlerweile wütende Reaktionen. Der Labor-Parlamentarier Mike Gapes etwa nannte die Ukip-Veranstaltung "einfach unfassbar". Der Hitler-Workshop zeige, dass Farage mit seinem Versuch, die Ukip zu säubern, komplett gescheitert sei.

Die Ukip war zuletzt mehrfach durch verbale Entgleisungen ihrer Mitglieder blamiert worden. Ein Parteimitglied hatte die Familie des ermordeten schwarzen Studenten Stephen Lawrence mit Affen verglichen. Ein anderer hatte starke Regenfälle im Januar darauf zurückgeführt, dass die Regierung homosexuelle Hochzeiten legalisiert hatte.

Etheridge wies die Vorwürfe zurück. Er habe in seinem Vortrag die Rhetorik mehrerer bekannter Redner analysiert, sagte er. Neben Hitler sei es auch um den italienischen Diktator Benito Mussolini gegangen - und um Ex-Premier Tony Blair. "Zu keinem Zeitpunkt habe ich Hitler oder irgendjemanden sonst gutgeheißen", sagte er. Die Nazis seien "Monster" gewesen. Schon die Frage, ob er mit ihnen verbunden werden wolle, mache ihn wütend.

Ein Ukip-Sprecher nahm Etheridge ebenfalls in Schutz. Es sei bei dem Vortrag um den Stil der Redner gegangen - nicht um den Inhalt ihrer Reden.

ssu
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