Höchste US-Ehrenauszeichnung "Ich mag diesen Kerl richtig"

Salvatore Giunta warf sich in einen Taliban-Angriff, um das Leben seiner Kameraden zu retten. Jetzt wurde er von Präsident Obama mit der "Medal of Honor" ausgezeichnet. Erstmals seit dem Vietnamkrieg bekam ein lebender US-Soldat diesen höchsten Militärorden.
Obama ehrt Giunta mit der "Medal of Honor": Höchste Militärauszeichnung

Obama ehrt Giunta mit der "Medal of Honor": Höchste Militärauszeichnung

Foto: Jim Lo Scalzo/ dpa

Washington - Zum ersten Mal seit 34 Jahren ist ein lebender US-Soldat während eines Krieges mit der militärisch höchsten Auszeichnung seines Landes geehrt worden. Präsident Barack Obama übergab Staff Sergeant Salvatore Giunta in einer feierlichen Zeremonie im Weißen Haus die "Medal of Honor".

Giuntas Einheit in Ost-Afghanistan war vor drei Jahren von Taliban angegriffen worden, er warf sich in den feindlichen Kugelhagel, um seine Kameraden zu schützen. Dabei befreite er einen verwundeten Soldaten unter Einsatz seines Lebens aus den Händen der Aufständischen und kümmerte sich um ihn, bis Hilfe kam.

Obama schilderte, was damals im Korenga-Tal passierte: Giunta habe zunächst einen am Bein verwundeten Kameraden in Sicherheit gebracht. Dann sei er zurückgelaufen, um seinen schwer verletzten Freund Sergeant Joshua Brennan zu befreien, als dieser gerade von zwei Taliban-Kämpfern weggeschleppt wurde. "Er tötete einen der Aufständischen und verletzte den zweiten, der fliehen wollte."

Giunta zerrte den Verwundeten an seiner Weste aus der Schusslinie, wurde dabei selbst angeschossen. Dann versuchte er, die Blutungen seines Kameraden zu stoppen. Vergeblich. Brennan erlag seinen Verletzungen ebenso wie ein anderer Soldat.

Die Tapferkeit des US-Soldaten mache ihn "einfach stolz", sagte Obama bei der Zeremonie. "Ich verlasse jetzt einmal für eine Sekunde das Protokoll, um einfach zu sagen, dass ich diesen Kerl richtig mag", sagte der Präsident, bevor er dem heute 25-Jährigen den fünfzackigen Goldstern an einem blauen Seidenband um den Hals legte. Die Ehrenmedaille spiegele die "Dankbarkeit einer ganzen Nation" wider.

Bislang wurde die Tapferkeitsmedaille für besondere Leistungen im Afghanistan-Krieg und im jüngst beendeten Irak-Kampfeinsatz sieben Mal vergeben, allerdings immer nur posthum. Dass lebende Soldaten die Auszeichnung erhalten, kam zuletzt 1976 vor, als drei Armeeangehörige während des Vietnam-Konfliktes geehrt wurden.

Die "Medal of Honor" wurde zu Beginn des Amerikanischen Bürgerkriegs, im Dezember 1861, von Präsident Abraham Lincoln eingeführt. Von den bisher mit der "Medal of Honor" ausgezeichneten Soldaten sind heute noch 86 am Leben, darunter 18 Veteranen des Zweiten Weltkriegs. In den vergangenen knapp 150 Jahren wurde die Auszeichnung 3500 Mal vergeben.

als/dpa/AFP