Holocaust Österreich zahlt 50.000 Euro für Hinweise auf Nazi-Verbrecher

Erstmals hat Österreich zur Ergreifung zweier untergetauchter Nazi-Kriegsverbrecher eine Belohnung ausgesetzt. Gesucht werden der SS-Arzt Aribert Heim und der Eichmann-Helfer Alois Brunner.


Wien - Die österreichische Regierung hat eine Belohnung in Höhe von 50.000 Euro zur Ergreifung der beiden Kriegsverbrecher ausgesetzt. Die Summe werde für Hinweise von Privatleuten gezahlt, die zur Ergreifung des SS-Arztes Aribert Heim sowie des Eichmann-Helfers Alois Brunner führen könnten, teilte das Justizministerium heute mit. Im Fall konkreter Beweise seien weitere Belohnungen möglich, sagte Justizministerin Maria Berger in Wien.

Der 93-jährige Heim, der 1941 im Konzentrationslager Mauthausen im Norden Österreichs zahlreiche Häftlinge durch Giftspritzen ins Herz getötet haben soll, und der 95-jährige Brunner müssten gefasst werden.

Österreich sei wiederholt beschuldigt worden, nicht genug zur Verfolgung von NS-Verbrechern unternommen zu haben, sagte Berger. Sie wolle nun nicht über frühere Regierungen urteilen, sondern tun, was möglich sei, sagte die sozialdemokratische Politikerin im österreichischen Rundfunk.

Heim war zuletzt in Lateinamerika gesehen worden. Brunner war 2001 in Frankreich in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Er soll nach österreichischen Erkenntnissen als rechte Hand von Adolf Eichmann, einem der wichtigsten Planer des Völkermordes an den Juden durch Nazi-Deutschland, an der Deportation von Juden in Todeslager beteiligt gewesen sein. Das Justizministerium veröffentlichte auf seiner Website biografische Informationen sowie Fotos von Heim und Brunner.

Das Simon-Wiesenthal-Zentrum begrüßte den Schritt der österreichischen Regierung. "Das Verstreichen von Zeit vermindert keinesfalls die von Brunner und Heim begangenen Verbrechen und deshalb ist ihre Verfolgung weiter so wichtig, wenn nicht sogar wichtiger als vor einigen Jahren", erklärte Efraim Zuroff von der Jerusalemer Niederlassung.

hen/AFP/Reuters



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