Holocaust Polen gegen iranische Nachforschungen

Polen will die Auswüchse der iranischen Holocaust-Debatte keinesfalls hinnehmen. Man werde Teheran nicht gestatten, Nachforschungen im Land über die Ausmaße des Holocausts anzustellen.


Warschau - "Unter keinen Umständen sollten wir erlauben, dass so etwas in Polen stattfindet", sagte Außenminister Stefan Meller der Nachrichtenagentur PAP am Freitag. Es sei "jenseits jeglicher vorstellbaren Norm, das Thema zu hinterfragen, zu diskutieren oder zu verhandeln". Die polnische Tageszeitung "Rzeczpospolita" hatte berichtet, der Iran plane, eigene Nachforschungen über die Ausmaße der Nazi-Verbrechen in Polen anzustellen und iranische "Expertenteams" zu einer entsprechenden "Überprüfung" zu entsenden.

Meller betonte, Nachforschungen oder auch nur die Debatte darüber seien unvorstellbar. Gleichzeitig betonte Meller, es handele sich derzeit nur um eine "virtuelle" Diskussion, da seinem Ministerium noch keine Anfrage des Irans vorliege.

"Menschen, die leugnen, dass Menschen in Gaskammern starben, die das Andenken an die Opfer des Holocausts schänden, werden nicht nach Auschwitz-Birkenau gelassen.", teilte die Leitung des Museums auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrations- und Vernichtungslagers im Süden Polens mit. Zwischen 1940 und 1945 waren dort etwa 1,1 Millionen Männer, Frauen und Kinder ermordet worden.

Iranische Spitzenpolitiker haben in den vergangenen Wochen wiederholt die Tatsache der Judenvernichtung geleugnet und erklärt, es seien weitere Forschungen nötig, um die Wahrheit über das Schicksal der europäischen Juden herauszufinden. Vergangene Woche sagte der iranische Botschafter in Portugal, nach seiner Rechnung hätte es 15 Jahre dauern müssen, um die Leichen von sechs Millionen Menschen zu verbrennen. Während der Nazi-Zeit wurden rund sechs Millionen Juden getötet.

fok/afp/Reuters



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