Brasilianischer Präsident Bolsonaro empört Israelis mit Aussagen zum Holocaust

Eigentlich sucht Brasiliens neuer Präsident Jair Bolsonaro demonstrativ die Nähe zu Israel. Doch nun steht er dort nach Aussagen zum Holocaust in der Kritik - nur ein wichtiger Verbündeter schweigt.

Jair Bolsonaro
Adriano Machado/REUTERS

Jair Bolsonaro


Der brasilianische Präsident Jair Bolsonaro hat mit Äußerungen zum Holocaust wütende Reaktionen in Israel ausgelöst. "Wir können vergeben, aber wir können nicht vergessen", hatte er zum systematischen Massenmord an den Juden gesagt. Dabei stieß der Hinweis auf Vergebung auf heftigen Widerspruch.

Israels Präsident Reuven Rivlin schrieb dazu bei Twitter: "Wir werden niemals vergeben und niemals vergessen." Ein Sprecher der israelischen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem sagte: "Niemand hat das Recht, zu entscheiden, ob die schrecklichen Verbrechen des Holocaust vergeben werden können."

Bolsonaro hatte bei einem Treffen mit evangelikalen Priestern in Rio de Janeiro über seinen jüngsten Besuch in Yad Vashem gesprochen. Bolsonaro betonte, wie wichtig die Erinnerung an den Holocaust sei. "Jene, die ihre Vergangenheit vergessen, sind dazu verdammt, keine Zukunft zu haben", sagte er.

Netanjahu schweigt bislang

Rivlin betonte: "Wir werden uns immer jenen widersetzen, die die Wahrheit leugnen oder jene, die unsere Erinnerung auslöschen wollen - seien es Einzelne oder Gruppen, Parteivorsitzende oder Ministerpräsidenten."

Vom israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu, einem engen Verbündeten Bolsonaros, kam kein Kommentar. Bolsonaro hatte Israel eine Woche vor der Parlamentswahl besucht und war mit Netanyahu demonstrativ an der Klagemauer aufgetreten. Außerdem kündigte Bolsonaro - nach dem Vorbild der USA - die Verlegung der Botschaft seines Landes von Tel Aviv nach Jerusalem an.

Die Botschaftsentscheidung wäre ein Bruch mit Brasiliens Nahostpolitik der vergangenen Jahre. Die linksgerichteten Vorgängerregierungen unter Dilma Rousseff (2011-2016) und Luiz Inácio Lula da Silva (2003-2011) standen für einen klar propalästinensischen Kurs (Lesen Sie hier mehr zum israelisch-brasilianischen Verhältnis).

Bolsonaro regiert Brasilien seit Januar. Der ultrarechte Politiker hatte im Oktober 2018 die Präsidentschaftswahlen gegen seinen Kontrahenten Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei (PT) gewonnen.

bam/dpa



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