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13. März 2007, 20:07 Uhr

Homosexualität im Militär

US-Generalstabschef provoziert Schwulen-Streit

Homosexualität ist wie Ehebruch und unmoralisch - sagt US-Generalstabschef Peter Pace. Er verteidigt das Outing-Verbot in der Armee und provoziert damit Entsetzen bei Politikern, Schwulen- und Lesbenverbänden. Die USA haben eine neue Homo-Debatte.

Washington - "Ich finde, dass homosexuelle Handlungen zwischen zwei Personen unmoralisch sind und dass wir unmoralische Handlungen nicht dulden sollten", sagte Generalstabschef Pace der "Chicago Tribune". Er zog Vergleiche zwischen Homosexualität und Ehebruch: Er persönlich halte es genauso wenig für richtig, Homosexualität in der Armee zu tolerieren, wie man bei Ehebruch wegsehen solle.

US-Soldaten im Irak: "Ich finde, dass homosexuelle Handlungen zwischen zwei Personen unmoralisch sind und dass wir unmoralische Handlungen nicht dulden sollten"
AFP

US-Soldaten im Irak: "Ich finde, dass homosexuelle Handlungen zwischen zwei Personen unmoralisch sind und dass wir unmoralische Handlungen nicht dulden sollten"

Pace antwortete damit auf die Frage, wie er zum Umgang mit homosexuellen Soldaten in der US-Armee steht. Derzeit ist dies in einem noch unter US-Präsident Bill Clinton erlassenen Gesetz geregelt, dem zufolge Homosexuelle in die Armee aufgenommen werden - solange sie ihre sexuelle Orientierung nicht kundtun. Diese so genannte "Don't ask, don't tell"-Politik ("Nicht fragen, nichts sagen") ist sehr umstritten. 9488 Soldaten wurden wegen Verstößen gegen diese Politik bis 2005 vom Dienst entbunden - só ein Bericht der amerikanischen Regierung.

Homosexuellenverbände reagieren entrüstet auf Paces Aussagen. Die Vereinigung SLDN, die gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben in der Armee kämpft, nannte die Äußerungen "skandalös und unsensibel." Der General müsse sich entschuldigen. Joe Solomonese, Präsident einer Gruppe, die sich für die Rechte von Homosexuellen einsetzt: "Unmoralisch ist, unsere nationale Sicherheit aufgrund von Vorurteilen zu gefährden." General Paces Kommentare seien unverantwortlich, verletzend und ein Schlag ins Gesicht der homosexuellen Männer und Frauen, die ihrem Land mit Mut und Ehre dienen. Laut SLDN gehören rund 65.000 Schwule und Lesben der US-Armee an.

Scharfe Kritik von Nancy Pelosi

Auch in Politik und Armee wurde der US-Generalstabschef kritisiert. Die demokratische Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, zeigte sich enttäuscht über Paces Bewertung. Das Militär müsse seine Grundsätze überdenken und Schwulen und Lesben den Dienst erlauben. Das Militär brauche Patrioten aus allen Bereichen der Gesellschaft.

Martin Meehan, Kongressabgeordneter der Demokraten, nannte die Äußerungen Paces nicht in Übereinstimmung mit der Mehrheit in der Öffentlichkeit und im Militär. Pace müsse erkennen, dass der Rückhalt für eine Reform der "Don't ask, don't tell"-Politik wächst und das Militär gute Soldaten verliere, wenn es seine Diskriminierung aufrecht erhalte. Meehan hat einen Gesetzesentwurf eingebracht, mit dem das Outing-Verbot in der Armee gebrochen werden soll.

John Shalikashvili, Armee-General im Ruhestand, hatte im Januar erklärt, er habe seine Meinung zu dem umstrittenen Gesetz nach einem Treffen mit einem schwulen Soldaten geändert. "Diese Unterhaltungen haben mir gezeigt, wie sehr sich das Militär verändert hat und dass Schwule und Lesben von ihren Kameraden akzeptiert werden", schrieb er in einem Zeitungskommentar. Er erwarte, dass es eine scharfe Diskussion um Schwule in der US-Armee geben werde. Schließlich brauche Bush Soldaten für Irak und Afghanistan.

Pace versuchte im Nachhinein seine Aussagen abzumildern: Er hätte weniger Zeit darauf verwenden sollen, in dem Interview seine persönlichen moralischen Ansichten darzulegen, sagte der Generalstabschef. Stattdessen hätte er seine Unterstützung für die derzeitige "Don't ask, don't tell"-Politik" zum Ausdruck bringen sollen.

Der republikanische Sprecher des Pentagon, Bryan Whitman, nannte Paces Äußerungen eine persönliche Meinung. Wichtig sei, dass es weiterh Richtlinie im Militär bleibe, Leute aufgrund fehlerhaften Verhaltens vom Dienst zu entbinden - und nicht aufgrund ihrer sexuellen Orientierung.

anr/AFP/AP/Reuters

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