Offener Brief an Kanzlerin Hongkonger Aktivist bittet Merkel um Hilfe

Vor Angela Merkels Chinareise hat Aktivist Joshua Wong an die Kanzlerin appelliert, sie solle sich für die Demonstranten in Hongkong stark machen.
Hongkonger Aktivist Joshua Wong: "Deutschland sollte zudem auf der Hut sein, mit China Geschäfte zu machen"

Hongkonger Aktivist Joshua Wong: "Deutschland sollte zudem auf der Hut sein, mit China Geschäfte zu machen"

Foto: Jorge Silva/REUTERS

Mit Verweis auf die deutsche Geschichte erhoffen sich Hongkonger Aktivisten Beistand aus Berlin. "Frau Bundeskanzlerin Merkel, Sie sind in der DDR aufgewachsen. Sie haben Erfahrungen aus erster Hand über den Schrecken einer diktatorischen Regierung gemacht," heißt es in einem offenen Brief an Angela Merkel, den unter anderem Joshua Wong verfasste. Die "Bild"-Zeitung zitierte daraus. Merkel wird am Donnerstag zu ihrem zwölften Besuch in der Volksrepublik China erwartet.

"Die Deutschen haben im Kampf gegen den Autoritarismus während der Achtzigerjahre mutig an vorderster Front gestanden. Wie die gewaltfreien Demonstranten der Montags-Demos bringen wir unser Anliegen in die breite Öffentlichkeit und plädieren für demokratische Prinzipien", heißt es in dem Brief weiter. "Wir wünschen uns, dass Sie den Mut und die Entschlossenheit gegen autoritäre Unrechtsregime zeigen, der Deutschland und Europa vor dem Ende des Kalten Krieges inspiriert hat und den Europa heute zeigt."

In Hongkong sind seit Mitte Juni Hunderttausende Menschen auf die Straßen gegangen, um gegen die heimische Regierung und einen wachsenden Einfluss Chinas auf die ehemalige britische Kronkolonie zu protestieren. Vergangenes Wochenende waren die Proteste erneut eskaliert, es kam zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Polizisten. Den Sicherheitskräften der Sonderverwaltungszone wird überzogene Gewaltanwendung vorgeworfen.

Wie nah ist Regierungschefin Lam an Peking?

Die Aktivisten warnen Merkel in ihrem Brief außerdem vor der Führung in Peking: "Deutschland sollte zudem auf der Hut sein, mit China Geschäfte zu machen, da China das internationale Völkerrecht nicht einhält und wiederholt seine Versprechen gebrochen hat." Neben Joshua Wong seien die Unterzeichner Joephy Wong und Alice Yu, in Deutschland lebende Hongkonger Künstlerinnen und Aktivistinnen.

Kurz zuvor hatte eine Tonbandaufnahme erneut Fragen über die Unabhängigkeit der Hongkonger Regierung aufgeworfen. Darin sagte Regierungschefin Carrie Lam, sie würde zurücktreten, wenn sie nur könnte. Zudem seien ihre Möglichkeiten für eine politische Lösung des Konflikts ab einem bestimmten Punkt nur noch "sehr, sehr, sehr begrenzt". Am Dienstag distanzierte sie sich davon und bekräftigte, im Amt bleiben zu wollen.

Im Video: Carrie Lam dementiert Rücktrittswunsch

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Die Protestbewegung befürchtet einen steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert. Die sieben Millionen Einwohner stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit.

vks/Reuters
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