Auf Kaution frei Hongkonger Aktivist Wong sieht Grundrechte missachtet

"Hongkong darf nicht mithilfe von Tränengas beherrscht werden": Die Aktivisten Wong und Chow sind auf Kaution wieder frei - und rufen zu neuen Protesten auf.

Aktivisten Joshua Wong und Agnes Chow nach der Freilassung: "Nicht aufgeben"
Anthony Kwan/ Getty Images

Aktivisten Joshua Wong und Agnes Chow nach der Freilassung: "Nicht aufgeben"


Mehrere Stunden nach ihrer Festnahme sind zwei prominente Hongkonger Aktivisten wieder vor die Presse getreten: Joshua Wong und Agnes Chow kamen gegen die Zahlung einer Kaution vorerst auf freien Fuß.

Dass es nun ruhiger wird in der Protestbewegung, ist kaum zu erwarten: Sie wollten weiter für die Wahrung der Bürgerrechte und mehr Demokratie kämpfen, versicherten Wong und Chow vor Reportern.

Chow warf Peking und der chinatreuen Regierung Hongkongs vor, die Teilnehmer der Proteste einschüchtern zu wollen. "Aber die Menschen werden nicht aufgeben oder sich Angst machen lassen", sagte sie.

Wong schrieb bei Twitter kurz nach seiner Freilassung: "Meine Festnahme zeigt, dass die Regierung auf unsere Forderung nach einem Dialog mit Schlagstöcken, Tränengas, Gummigeschossen und Massenverhaftungen reagiert. Unser Recht auf Versammlung und andere Grundrechte ist erodiert."

Wong war am Freitagmorgen (Ortszeit) auf dem Weg zu einer U-Bahn-Station gewesen, als ihn die Polizei festnahm und auf eine Wache brachte, teilte seine regierungskritische Partei Demosisto mit. Auch seine Mitstreiterin Agnes Chow wurde demnach festgenommen, allerdings an einem anderen Ort.

Den beiden Aktivisten wird vorgeworfen, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten.

Video über Joshua Wong: "Auch ich könnte nach China ausgeliefert werden"

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Bereits am Donnerstagabend war einem Medienbericht zufolge der Anführer der verbotenen Unabhängigkeitspartei Hong Kong National Party, Andy Chan, am internationalen Flughafen der Millionenmetropole festgenommen worden, von wo aus er nach Japan fliegen wollte. Laut der Nachrichtenseite "Hong Kong Free Press" wird ihm Teilnahme an Krawallen und ein tätlicher Angriff auf einen Polizisten vorgeworfen.

Protest für Samstag abgesagt

Seit dem 9. Juni kommt es in der Finanzmetropole immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei enden. Innerhalb der Protestbewegung gibt es die Sorge vor steigendem Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Die ursprünglich für Samstag geplanten Proteste in Hongkong wurden nach den Festnahmen von den Organisatoren der Civil Human Rights Front abgesagt. Zuvor hatte das Protestbündnis Einspruch gegen ein polizeiliches Verbot des Marsches eingelegt. Der Einspruch war aber abgelehnt worden, sagte die Mitorganisatorin der Proteste, Bonnie Leung. Damit würde es sich um eine illegale Versammlung handeln.

"Wir können die Sicherheit der Teilnehmer nicht mehr garantieren", sagte Leung. Mit der Absage der Demonstration wolle das Bündnis dafür sorgen, dass niemand die rechtlichen Konsequenzen für eine Teilnahme tragen müsse. Ob sich dennoch einige Demonstranten am Wochenende auf die Straße wagen würden, war zunächst ungewiss. Die Führung in Peking drohte am Freitag zudem erneut mit Militärgewalt in Hongkong.

Wong ging am Freitag davon aus, dass es dennoch Proteste geben würde. "Ob sie die Kundgebung verbieten oder nicht, ob sie mich festnehmen oder nicht, die Leute werden trotzdem (zu den Protesten) nach Hongkong kommen", sagte Wong. "Hongkong darf nicht mithilfe von Tränengas beherrscht werden".

vks/dpa



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