Jahrestag der Regenschirmbewegung Wieder Ausschreitungen bei Protesten in Hongkong

Zehntausende Hongkonger haben zum fünften Jahrestag der Regenschirmproteste demonstriert. Am Rande der friedlichen Kundgebung warfen Aktivisten Brandsätze, die Polizei reagierte mit Pfefferspray und Wasserwerfern.

Die Polizei in Hongkong spritzte Wasser auf Demonstranten, die sich außerhalb der Zentralregierung versammeln.
Keith Tsuji/ ZUMA Wire/ DPA

Die Polizei in Hongkong spritzte Wasser auf Demonstranten, die sich außerhalb der Zentralregierung versammeln.


In Hongkong ist es nach einer friedlichen Demonstration für mehr Demokratie erneut zu Ausschreitungen gekommen. Mehrere Regierungsgegner, von denen viele vermummt und schwarz gekleidet waren, blockierten eine Straße unweit des Hauptquartiers der chinesischen Volksbefreiungsarmee in der ehemaligen britischen Kronkolonie.

Die Aktivisten warfen Steine und Molotow-Cocktails. Sie beschimpften die Polizei, besprühten Geschäfte mit Graffiti und blendeten einen Hubschrauber mit Laserpointern. Auch Fenster von Regierungsgebäuden wurden bei den aktuellen Protesten von Hongkong eingeschlagen. Die Polizei wiederum ging nahe dem Parlamentsgebäude mit Wasserwerfern und Pfefferspray gegen Demonstranten vor. Ein Wasserwerfer versprühte wie bei vergangenen Protesten wieder gefärbtes Wasser, um Aktivisten zu markieren.

Zur gleichen Zeit endete im Tamar Park eine friedliche Kundgebung, die an den Beginn der Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungsregion im September 2014 erinnerte. Zehntausende andere Demonstranten, darunter Familien, hatten sich in dem Park versammelt, die Organisatoren sprachen gar von 200.000 bis 300.000 Menschen. Die Regenschirmbewegung erhielt ihren Namen von den Schirmen, die die Demonstranten damals gegen Sonne, Regen und das Pfefferspray der Polizei einsetzten.

Kritik an Feiern zum 70. Jahrestag Chinas

Demonstranten im Tamar Park: Ort des Widerstands
Vincent Thian/AP/dpa

Demonstranten im Tamar Park: Ort des Widerstands

Damals galt die Entscheidung der kommunistischen Führung, nur handverlesene, pekingtreue Kandidaten für in Aussicht genommene Wahlen aufstellen zu wollen, als Auslöser für die Proteste. Aus Anlass des Jahrestages verkündete der Anführer der Bewegung, Joshua Wong, im November bei den Lokalwahlen antreten zu wollen.

Es gebe "keinen Grund", warum er disqualifiziert werden könnte, sagte der 22-Jährige. So sei er heute alt genug und habe bisher keine Haftstrafe von mehr als drei Monaten erhalten. Wegen seiner Beteiligung an der Regenschirmbewegung hatte Wong zwei Monate Haft absitzen müssen; er war im Juni freigekommen. Seine Deutschland-Reise und das Treffen mit Außenminister Heiko Maas Mitte des Monats belastete das deutsch-chinesische Verhältnis.

Seit Monaten demonstrieren die Hongkonger auch wieder stärker gegen ihre Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Führung. Sie fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt und freie Wahlen. Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert.

Die sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber - anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten. Auch fordern sie eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten. Die aktuelle Kundgebung kritisierte auch die anstehenden Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China am Dienstag.

apr/Reuters/dpa



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Drscgk 29.09.2019
1. Die britische Kronkolonie Hongkong war als solche
nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr zu halten. Sie musste in eine Sonderwirtschaftszone Chinas umgewandelt werden, damit das Geldmachen des Westens mit der ehemaligen Kolonie weitergehen konnte. Nun sorgt der ganze Westen zusätzlich und auf verbrecherische Weise dafür, dass Hongkong politischer und wirtschaftlicher Pfahl im Fleische Chinas wird und bleibt. Selbst Verbrecher Hongkongs gegen China dürfen nicht an China ausgeliefert werden. Das ist eine neue Art von Rechtsstaatlichkeit, von welcher der Westen glaubt, sie gegen China durchsetzen zu können. Mit einem Wort: Hongkongs Bevölkerung wird vom Westen als Geißel gegen China missbraucht. Auch diese neokolonialen Machenschaften des Westens werden zur gegebenen Zeit scheitern.
mundi 29.09.2019
2. Demonstrierende Brandbeschleunige
Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es zu einer Wiedervereinigung kommen wird. Die demonstrierenden Chaoten beschleunigen diese Prozess..
fortelkas 29.09.2019
3. Ich lese in dem Artikel: "Die
....sieben Millionen Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber....mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit, um die sie jetzt fürchten. Wo, an welcher Stelle, gibt es einen Grund, dass die Menschen um diese Freiheiten fürchten müssen? Ich lese nichts! Die aktuelle Kundgebung kritisiert auch die anstehenden Feiern zum 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik China am Dienstag. Warum? Was gibt es in dieser Beziehung zu kritisieren? Nichts! Die Volksrepublik China ist nach einer Revolution gegründet worden, die in der Weltgeschichte ihresgleichen sucht. Dagegen gibt es für die Demonstranten in Hongkong, offenbar immer wieder begleitet von gewaltbereiten Demonstranten, nichts zu demonstrieren. Was wollen die Demonstranten denn wirklich? In dem Artikel steht so richtig nichts. Freiheit? Ohne inhaltliche Füllung ist das ein verblasener inhaltsleerer Begriff. Schon die Tatsache, dass einige ihrer Führungsfiguren die Regierung der USA um Hilfe gebeten haben, muss den denkenden politischen Betrachter skeptisch machen. Was wollen sie also? Ich vermute, die völlige Loslösung von Peking, das wird nicht funktionieren, und das ist auch richtig so! Erwin Fortelka
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