Wegen Treffen mit Hongkong-Aktivist Wong China beschwert sich über Maas

Chinas Regierung protestiert formell gegen ein Treffen von Außenminister Heiko Maas mit dem Hongkonger Aktivisten Joshua Wong: Die Begegnung in Berlin sei ein "Akt der Respektlosigkeit".

Joshua Wong und Heiko Maas: "Akt der Respektlosigkeit"
FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX

Joshua Wong und Heiko Maas: "Akt der Respektlosigkeit"


Das chinesische Außenministerium hat gegen ein Treffen von Bundesaußenminister Heiko Maas in Berlin mit dem Hongkonger Demokratie-Aktivisten Joshua Wong formell Beschwerde eingelegt. Das teilte Hua Chunying, eine Ministeriumssprecherin in Peking, mit.

Die Regierung von China verurteilte die Begegnung als "Akt der Respektlosigkeit". Wong hält sich seit Montagabend in Berlin auf. Die chinesische Seite äußere "starke Unzufriedenheit" über die Entscheidung Deutschlands, "Separatisten aus Hongkong die Einreise zu gestatten und sich an Aktivitäten gegen China zu beteiligen".

Der SPD-Politiker war dem Aktivisten bei einer Veranstaltung im Bundestagsgebäude begegnet und hatte sich gemeinsam mit ihm fotografieren lassen.

Seit drei Monaten demonstrieren Millionen Hongkonger gegen eine Beschneidung ihrer im Vergleich zu Festlandchina größeren bürgerlichen Freiheiten. Dabei gab es wiederholt gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten sowie mehr als 1100 Festnahmen.

Wong war am Sonntagmorgen vor seiner geplanten Abreise zunächst am Flughafen Hongkong festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, seine Kautionsbedingungen verletzt zu haben. Nach 24 Stunden kam er wieder auf freien Fuß und flog umgehend nach Deutschland.

Der Bürgerrechtler hatte in Berlin erklärt, die ehemalige britische Kronkolonie sei nun ein Bollwerk zwischen der freien Welt und der "Diktatur Chinas". Er zog Parallelen zwischen der friedlichen Wiedervereinigungsbewegung in Deutschland und dem Freiheitskampf in Hongkong. "Wenn wir in einem neuen Kalten Krieg sind, dann ist Hongkong das neue Berlin."

FDP fordert Treffen von Merkel mit Wong

Die FDP im Bundestag forderte Kanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem umgehenden Treffen mit Wong auf. "Diese Gelegenheit darf die Bundeskanzlerin nicht ungenutzt lassen. Sie muss noch heute den direkten Austausch suchen und Wong im Kanzleramt empfangen", sagte die menschenrechtspolitische Sprecherin Gyde Jensen der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Dabei sollte Merkel deutliche Worte zur Lage in Hongkong finden, die ihr bei ihrer Chinareise fehlten.

"Die Kanzlerin und Deutschland dürfen nicht länger Zaungäste des dramatischen Kampfes der Aktivisten in Hongkong um grundlegende Freiheitsrechte sein", sagte Jensen, die auch Vorsitzende des Menschenrechtsausschusses des Bundestags ist. Mit einem Treffen würde die Bundeskanzlerin ein klares Signal senden und deutlich machen, dass Deutschland klar für Menschenrechte und Demokratie eintrete.

als/dpa/AFP

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