Massenproteste Chinas Staatsmedien fordern "härtere Linie" gegenüber Hongkong

In Hongkong haben Demonstranten das Gebäude der chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua ins Visier genommen. In Chinas Staatsmedien heißt es nun, "die Meute" solle zur Rechenschaft gezogen werden.

Festnahme am Rande einer Demonstration: Seit Monaten kommt es zu Massendemonstrationen
Vincent Yu/DPA

Festnahme am Rande einer Demonstration: Seit Monaten kommt es zu Massendemonstrationen


Die Massenproteste in Hongkong dauern weiter an. Am Wochenende kam es dabei erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten. Mehr als 200 Menschen wurden festgenommen, wie die Behörden mitteilten. Mehrere chinesische Staatsmedien fordern nun eine "härtere Linie" in der chinesischen Sonderverwaltungszone.

Die Hongkonger Strafverfolgungsbehörden müssten "die Meute so schnell wie möglich zur Rechenschaft ziehen", schrieb die Staatszeitung "Global Times". Demonstranten hatten am Wochenende ein Büro der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua beschädigt, was diese als "barbarischen Akt" bezeichnete.

Eine "härtere Linie zur Wiederherstellung der Ordnung" müsse die Antwort auf die "sich verstärkende Gewalt in Hongkong" sein, schrieb die englischsprachige Zeitung "China Daily". Sie warf "westlichen Medien" vor, "Nachsicht" mit der Protestbewegung in Hongkong zu üben. Demgegenüber versuchten die Demonstranten, jene "ruhigzustellen", die "den Scheinwerfer der Wahrheit" auf die Proteste werfen wollten. Die Protestbewegung sei jedoch "zum Scheitern verurteilt, weil das volle Gewicht des Gesetzes sie treffen wird".

Weder die "China Daily" noch die "Global Times" erwähnten die blutige Attacke eines bewaffneten Angreifers am Sonntag, bei der mindestens fünf Menschen verletzt wurden. Laut Augenzeugen sprach der Angreifer Mandarin - die mehrheitlich in Festland-China gesprochene Sprache - und rief prochinesische Parolen, bevor er auf die Menschen losging. Dem Lokalpolitiker Andrew Chiu biss der Angreifer einen Teil des Ohrs ab.

Härtere Maßnahmen, um Proteste einzudämmen

Seit Monaten demonstrieren die Menschen in Hongkong gegen die Regierung und den wachsenden Einfluss der kommunistischen Pekinger Führung auf das autonom regierte Territorium. Sie fordern eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt und freie Wahlen. Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip "ein Land, zwei Systeme" autonom regiert.

Am Wochenende setzte die Polizei Tränengas, Gummigeschosse, Pfefferspray und einen Wasserwerfer gegen die Demonstranten ein. Radikale Aktivisten warfen Brandbomben, bauten Straßensperren und attackierten Geschäfte mit vermuteten Beziehungen zu China.

Um die Proteste einzudämmen hatten Peking und Hongkong zuletzt auf schärfere Maßnahmen gegen die Demonstranten gesetzt. So wurde vor einem Monat per Notstandsgesetz ein Vermummungsverbot durchgesetzt, auch wurden die Regeln für Nutzer sozialer Netzwerke verschärft.

asc/AFP/dpa

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KMtheo 04.11.2019
1. Der Beitrag übergeht das Hauptproblem, den Polizeiterrorismus HKs
Das Hauptproblem wird im Artikel übersehen. Der Anfang klingt wie eine westlicher Konflikt. Aber hier läuft vieles ganz anders: Die Polizei, die sich bis vor fünf Monaten durchaus mit der in England vergleichen ließ, ist inzwischen in die Nähe von bekannten Geheimpolizeiverbünden gerückt (Man denke mal etwas in der Geschichte zurück ...). Erschreckend ist, wie schnell solch ein "Umfallen" oder "Herausfallen" aus dem Rechtsstaat möglich ist. Die Regierungschefin musste lediglich deutlich machen, dass keinerlei Polizeigewalt in Zukunft geahndet werden wird und schon beginnen die Machtspiele (berühmte Experimente aus den sechziger Jahren konnten ähnliche Mechanismen zeigen: Versprich Straffreiheit und Macht über andere und guck mal was passiert ...). Der Chef der Polizeirekruten nannte bald darauf die Demonstranten "Kakerlaken", die es zu zertreten gelte. Sackgassen wurden abgesperrt, Demonstranten hineingezwungen, was dann passiert, konnte kein Smartphone mehr erfassen. Wie Polizisten offensichtlich ohne Anlass in einer Shoppingmall (nicht bei einer Demo) aus 10cm Entfernung einem Jugendlichen Pfefferspray direkt ins Auge sprühen, lässt sich leider schon zuhauf auf youtube sehen. Ebenso solche über Halloween-Partys, die von der Polizei gesprengt wurden (weil die Menschen sich dort ja vermummt hatten). Erste Berichte von sexuellen Übergriffen der Polizei gibt es auch schon. Jugendliche werden aus Schulen und der Universität "abgeholt". Von an die 100 Toten bei Demonstrationen wird in westlichen Medien nicht berichtet. Angeblich gab es in den letzten Monaten 900 "Selbstmorde" von Jugendlichen ohne Abschiedsbrief. Die Eltern sahen die Toten nie, sie bekamen die Asche von der Polizei zugeschickt. Erschreckend wie in drei, vier Monaten normale Menschen in einer westlich ausgerichteten Polizei, zu aggressiven Handlangern Pekings werden, die keine Grenzen mehr kennen und die Lösung in der Ausübung unbegrenzter Gewalt sehen. Schade, dass in dem Artikel nichts davon deutlich wird.
The Restless 04.11.2019
2.
Zitat von KMtheoDas Hauptproblem wird im Artikel übersehen. Der Anfang klingt wie eine westlicher Konflikt. Aber hier läuft vieles ganz anders: Die Polizei, die sich bis vor fünf Monaten durchaus mit der in England vergleichen ließ, ist inzwischen in die Nähe von bekannten Geheimpolizeiverbünden gerückt (Man denke mal etwas in der Geschichte zurück ...). Erschreckend ist, wie schnell solch ein "Umfallen" oder "Herausfallen" aus dem Rechtsstaat möglich ist. Die Regierungschefin musste lediglich deutlich machen, dass keinerlei Polizeigewalt in Zukunft geahndet werden wird und schon beginnen die Machtspiele (berühmte Experimente aus den sechziger Jahren konnten ähnliche Mechanismen zeigen: Versprich Straffreiheit und Macht über andere und guck mal was passiert ...). Der Chef der Polizeirekruten nannte bald darauf die Demonstranten "Kakerlaken", die es zu zertreten gelte. Sackgassen wurden abgesperrt, Demonstranten hineingezwungen, was dann passiert, konnte kein Smartphone mehr erfassen. Wie Polizisten offensichtlich ohne Anlass in einer Shoppingmall (nicht bei einer Demo) aus 10cm Entfernung einem Jugendlichen Pfefferspray direkt ins Auge sprühen, lässt sich leider schon zuhauf auf youtube sehen. Ebenso solche über Halloween-Partys, die von der Polizei gesprengt wurden (weil die Menschen sich dort ja vermummt hatten). Erste Berichte von sexuellen Übergriffen der Polizei gibt es auch schon. Jugendliche werden aus Schulen und der Universität "abgeholt". Von an die 100 Toten bei Demonstrationen wird in westlichen Medien nicht berichtet. Angeblich gab es in den letzten Monaten 900 "Selbstmorde" von Jugendlichen ohne Abschiedsbrief. Die Eltern sahen die Toten nie, sie bekamen die Asche von der Polizei zugeschickt. Erschreckend wie in drei, vier Monaten normale Menschen in einer westlich ausgerichteten Polizei, zu aggressiven Handlangern Pekings werden, die keine Grenzen mehr kennen und die Lösung in der Ausübung unbegrenzter Gewalt sehen. Schade, dass in dem Artikel nichts davon deutlich wird.
"Von an die 100 Toten bei Demonstrationen wird in westlichen Medien nicht berichtet. Angeblich gab es in den letzten Monaten 900 "Selbstmorde" von Jugendlichen ohne Abschiedsbrief. Die Eltern sahen die Toten nie, sie bekamen die Asche von der Polizei zugeschickt." Sie sagen es: "Angeblich". Belege gibt es nicht, außer Behauptungen in sozialen Medien(?). Auf beiden Seiten tobt auch der Propagandakrieg, wer soll denn wissen, was überhaupt noch stimmt?
lfcoolj 04.11.2019
3. @kmtheo
Sie haben ja eine bluehende Fantasie! Wo beziehen Sie Ihre Informationen? Breitbart? Falun gong? Sie koennen doch nicht einfach fake news hier verbreiten!
KMtheo 04.11.2019
4. @lfcoolj: Quellengestützt
Gern kann ich Quellen offenlegen: SPON selbst hat das Interview mit einem Arzt veröffentlicht, der im Geheimen (!) Demonstranten versorgen muss, da sie sonst vom Krankenlager direkt in die Internierungslager kommen: https://www.spiegel.de/plus/polizeigewalt-in-hongkong-wir-befinden-uns-in-einer-humanitaeren-krise-a-00000000-0002-0001-0000-000166735198. Weiter Quellen sind auf YouTube mit den entsprechenden Filmchen zum finden, z.B. von RFA zum Pfefferspray: https://youtu.be/I5LePdT3A-A (der Jugendliche hat ganz normal mit den Polizisten gesprochen) Auch viele in der South China Morning Post. Bin gern zu weiteren Quellen bereit (die gibt es zuhauf), wenn Sie disqualifizierende Anwürfe (Breitbart) bitte unterlassen würden. Ich gehe mal von tatsächlichem Interesse aus.
Wigritz 04.11.2019
5. Bild
Sie verweigern in Ihrer "Tendenz" die Information, worum es dabei geht. Der Teilnehmer an Ausschreitungen dürfte eine volle Ladung Tränengas abbekommen haben und ringt nach Luft. 2 Polizisten versuchen ihm zu helfen. Einer hält seinen Kopf und der andere öffenet den Kragen. Von wegen: brutales Vorgehen.
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