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"Lady Liberty" mit Gasmaske Demokratie-Aktivisten errichten Statue in Hongkong

In Hongkong ist es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei gekommen. Bereits in der Nacht hatten Aktivisten eine vier Meter hohe Statue aufgestellt - als Symbol für die Freiheit.

Obwohl die Behörden in Hongkong zunehmend härter gegen Demonstranten vorgehen, kam es erneut zu Protesten. In mehreren Vierteln der Stadt gab es zudem Zusammenstöße mit der Polizei, die jedoch weniger gewalttätig verliefen als in den vergangenen Wochen.

Unter anderem in den Vierteln Mongkok und Tai Po errichteten Demonstranten Straßenbarrikaden, besprühten chinesische Unternehmen mit Graffiti und warfen Fenster ein. Dutzende Demonstranten wurden festgenommen.

In der Nacht zu Sonntag hatten Aktivisten aus Protest bereits eine vier Meter hohe Statue auf dem Gipfel des Lion Rock aufgestellt. Freiwillige trugen die 80 Kilo schwere Statue in zwei Teilen auf den Berg, wie die Organisatoren mitteilten. Auf dem 495 Meter hohen Lion Rock soll sie demnach nun dauerhaft stehen, falls sie nicht von den Behörden entfernt wird.

Die "Lady Liberty" stellt eine Demonstrantin mit Gasmaske, Schutzbrille und Helm dar. In einer Hand trägt sie einen Regenschirm, in der anderen eine schwarze Fahne mit dem Protest-Slogan "Befreit Hongkong, Revolution jetzt". Sie wurde in den vergangenen Monaten bei mehreren friedlichen Kundgebungen auf einem Lastwagen durch die Stadt gefahren.

Regierungschefin droht der Protestbewegung

In Hongkong gibt es seit Monaten Massenproteste gegen die wachsende Einflussnahme der Regierung in Peking und die Beschneidung der Bürgerrechte. Die Proteste hatten sich anfänglich gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah.

Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die pro-chinesische Führung in Hongkong und die Einschränkung der Demokratie. Am 70. Gründungstag der Volksrepublik waren die Proteste in der Sonderverwaltungszone eskaliert.Erstmals wurde ein Demonstrant angeschossen.

Zuletzt hatte Regierungschefin Carrie Lam nicht mehr ausgeschlossen, dass China sich mit militärischer Gewalt einmischen könnte. Auch hatte die Regierung in Hongkong Anfang Oktober per Notstandsgesetz ein Vermummungsverbot erwirkt. Bisher nutzen die Demonstranten Masken und Brillen vielfach, um sich vor Tränengas oder Pfefferspray zu schützen. Außerdem wollen sie verhindern, dass die Polizei sie identifiziert - etwa mit Software für Gesichtserkennung.

asc/AFP
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