Hongkong Demonstranten bitten Trump um Hilfe

In Hongkong haben Tausende Demonstranten die USA um Unterstützung gebeten. Erneut gingen Polizisten mit Tränengas gegen sie vor - während am Flughafen der bekannte Protestführer Wong festgenommen wurde.

Flagge zeigen: Demonstranten ziehen mit der amerikanischen Nationalflagge durch die Straßen Hongkongs
Vivek Prakash / AFP

Flagge zeigen: Demonstranten ziehen mit der amerikanischen Nationalflagge durch die Straßen Hongkongs


Tausende Protestierende in Hongkong sind vor das US-Konsulat gezogen und riefen US-Präsident Donald Trump zu einer Befreiung der Stadt auf. Sie schwenkten das Sternenbanner, stimmten die US-Nationalhymne an und verlangten auf Plakaten mehr Demokratie. Sie forderten dabei Unterstützung von den USA: "Kämpft für die Freiheit, steht an der Seite Hongkongs", riefen Demonstranten, die dem US-Konsulat eine Petition übergaben.

Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten ein, in einer Art Katz- und Mausspiel wichen die Menschen vor den Sicherheitskräften zurück, um an anderer Stelle wieder zu Straßenprotesten zusammenzukommen. Vereinzelt kam es bei den Protesten auch am Sonntag zu Vandalismus: Aktivisten schlugen Fenster ein, legten Feuer auf der Straße und verwüsteten eine Metro-Station.

Unterdessen wurde einer der Protestführer, Joshua Wong, erneut von der Polizei festgenommen. Wie Wong über seinen Anwalt auf Twitter mitteilen ließ, wurde er von Beamten am Flughafen festgesetzt. Demnach wird dem 22-Jährigen vorgeworfen, seine Kautionsbedingungen verletzt zu haben - er wollte laut der "Bild"-Zeitung nach Deutschland reisen.

Wong ging laut der Twitter-Mitteilung davon aus, dass es sich bei der Festnahme um einen Fehler handele. Eine vorläufige Rechtsberatung habe ergeben, "dass das Gericht meine Reisen nach Deutschland und in die USA anerkannt und genehmigt hatte, als es am 30. August eine Kaution gewährte." Der Aktivist ging davon aus, am Montagmorgen nach einer Anhörung entlassen zu werden.

Wong war bereits Ende August für einige Stunden festgenommen und auf Kaution wieder entlassen worden. Ihm sowie seiner Mitstreiterin Agnes Chow wird vorgeworfen, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten.

Seit dem 9. Juni kommt es in der Finanzmetropole immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

US-Verteidigungsminister Mark Esper hatte am Samstag die chinesische Regierung aufgefordert, in Hongkong Zurückhaltung zu üben. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnte bei ihrem Chinabesuch eine friedliche Lösung der Krise in Hongkong an.

Im vergangenen Monat hatte Trump, der mit China seit Monaten einen mit immer härteren Bandagen geführten Handelskonflikt austrägt, eine "humane Lösung" für die Probleme in Hongkong gefordert. Zuvor hatte er die Proteste allerdings als "Unruhen" bezeichnet. Es sei Sache Chinas, damit umzugehen.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong ist seit 1997 chinesische Sonderverwaltungszone, deren Einwohner größere persönliche Freiheiten genießen als in der Volksrepublik. Die Demonstranten werfen Regierungschefin Carrie Lam eine zu große Nähe zur kommunistischen Regierung in Peking vor. China ist bestrebt, die Demonstrationen vor dem 70. Jahrestag der Gründung der Volksrepublik am 1. Oktober unter Kontrolle zu bringen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Textes war der Festgenommene als Wong Yik-mo bezeichnet worden, korrekt ist Joshua Wong. Wir haben den Satz korrigiert.

sen/Reuters/dpa

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