Polizei setzt Pfefferspray ein Erneut demonstrieren Zehntausende in Hongkong

Die Proteste in Hongkong hören nicht auf. Am Wochenende demonstrierten Zehntausende gegen Polizeigewalt, die eigene Regierung, aber auch gegen Händler aus der Volksrepublik. Es kam zu Ausschreitungen.

Anthony Kwan/ Getty Images

Wieder sind am Wochenende Zehntausende Hongkonger zu Protesten auf die Straße gegangen - dieses Mal außerhalb des Finanzdistrikts der Metropole. In den Grenzstädten Sheung Shui und Sha Tin demonstrierten sie unter anderem gegen unbeliebte Tagestouristen und Händler vom Festland. Dabei kam es zu Zusammenstößen mit der Polizei, die Pfefferspray einsetzte.

Die Händler decken sich in der Grenzregion mit großen Mengen an Waren ein und verkaufen sie dann in der Volksrepublik weiter. Die Demonstranten werfen ihnen vor, für steigende Preise verantwortlich zu sein und keine Steuern zu zahlen. Hongkongs Regierung betonte, sie habe wegen solcher Geschäfte in den vergangenen 18 Monaten 126 Personen aus der Volksrepublik festgenommen und 5000 weiteren wegen des Verdachts auf ähnliche Pläne die Einreise in die Sonderverwaltungszone verwehrt.

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Proteste an der Grenze zur Volksrepublik: Ausschreitungen bei Demos in Hongkong

Auch das geplante Auslieferungsgesetz ist weiterhin ein Thema bei den Demonstrationen. Das Gesetz hätte es Hongkongs Behörden ermöglicht, von der chinesischen Justiz verdächtigte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Zwar hatte Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam den Entwurf bereits als "tot" bezeichnet, und es gebe "keinen Plan", das auf Eis liegende Gesetzgebungsverfahren wieder in Gang zu bringen. Doch vielen Bürgern Hongkongs reicht das nicht aus, sie fordern, das Gesetz auch formell zurückzuziehen, was Lam bisher nicht zugesagt hat.

Manche fordern auch den Rücktritt von Lam und eine unabhängige Untersuchung der Vorwürfe gegen die Polizei von Hongkong, die zuletzt mehrfach mit Gewalt gegen die Demonstranten vorgegangen war.

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong wird seit der Rückgabe 1997 an China nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der Volksrepublik genießen die sieben Millionen Einwohner das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit. Sie fürchten aber, dass ihre Freiheiten eingeschränkt werden könnten. Am Sonntag waren unter anderem Plakate zu sehen, auf denen US-Präsident Donald Trump gebeten wird, Hongkong zu "befreien".

pbe/Reuters



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RalfHenrichs 14.07.2019
1.
Hongkong hat doppelt so viel Einwohner wie Berlin. Zehntausende Demonstranten sind daher nicht so viel. Man muss sich eher fragen: warum demonstrieren nicht mehr Leute?
juba39 14.07.2019
2. Hört das denn nie auf?
Man muß ja kein Freund Chinas, auch nicht Hongkongs zu sein. Oder auch das Gegenteil. Was wir allerdings erwarten können, ist ausgewogener Journalismus, der Ereignsse ohne eigene (subjektive) Wertung und auch vollständig berichtet. "Das Gesetz hätte es Hongkongs Behörden ermöglicht, von der chinesischen Justiz verdächtigte Personen an die Volksrepublik auszuliefern." Mit dem kleinen "AUCH" wäre es richtig, so wird diese Meldung durch Unterschlagung, daß eine Auslieferung nicht nur ans chinesische Festland, denn völkerrechtlich gehört Hongkung nun einmal zu China, sondern generell an alle Länder möglich. So ist die Meldung einfach nur falsch. Und zum wiederholten mal eine unterschwellige Symphatie für gewalttätige Demonstranten durchscheinen zu lassen, gehört einfach nicht in ein seriöses Blatt. Denn was würde in Deutschland passieren, Demonstranten mit sonst welch berechtigtem Anliegen, würde den Reichstag stürmen und verwüsten. Was würde passieren, wütende deutsche Händler würden nach Slubice oder Swinoucie stürmen, und die dortigen "Polenmärkte" oder Tankstellen verwüsten? Journalisten sollten sich IMMER im Stillen die Frage stellen, was würde in vergleichbaren Fällen hier im Land passieren. Das weitet den eigenen Blick für eine eigene Positionierung!
vrag_naroda 15.07.2019
3. Äpfel mit Birnen
Zitat von juba39Man muß ja kein Freund Chinas, auch nicht Hongkongs zu sein. Oder auch das Gegenteil. Was wir allerdings erwarten können, ist ausgewogener Journalismus, der Ereignsse ohne eigene (subjektive) Wertung und auch vollständig berichtet. "Das Gesetz hätte es Hongkongs Behörden ermöglicht, von der chinesischen Justiz verdächtigte Personen an die Volksrepublik auszuliefern." Mit dem kleinen "AUCH" wäre es richtig, so wird diese Meldung durch Unterschlagung, daß eine Auslieferung nicht nur ans chinesische Festland, denn völkerrechtlich gehört Hongkung nun einmal zu China, sondern generell an alle Länder möglich. So ist die Meldung einfach nur falsch. Und zum wiederholten mal eine unterschwellige Symphatie für gewalttätige Demonstranten durchscheinen zu lassen, gehört einfach nicht in ein seriöses Blatt. Denn was würde in Deutschland passieren, Demonstranten mit sonst welch berechtigtem Anliegen, würde den Reichstag stürmen und verwüsten. Was würde passieren, wütende deutsche Händler würden nach Slubice oder Swinoucie stürmen, und die dortigen "Polenmärkte" oder Tankstellen verwüsten? Journalisten sollten sich IMMER im Stillen die Frage stellen, was würde in vergleichbaren Fällen hier im Land passieren. Das weitet den eigenen Blick für eine eigene Positionierung!
In einer Diktatur hat per Definition das Volk nicht zu melden und hat somit keine oder nur äußerst eingeschänkte Möglichkeiten, Einfluß auf die Politik , Gesetze zu nehmen. Straßenproteste sind oft einer der enige Wege die noch offen sind auf sich Aufmerksam zu machen. Was das mit von "deutschen Händlern" verwüsteten "Polenmärken"? zu tun haben soll, erschliest sich mir nicht.
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