Flughafen lahmgelegt Peking droht Demonstranten in Hongkong

Tausende Regierungskritiker haben den Flughafen in Hongkong lahmgelegt. Chinas Regierung verschärft den Ton gegen die Protestbewegung - und spricht von "ersten Anzeichen von Terrorismus".

Demonstranten am Flughafen in Hongkong: "Es wird immer gefährlicher"
Kin Cheung/ AP

Demonstranten am Flughafen in Hongkong: "Es wird immer gefährlicher"


Mehr als 5000 Menschen haben am Flughafen in Hongkong gegen Polizeigewalt protestiert. Der Flughafen war zeitweise stillgelegt, die Verwaltung strich für den Rest des Tages sämtliche Flüge.

Durch die Proteste werde der Flugverkehr "ernsthaft gestört", begründete die Verwaltung das Streichen aller Flüge. Der Hongkonger Flughafen zählt zu den wichtigsten Drehkreuzen der Welt. Die Verwaltung rief Passagiere und Besucher auf, den Flughafen zu meiden. Zuvor waren bereits drei Tage lang Sitzblockaden abgehalten worden, bei denen Demonstranten den Fluggästen die Beweggründe für die Proteste erläuterten.

Die chinesische Regierung verurteilte gewaltsame Ausschreitungen in der Sonderverwaltungszone. Der Sprecher des für die chinesischen Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau zuständigen Büros des Staatsrats sagte, "radikale Demonstranten" hätten wiederholt Sicherheitskräfte mit "äußerst gefährlichen Gegenständen" angegriffen. Dies sei "ein schweres Gewaltverbrechen" und zeige "erste Anzeichen von Terrorismus". Die "Kriminellen" müssten so schnell wie möglich vor Gericht gebracht werden, drohte der Sprecher weiter.

Die seit zehn Wochen andauernden Proteste in der ehemaligen britischen Kronkolonie waren ursprünglich durch ein - später auf Eis gelegtes - Auslieferungsgesetz ausgelöst worden, das die Überstellung von Verdächtigen an Festland-China erlaubt hätte. Die Demonstrationen weiteten sich danach zu einer Bewegung gegen den wachsenden Einfluss Pekings in Hongkong und für mehr Demokratie aus.

"Wenn wir jetzt nicht rausgehen, verlieren wir unsere Freiheiten"

Am Wochenende hatten Tausende Menschen in Hongkong gegen die Regierung protestiert. Dabei setzte die Polizei Tränengas unter anderem in U-Bahnstationen ein. Offenbar mischten sich zudem Zivilbeamte in den für die Demonstranten typischen schwarzen T-Shirts unter die Menge und nahmen Teilnehmer fest. Einige Demonstranten bewarfen die Beamten mit Steinen und setzten sich mit Feuerlöschern und Wasserschläuchen zur Wehr.

Nach Angaben der Regierung wurden insgesamt 45 Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer. Unter anderem trug eine Frau schwere Verletzungen im Gesicht davon. Bilder der Frau, die blutend auf dem Boden liegt, wurden rasch im Internet verbreitet und waren später auch auf Protestplakaten zu sehen.

Als Zeichen der Solidarität trugen viele der Demonstranten am Flughafen Augenklappen oder Bandagen im Gesicht. "Es wird immer gefährlicher, aber wenn wir jetzt nicht mehr rausgehen, wird unsere Zukunft beängstigender und wir verlieren unsere Freiheiten", sagte eine 22-jährige Aktivistin.

Die Hongkonger Regierung warnte vor wirtschaftlichem Chaos durch die Proteste. Die Stadt werde einen "hohen Preis" für die Schließung des Flughafens zahlen, sagte Verkehrsminister Frank Chan.

Peking schickt Militärfahrzeuge an die Grenze

Chinesischen Medienberichten zufolge entsandte das chinesische Militär gut zwei Dutzend gepanzerte Truppentransporter und andere Militärfahrzeuge nach Shenzhen, eine Stadt an der Grenze zu Hongkong. Dort sollten "groß angelegte Übungen" stattfinden, berichtete die "Global Times".

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific drohte Unterstützern der Proteste auf Druck Chinas derweil mit Entlassung. Beschäftigten, die "illegale Demonstrationen unterstützen oder daran teilnehmen", könne gekündigt werden, erklärte Cathay Pacific. Chinas Luftfahrtbehörde hatte die Airline am Freitag angewiesen, Teilnehmer der Proteste weder auf Flügen Richtung Festland-China noch durch den chinesischen Luftraum einzusetzen.

Das Auswärtige Amt in Berlin riet Hongkong-Reisenden, Demonstrationen und Menschenansammlungen weiträumig zu meiden und den Anweisungen lokaler Sicherheitskräfte zu folgen.

cte/dpa/AFP

insgesamt 54 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Byrne 12.08.2019
1. Optional
Das wäre mal was für FfF: an einem Tag zur Durchsetzung der Forderungen die Flughäfen in Frankfurt und München gleichzeitig besetzen und ankündigen, erst wieder zu gehen, wenn die Forderungen erfüllt sind.
MagittaW 12.08.2019
2. Der feige Heiko Maas
Na, wo bleibt unser Außenminister Heiko Maas? Sicherheitswarnungen für Reisende, aber keine anderen Statements? Echt armselig. Selbst bei den Demonstrationen in Moskau hört man nur Schweigen. Dabei sind in beiden Städten die Demonstranten sehr viel mutiger als alle Fridays for Future möchtegern Revoluzzer zusammen. Unser Land hat schlicht seinen moralischen Kompass verkauft. Für Pseudo Aktivisten und den schnöden mammon. Meine Hochachtung gilt diesen Demonstranten, die für ihre Freiheit kämpfen!
lockederboss31 12.08.2019
3. wieso...
bezieht eigentlich nicht mal einer der führer der "freien welt" klar stellung? wieso gibt es keine saktionen? wieso reißen unsere poltiker den mund auf wenn es um erdogan oder putin geht, aber nicht wenns um amerika oder china geht? mir ist durchaus bewusst dass das wirtschaftliche konsequenzen haben kann. zumindest könnte man dann sagen dass da jemand für unsere Werte einsteht, koste es was es wolle. einfach nur zugucken und hoffen das hong kong das schon irgendwie wuppt, lächerlich. die Chinesen brauchen, genau wie trump, abseits von politischer korrektheit, jemanden der ihnen auf die füße tritt und sagt bis hier hin und nicht weiter. eine klare politische linie. gibts in der "freien" welt nicht. und in deutschland sowieso nicht
bernteone 12.08.2019
4. Wenn die öffentliche Ordnung in Gefahr ist
China wird genötigt offen einzugreifen und danach wird wieder was von Verletzung von Menschenrechten geschrieben Ich glaube die meisten Länder der Welt hätten es erst gar nicht dazu kommen lassen das der Flughafen besetzt wird . Deutschland ist Ende der sechziger auch mit aller Härte gegen Studenten vorgegangen oder der G20 in Hamburg . Die meisten die da auf der Strasse sind wollen Krawall , genau wie bei vielen andern Protesten in der Welt , aber weil es gegen China geht heißen sie Aktvisten .
suferone 12.08.2019
5. schon bald
wird die Regierung in Peking wohl ihr wahres Gesicht zeigen! Die Demonstranten sollten sich dessen bewusst sein und auch wissen das niemand ihnen dann zu hilfe kommen wird! Es ist und bleibt ein diktatorisches Regieme mit dem wir und die gesammte Welt Geschäfte macht! Wir, der westen hat China zu seiner Fabrik gemacht allein aus Profitgier und nun beginnen wir den Preis dafür zu zahlen!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.