Sein Fall löste die Hongkong-Krise aus Mordverdächtiger kommt frei - Streit um Auslieferung geht weiter

Hongkongs Regierung hat das umstrittene Auslieferungsgesetz zurückgezogen, das die Proteste der vergangenen Monate ausgelöst hatte. Damit ist aber nicht der Fall des 20-Jährigen beendet, dessen Tat am Anfang stand.

Chan Tong-kai (links): Hongkongs Regierung instrumentalisierte seine Tat
JEROME FAVRE/EPA-EFE/REX

Chan Tong-kai (links): Hongkongs Regierung instrumentalisierte seine Tat


Ein mutmaßlicher Mörder, dessen Fall am Anfang der Krise in Hongkong stand, ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Chan Tong-kai, der aus Hongkong stammt, saß seit Anfang 2018 wegen Geldwäsche in Haft, wird aber in Taiwan wegen Mordes an seiner schwangeren Freundin gesucht. Er will sich den Behörden dort auch stellen und sich schuldig bekennen.

Ein politisches Tauziehen zwischen der zu China gehörenden Sonderverwaltungsregion Hongkong und der demokratischen Insel Taiwan, die Peking als Teil der Volksrepublik betrachtet, verhindert aber vorerst eine Überstellung. Der 20-Jährige konnte 2018 nicht ausgeliefert werden, weil es kein entsprechendes Abkommen zwischen beiden Seiten gibt.

Regierungschefin Carrie Lam hatte das zum Anlass genommen, um ein Gesetz einzubringen, das Auslieferungen nicht nur nach Taiwan, sondern auch nach China ermöglicht hätte.

Während Taiwan ein unabhängiges Justizsystem hat, stehen die Gerichte und Staatsanwälte in der Volksrepublik unter Führung der Kommunistischen Partei und dienen auch der politischen Verfolgung.

Proteste dauern seit 20 Wochen an

Aus Angst vor dem langen Arm Chinas begannen daher im Frühjahr die Proteste in Hongkong. Auch der Rückzug des Gesetzentwurfes, der am Mittwoch formal erfolgte, konnte die Lage nicht beruhigen.

Die Demonstranten fordern inzwischen auch eine unabhängige Untersuchung von Polizeibrutalität bei den Protesten, Straffreiheit für die mehr als 2000 Festgenommenen und freie Wahlen.

Seit der Rückgabe 1997 an China wird die frühere britische Kronkolonie nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" in ihrem eigenen Territorium autonom regiert. Die Proteste, die häufig in Ausschreitungen enden, dauern bereits 20 Wochenenden in Folge an.

mes/asa/dpa/Reuters



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