Neue Gewalt bei Protesten in Hongkong Tränengas gegen Bambusstöcke

In Hongkong hat es bei erneuten Protesten Ausschreitungen gegeben. Die Polizei setzte Tränengas ein, Demonstranten griffen Polizisten unter anderem mit Steinen an und zerstörten intelligente Überwachungskameras.

Kin Cheung / AP / DPA

Seit elf Wochen demonstrieren Tausende in Hongkong, dabei ist es erneut zu schweren Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten gekommen. Die Beamten setzten Tränengas ein und drängten Protestierende zurück, die auf der Straße Barrikaden unter anderem aus Bambusstangen errichtet hatten. Demonstranten warfen Flaschen, Brandsätze und Steine auf die Polizisten. Zudem lieferten sich beide Seiten Gefechte mit Baseballschlägern und Schlagstöcken aus Bambus.

Die Demonstrationen hatten am 9. Juni begonnen. Die Kritik richtete sich anfangs gegen ein - inzwischen auf Eis gelegtes - Gesetz, das Auslieferungen nach China erlaubt hätte und von Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam auf den Weg gebracht worden war.

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Inzwischen zielt der Protest zunehmend auf Peking direkt. Hongkong gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China. Für die Sonderverwaltungszone sind eigentlich noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte garantiert. Doch viele fürchten darum (Lesen Sie hier ein Interview mit einem Exil-Hongkonger). Zentrale Forderungen der Demonstranten sind freie Wahlen und eine unabhängige Untersuchung von Polizeigewalt bei früheren Protesten.

Friedlicher Marsch schlägt in Gewalt um

Die neuen Spannungen an diesem Samstag entluden sich nach einem zunächst friedlichen Marsch mit Tausenden Teilnehmern im Stadtteil Kwun Tong. Die Demonstranten hatten die Gegend für ihren Protest ausgewählt, weil Kwun Tong nach ihren Angaben der erste Bezirk in Hongkong ist, in dem sogenannte intelligente Überwachungskameras eingesetzt werden.

Viele Demonstranten befürchten, dass die Technologie zur Verfolgung von Demokratie-Aktivisten eingesetzt werden könnte. Wie Hongkonger Medien berichteten, zerstörten Demonstranten einen Mast mit der neuen Überwachungstechnik.

U-Bahn-Betreiber lässt Züge nicht an Demo-Stationen halten

Die Kritik der Protestbewegung zog auch der Hongkonger U-Bahn-Betreiber auf sich, der vor Beginn des angemeldeten Marsches an diesem Samstag keine Züge mehr an den umliegenden Stationen halten ließ. Dadurch erschwerte sich die Anreise für Demonstranten, die der Bahn-Gesellschaft vorwarfen, auf Druck Pekings gehandelt zu haben.

Ein in China festgesetzter Mitarbeiter des britischen Konsulats in Hongkong wurde derweil wieder auf freien Fuß gesetzt. Wie die Polizei der südchinesischen Stadt Shenzhen mitteilte, lief die 15-tägige "Administrativhaft" für Simon Cheng an diesem Samstag ab. Cheng konnte danach nach Hongkong zurückkehren.

Der 28-Jährige war nach Angaben seiner Familie am 8. August an der Grenze zwischen China und Hongkong auf dem Heimweg in die Sonderverwaltungszone verschwunden. Er hatte demnach ein Wirtschaftstreffen in Shenzhen im Südosten Chinas besucht.

Erst als der Fall in der vergangenen Woche öffentlich wurde, teilte das chinesische Außenministerium mit, dass Cheng festgenommen worden sei, weil er Gesetze zur öffentlichen Sicherheit verletzt habe. Später berichtete die staatliche Zeitung "Global Times", dass sich Cheng mit einer Prostituierten getroffen haben soll. Von offizieller Seite konnte dies jedoch nicht bestätigt werden. Hongkongs Protestbewegung sah darin einen Versuch, ihn zu diskreditieren.

Peking hat Großbritannien und andere Staaten mehrfach davor gewarnt, sich in den Hongkong-Konflikt einzumischen. Die Massenproteste sollen auch an diesem Sonntag weitergehen.

kko/dpa



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