Proteste für mehr Demokratie Hongkongs Polizei nimmt Studentenführer fest

Einige Tausend Demonstranten harren noch immer in Protestlagern auf Hongkongs Straßen aus, nun räumt die Polizei die letzten Barrikaden. Die Sicherheitskräfte haben mehr als hundert Aktivisten festgenommen, darunter die beiden Anführer.

Protestführer Wong (l.) und Shum: Polizei nimmt Studenten fest
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Protestführer Wong (l.) und Shum: Polizei nimmt Studenten fest


Hongkong - Joshua Wong ist das Gesicht der Protestbewegung in Hongkong. Der Student hatte die Demonstrationen für mehr Demokratie vor zwei Monaten initiiert. Nun hat die Polizei ihn und seinen Mitstreiter Lester Shum festgenommen. Das berichten die Studentenanführer und ein Korrespondent der Nachrichtenagentur Reuters.

Ein Gericht hatte die Räumung aller Straßenbarrikaden in Hongkong angeordnet. Daraufhin kam es am späten Dienstagabend zu den schwersten Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten seit Tagen. Viele Menschen strömten auf die Straßen, um sich gegen die Räumung zur Wehr zu setzen. Wong und Shum hatten ihre Anhänger dazu aufgerufen, keinen Widerstand zu leisten.

Bis zum Mittwochmorgen wurden nach Polizeiangaben mehr als hundert Aktivisten festgenommen, die sich gegen die Räumung im Geschäftsviertel Mong Kok wehrten. Die Polizei setzte Pfefferspray ein, um Demonstranten von den Straßen zu vertreiben. Aktivisten warfen den Beamten vor, unnötig hart vorgegangen zu sein. Die Polizei sprach hingegen von einer "illegalen Versammlung". Entgegen der Gerichtsanordnung hätten Aktivisten versucht, die Straßen erneut mit Gegenständen zu blockieren. "Die Polizei hat entschlossen gehandelt und sie vertrieben", teilte die Behörde mit. Eine Polizeisprecherin sagte auf Anfrage, 20 Beamte seien bei dem Einsatz verletzt worden.

Protest hat wirtschaftliche Folgen für Hongkong

Taxi- und Busfahrer hatten eine einstweilige Verfügung gegen die Protestlager in Mong Kok durchgesetzt, weil sie ihr Geschäft durch die Straßensperren beeinträchtigt sahen. Die gerichtliche Verfügung sieht vor, dass Polizeibeamte jeden festnehmen dürfen, der sich der Vollstreckung in den Weg stellt.

Die von Studenten angeführte Protestbewegung Occupy Central verlangt eine freie Auswahl von Bewerbern für die 2017 anstehende Wahl des Verwaltungschefs von Hongkong. Die Regierung in Peking will aber nur vorab ausgewählte Kandidaten zulassen. Zu Beginn der Demonstrationen waren etwa 200.000 Menschen für mehr Demokratie in Hongkong auf die Straßen gegangen. In den vergangenen Wochen ist die Zahl der Unterstützer aber deutlich gefallen - auch weil die Blockade des Geschäftsviertels Mong Kok wirtschaftliche Folgen für die ehemalige britische Kronkolonie hat.

syd/AP/Reuters/dpa

insgesamt 6 Beiträge
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msvanessacheng 26.11.2014
1.
Tja, eine gewisse Zeit im Knast gehört zur Karriere eines jeden angesehenen Oppositionellen. Ansonsten würde man Schwierigkeiten haben einen Grund fürs Rampenlicht bzw. für die "Friedensmedaillen" zu finden, die natürlich ganz im Sinne des Weltfriedens und ohne jegliche politische Motiven regelmässig zu haben sind.
luckyfrank 26.11.2014
2. Beweis!
Das ist mal wieder der Beweis (leider!), dass mit friedlichen Demonstrationen kein Blumentopf zu gewinnen ist. Lasst sie doch demonstrieren, wir machen sowieso was wir wollen....
remcap 26.11.2014
3. Wirtschaftliche Folgen
des Streiks ist ein Faktor, den westliche Medien zu gerne sträflich vernachlässigen. Die Folge ist, das diese Demonstration nicht objektiv von allen seiten dargestellt werden kann. Das die Geschäftsleute nicht gut auf die Demonstranten zu sprechen sind ist verständlich. Wenn man monatliche Laden-Mieten von ab 40.000 EUR für 20 qm zahlt, hört, der spass auf und der eigene Ruin steht vor der tür. Die Studenten haben quasi auf kosten der geschäftsleute demonstriert. Das die geschäftsleute dann Schäger bezahlen oder selber eingreifen, kann man nur als letzte Notwehr bezeichnen. Honkongs Bürger können nicht Demonstrieren ohne dabei persönlichen wirtschaftlichen Schaden zu erleiden, für die man selber aufkommen muss.
MM5 26.11.2014
4. C
Mache Geschäftsleute in MK haben gesagt, ihre Geschäfte waren vor die Räumung verbessert. Jedoch wenn die Polizei kommt, geht's noch mal schlechter.
rubenstein055 26.11.2014
5. thja
kann mir bitte jemand sagen was das soll? Was sind 200000 Menschen von 8 Millionen? Eine sehr sehr kleine Gruppe von 2,5%... Und jetzt die Gewinnfrage: Sollen 3% ihren Willen über 97% durchsetzen? Ja, wenn es den Amerikanern passt! Super! In dem Nachbarndorf haben auch 30 Mann neben der Dorfkneipe demonstriert!
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