Demokratiebewegung Polizei in Hongkong setzt Tränengas gegen Regierungskritiker ein

Erneut ist es nach einem zunächst friedlichen Protestmarsch in Hongkong zu gewalttätigen Auseinandersetzungen gekommen. Die Polizei stürmte einen Park und nahm mehrere Menschen fest.
Die gewalttätigen Proteste halten an

Die gewalttätigen Proteste halten an

Foto: Vincent Yu/ dpa

In Hongkong ist es erneut zu gewalttätigen Auseinandersetzungen während eines Protestmarsches gekommen. Polizisten feuerten in der Stadt Tuen Mun Tränengas und Gummigeschosse auf kleine Gruppen gewaltbereiter Demonstranten. Zuvor hatten Demonstranten zwei Brandsätze auf die anrückende Bereitschaftspolizei geworfen.

Einige Regierungsgegner zündeten chinesische Flaggen an, andere errichteten Barrikaden. Viele Geschäfte schlossen, die Rollladen wurden heruntergelassen. Die Polizei nahm Augenzeugen zufolge mehrere Demonstranten fest.

Tausende hatten sich zu dem Protestmarsch versammelt, nachdem pro-chinesische Gruppen einige der sogenannten "Lennon-Walls" eingerissen hatten, eine Mosaikwand mit regierungskritischen Botschaften auf Post-it-Zetteln. Seit Wochen demonstrieren teils Zehntausende Menschen in Hongkong gegen den wachsenden Einfluss der chinesischen Regierung.

Aktivisten errichten Barrikaden

Die Demonstration in Tuen Mun nahe der Grenze zu Festlandchina hatte zunächst friedlich begonnen. Vor einem Regierungsgebäude riss eine kleine Gruppe von Demonstranten dann eine chinesische Fahne herunter und verbrannte sie. Die Spannungen nahmen schnell zu, nachdem ein Einsatzkommando der Polizei einen Park stürmte, in dem sich viele Demonstranten versammelt hatten. Es gab eine Reihe von Festnahmen.

Daraufhin errichteten Hunderte Aktivisten Barrikaden und rissen Zäune nieder, um sich mit selbstgemachten Schlagstöcken auszurüsten. Gegenstände wurden auf nahegelegene Bahnschienen geworfen. Als die Polizei Tränengas einsetzte und Gummigeschosse abfeuerte, zogen sich die Demonstranten schnell zurück. Am Abend kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen kleine Gruppen von Demonstranten und Polizisten.

Unruhen dauern seit mehr als drei Monaten an

Die seit mehr als drei Monaten andauernden Proteste in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hongkong hatten sich anfangs gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an Festland-China vorsah. Unter dem Druck der Demonstranten zog die Hongkonger Regierung das Gesetz komplett zurück.

Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die pekingtreue Führung in Hongkong und die Beschneidung der Bürgerrechte. Die Demonstranten fordern den Rücktritt der Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam, eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt, eine Amnestie für die Festgenommenen sowie freie Wahlen.

Proteste schaden der Wirtschaft

Die Wirtschaft der chinesischen Sonderverwaltungsregion leidet unter dem Konflikt. "Die anhaltenden Unruhen haben spürbare Auswirkungen auf das gesamte Vertrauen der Geschäftsleute in Hongkong", sagte der Chefrepräsentant der deutschen Industrie- und Handelskammer (AHK) in Hongkong, Wolfgang Niedermark, der Nachrichtenagentur dpa.

Er verwies auf die jüngste Herabstufung der Kreditwürdigkeit des asiatischen Wirtschafts- und Finanzzentrums durch die internationalen Ratingagenturen Fitch und Moody's, die auch einen "negativen" Ausblick für Hongkong gaben.

Als Drehscheibe in der Asien-Pazifik-Region hänge Hongkong für Tourismus, Handel und Logistik stark von einer verlässlichen Flughafeninfrastruktur ab, sagte Niedermark. Die Proteste und Störungen des Flughafens durch Demonstranten hätten zu "historisch niedrigen Besucherzahlen über den Sommer geführt und den Status Hongkongs als sicheres Ziel für Geschäftsreisen beeinträchtigt".

brt/AFP/Reuters/dpa
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