Proteste in Hongkong Demonstranten versuchen Regierungsgebäude zu stürmen

Vor genau 22 Jahren wurde Hongkong wieder an China übergeben. Auf den Straßen liefern sich Demonstranten Auseinandersetzungen mit der Polizei, einige wollen in das Gebäude des Legislativrats eindringen.

Anthony Kwan/ Getty Images

Begleitet von Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten haben in Hongkong die Feierlichkeiten zum 22. Jahrestag der Rückgabe der ehemaligen britischen Kronkolonie an China begonnen. Polizisten setzten am Montagmorgen Schlagstöcke und Pfefferspray gegen Demonstranten ein, die damit begonnen hatten, Straßen im Regierungsviertel zu besetzen. Tausende Menschen versammelten sich, um gegen die jährliche Fahnenzeremonie zu demonstrieren.

Einige Demonstranten versuchten Medienberichten zufolge den Legislativrat zu stürmen. Die hätten Fensterscheiben des Regierungsgebäudes zerstört, hieß es. Die Polizei habe mit Pfefferspray reagiert.

Anders als sonst üblich verfolgten Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam und geladene Gäste die Zeremonie nicht im Freien, sondern auf einem Bildschirm in einem nahe gelegenen Kongresszentrum. Das wurde mit schlechtem Wetter begründet.

Am Nachmittag ist zum Jahrestag der Rückgabe des Gebietes an China eine große Demonstration in Hongkong geplant. Der jährliche Protestmarsch dürfte wegen der ohnehin aufgeheizten Stimmung in der Stadt in diesem Jahr besonders groß ausfallen.

In den vergangenen Wochen erlebte Hongkong wegen eines umstrittenen Gesetzes für Auslieferungen an China die größten Proteste seit drei Jahrzehnten. Bis zu zwei Millionen Menschen gingen auf die Straße, um gegen die Politik der Regierungschefin zu protestieren.

Das Auslieferungsgesetz würde es Hongkongs Behörden erlauben, von China beschuldigte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Kritiker warnen, Chinas Justiz sei nicht unabhängig und diene der politischen Verfolgung. Auch drohten Folter und Misshandlungen.

Lam hatte das Auslieferungsgesetz nach den Protesten in der Bevölkerung zwar auf Eis gelegt. Die Demonstranten wollen aber weiter protestieren, bis das Gesetz offiziell zurückgenommen wird, inhaftierte Mitglieder der Protestbewegung freikommen und Polizisten bestraft werden, die gewaltsam gegen Demonstranten vorgegangen sind.

In Hongkong stehen sich am Montag erneut Polizisten und Demonstranten gegenüber
Anthony Kwan/ Getty Images

In Hongkong stehen sich am Montag erneut Polizisten und Demonstranten gegenüber

Am 1. Juli 1997 hatte Großbritannien seine Kronkolonie Hongkong an China zurückgegeben. Eigentlich stehen den Hongkongern laut Rückgabevertrag bis 2047 mehr Freiheiten zu als Chinesen in der Volksrepublik. Doch immer mehr Hongkonger fühlen, dass Peking schon jetzt ihre Rechte beschneidet.

aar/kev/dpa/AFP/Reuters

insgesamt 10 Beiträge
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AngelsAdvocate 01.07.2019
1. Es geht auch um unsere Zukunft
Die Menschen kämpfen auf Hongkongs Straßen heute nicht nur um ihre eigene sondern auch um unsere Zukunft in Freiheit. Die chinesische Führung hält unsere auf Rechtsstaatlichkeit beruhende Demokratie für überholt und ihre totalitäre Parteidiktatur für das System der Zukunft. Diesen Kampf dürfen wir nicht verlieren. Dass das am Ende wichtiger ist als ein paar verkaufte deutsche Autos mehr oder weniger, müssen endlich auch unsere Politiker verstehen.
Masomenos 01.07.2019
2. Wir können helfen und solidarisch zeigen,
indem wir alle Waren aus China boykottieren. Allerdings wird das etwas schwer, da fast alle technischen Geräte mittlerweile aus dem Land kommen. Es gibt z.B. meines Wissens kaum noch einen Computer, der nicht in China hergestellt wird. Und auf unseren geliebten Konsum wollen gerade wir in Deuschland nicht verzichten. Also wird sich politisch gar nichts ändern in China und deren Polizei wird weiter auf Demostranten einprügeln. Das ist einer der Preise, den wir für die Globalisierung zahlen und mit zu verantworten haben.
raoul2 01.07.2019
3. Sie lernen's nicht
Die von China eingesetzten Statthalter in Hongkong können (dürfen?) mit Protesten nicht umgehen.
J-B.N. 01.07.2019
4. Honkong
hat zwar einen Sonderstatus ist aber faktisch chinesisches Staatsgebiet und das verdrängen die Demonstranten zur Zeit leichtsinnigerweise. Ich bin mal gespannt wie lange Peking sich das noch so einfach gefallen lässt.
claus7447 01.07.2019
5. Die Entwicklung war zu sehen....
Es war der Zufall, der mich exakt vor 22 Jahren nach Hongkong brachte. Nicht vergessen wie gespenstisch es war, als Punkt Mitternacht endlose militärische Truppen, mit LKWs, Panzern die Grenze überquerten. China begann sofort mit der heimlichen Integration. Zuerst wurde in Shanghai/Pudong eine Parallelwelt zu Hongkong eingerichtet. Der Handel läuft mittlerweile in grossen Bereichen dort drüber. Jetzt wird Hongkong Stück für Stück einverleibt. So traurig es klingt, es ist unumkehrbar. Die Frage ist, wann folgt Macao. Nur dort sprudeln die Spielbankeinnahmen....
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