Barrikaden bei Demonstration Protestierende belagern Hongkonger Flughafen

Einsatzkräfte gingen in Hongkong mit Schlagstöcken und Reizgas gegen die Demonstranten vor. Nach dem Gewaltausbruch am Samstag haben sich erneut zahlreiche Menschen versammelt - und belagern den Flughafen.

Kin Cheung/ AP

Barrikaden aus Gepäckwagen, herausgerissene Steine: Nach den schweren Ausschreitungen in Hongkong haben sich erneut zahlreiche Demonstranten am Flughafen von Hongkong versammelt. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet von Tausenden, die Nachrichtenagentur AFP von Hunderten Protestierenden, die sich versammelt hätten.

Der Zugservice zu dem internationalen Drehkreuz wurde durch die Proteste von Hongkong in beide Richtungen ausgesetzt. Reisende, die noch mit Bussen ankamen, wurden weit außerhalb des Flughafens abgesetzt und mussten mit ihrem Gepäck den restlichen Weg zum Terminal laufen. Auch die Zubringerstraßen waren verstopft.

Spezialkräfte rücken an, Demonstranten ziehen ab

Ein Großaufgebot verriegelte die Zugänge zum Flughafen. Nur Reisende mit Flugscheinen und Ausweisen wurden eingelassen. Als Verstärkung in Form von Spezialkräften eintraf, zogen die Demonstranten wieder ab.

Die "South China Morning Post" berichtet in ihrem Liveblog zudem von Straßensperren, die die Demonstranten errichtet hätten - sowie der Gefahr verspäteter Flüge. Mehrere Hundert Aktivisten, darunter viele mit Atemschutzmasken und Brillen gegen Tränengas, bewegten sich zu Fuß in Richtung der drei Kilometer entfernt gelegenen nächsten U-Bahnstation Tung Chung.

Auf einem von "Hongkong Free Press" verbreiteten Video ist zu sehen, wie Sicherheitskräfte auch in einer Halle des Flughafens hinter mutmaßlichen Demonstranten hinterherjagen. Im Inneren des Terminals hatte nach Plan nicht demonstriert werden sollen, sondern auf den Zugangsstraßen. Zudem gibt es Berichte, wonach eine Bahnstation von Protestierenden demoliert worden sein soll.

Video: "Nicht abzusehen, wie das hier endet"

DER SPIEGEL

Seit drei Monaten kommt es in der chinesischen Sonderverwaltungszone immer wieder zu Massendemonstrationen, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten.

Viele Menschen fürchten einen steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong und eine Beschneidung ihrer Freiheitsrechte. Auch fordern sie eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten. Erst am Freitag war der durch die "Regenschirm-Bewegung" bekannt gewordene Aktivist Joshua Wong erneut festgenommen. China drohte Hongkong mit einem Militäreinsatz.

Pfefferspray gegen Demonstranten in einem Zug: Steigender Einfluss Chinas befürchtet
Ring Yu/HK01/dpa

Pfefferspray gegen Demonstranten in einem Zug: Steigender Einfluss Chinas befürchtet

Schon vor drei Wochen hatten Aktivisten den Flughafen belagert, sodass der Flugbetrieb an zwei Tagen vorübergehend gestoppt werden musste. Am Samstag war es in Hongkong zu schweren Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Demonstranten gekommen, die bis in den späten Abend andauerten. Vor einem Polizeirevier setzten Protestierende offenbar eine Barrikade in Brand. Für Montag, den ersten Schultag in Hongkong, ist ein Schülerstreik geplant.

Lesen Sie hier: Eindrücke aus der Stadt nach der verbotenen Demonstration.

Gegen Demonstrationen auf dem Flughafengelände haben Behörden eine einstweilige Verfügung erlassen. Die Polizei riegelte Zugänge mit hohen Zäunen ab. Eine Flughafenmitarbeiterin gab die Verfügung per Lautsprecher durch.

apr/dpa/AFP

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kraftmeier2000 01.09.2019
1. Warum
eigentlich hält sich China nicht an die Verträge die Sie selber zur Übergabe unterschrieben haben? Was für eine Angst muss bei den oberen meist Korrupten Politikerkaste herrschen, um gegebenenfalls zur Gewalt zu greifen. Anstatt Ihre Marionette abzuziehen und somit wohl für Ruhe sorgen könnte, packt man mal wieder die Waffen aus, um das Eigene Volk zu drangsalieren, und wenn nötig wie schon einmal ein Massaker anzurichten. Und mit solchem Pack muss man sich dann auch noch abgeben. Pfui Teufel.
In Kognito 01.09.2019
2. Warum sollte sich China an Verträge halten?
Zitat von kraftmeier2000eigentlich hält sich China nicht an die Verträge die Sie selber zur Übergabe unterschrieben haben? Was für eine Angst muss bei den oberen meist Korrupten Politikerkaste herrschen, um gegebenenfalls zur Gewalt zu greifen. Anstatt Ihre Marionette abzuziehen und somit wohl für Ruhe sorgen könnte, packt man mal wieder die Waffen aus, um das Eigene Volk zu drangsalieren, und wenn nötig wie schon einmal ein Massaker anzurichten. Und mit solchem Pack muss man sich dann auch noch abgeben. Pfui Teufel.
Die USA und EU machen doch vor, dass sich dort niemand an Verträge hält, außer sie nutzen einem selber, NUR dann wird darauf gepocht. Mit der dortigen Gewalt und Lähmung der Gesellschaft haben sich die "Aktivisten" selbst außerhalb demokratischer Spielregeln begeben und liefern China den Vorwand, für "Ruhe und Ordnung" zu sorgen, als "Kampf gegen den Terror". Ist so, mit der (Doppel-) "Moral" der "Demokratien".
mierst01 01.09.2019
3. Ich finde es wunderbar,
wie detailliert sie über die Proteste in Hongkong und Moskau berichten oder berichtet haben, und die dazugehörigen massenweise Junilistenkommentare. Wie sieht es mit der detaillierten Berichterstattung zu den tagelangen massive Proteste in Honduras und Brasilien gegen die Regierungen aus. Bekomme ich auch von ihnen als grosse Medienanstalt solche Berichterstattungen. Bis jetzt habe ich noch keine gleichwertige Berichterstattung bekommen,obwohl dort ,was in Mittel- und Südamerika geschieht,auch sehr wichtige und detaillierten Meldungen wert sind. Mich wundert es sehr oder auch nicht.
ackermart 01.09.2019
4. In Hongkong kulminiert derzeit der Widerpruch ...
, kapitalistische Realität virtuell "kommunistisch" erscheinen machen zu wollen, im geistigen "EINER" - der Demokratie. Wie im alten Rom ist derweil zu realisieren, dass der Römer demokratische Idee auch nur alternierend diktatorisch beherrschbar zu machen ist.
lspring 01.09.2019
5. Die korrupten Politikerkasten
Zitat von kraftmeier2000eigentlich hält sich China nicht an die Verträge die Sie selber zur Übergabe unterschrieben haben? Was für eine Angst muss bei den oberen meist Korrupten Politikerkaste herrschen, um gegebenenfalls zur Gewalt zu greifen. Anstatt Ihre Marionette abzuziehen und somit wohl für Ruhe sorgen könnte, packt man mal wieder die Waffen aus, um das Eigene Volk zu drangsalieren, und wenn nötig wie schon einmal ein Massaker anzurichten. Und mit solchem Pack muss man sich dann auch noch abgeben. Pfui Teufel.
Glauben Sie wirklich, die Politikerkaste von Hongkong sei weniger korrupt als diejenige ihres Mutterlandes? Korruption in Hongkong hat nur einen anderen Namen: Connection. Kommt aber aufs Gleiche raus.
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