Neue Gewalt in Hongkong Polizei setzt Wasserwerfer gegen Demonstranten ein

Die Auseinandersetzungen in Hongkong haben sich erneut verschärft: Sicherheitskräfte beschossen Demonstranten auch mit Wasserwerfern.

Ein Polizeieinsatzwagen mit Wasserkanone entfernt eine Straßenbarrikade der Demonstranten
Jerome Favre/ EPA-EFE/ REX

Ein Polizeieinsatzwagen mit Wasserkanone entfernt eine Straßenbarrikade der Demonstranten


Die Polizei in Hongkong geht mit Wasserwerfern und Tränengas gegen neue Proteste Zehntausender Menschen vor. Obwohl die Behörden wieder öffentliche Nahverkehrsverbindungen kappten, versammelten sich Demonstranten am Sonntag bei strömendem Regen in der Nähe des Container-Hafens und liefen mit Regenschirmen durch die Straßen.

Die Behörden stoppten den Protestzug, lösten ihn aber anders als angedroht zunächst nicht auf, wie Fernsehbilder zeigten. Der Protest verlief größtenteils friedlich, es kam aber dennoch zu mehreren Auseinandersetzungen.

Einige Demonstranten verbarrikadierten sich und bewarfen die Polizei mit Molotow-Cocktails und Steinen. Mit Reinigungsmittel versuchten sie, auch die Straßen schlüpfriger zu machen, um das Vorrücken der Polizei zu erschweren. Die Beamten setzten Tränengas und Wasserwerfer ein. "In Tsuen Wan gibt es derzeit einen urbanen Krieg. Tränengas, Gummigeschosse, Benzinbomben, Ziegel und mehr", beschrieb ein Beobachter auf Twitter die Auseinandersetzung.

"Einige radikale Demonstranten haben Geländer entfernt und Barrikaden mit wassergefüllten Barrieren, Bambusstäben, Kegeln und anderen Gegenständen errichtet", hieß es hingegen in einer Stellungnahme der Polizei.

Schon bei den Protesten am Samstag hatte die Polizei Tränengas eingesetzt, um die Versammlung aufzulösen. Zudem wurden 29 Menschen festgenommen. Seit Beginn der Proteste im Juni sind mindestens 700 Aktivisten und Demonstranten festgesetzt worden. Am Sonntag berichtete ein Beobachter des Bezirksrats, dass ein Polizist mit seiner Waffe in die Luft geschossen habe, nachdem ihn mehrere Protestler umringt hätten.

In Hongkong demonstrieren seit Wochen Hunderttausende Menschen. Sie fürchten eine Beschneidung ihrer Rechte durch China und werfen Regierungschefin Carrie Lam eine zu große Nähe zur kommunistischen Regierung in Peking vor. Die frühere britische Kronkolonie Hongkong ist seit 1997 eine chinesische Sonderverwaltungszone, deren Einwohner größere persönliche Freiheiten genießen als in der Volksrepublik.

"Wir wissen, dass es die letzte Chance ist, um 'ein Land, zwei Systeme' zu bekämpfen", sagte M. Sung, ein 53-jähriger Entwickler aus Hongkong der Nachrichtenagentur Reuters bei dem Protest am Sonntag. "Andernfalls wird die Kommunistische Partei Chinas unsere Stadt durchdringen und die Kontrolle übernehmen."

sop/jap/dpa/AFP/Reuters



insgesamt 14 Beiträge
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KMtheo 25.08.2019
1. Hongkong bräuchte mehr Unterstützung aus dem Westen
Obwohl Hongkong zugesichert worden war, ab 50 Jahre lang die freiheitlichen, westlichen Rechte weiter genießen zu können ("ein Staat - zwei Systemen"), schert sich Peking inzwischen nicht mehr um Verträge und Zusagen. Das Recht in Hongkong wird immer wieder untergraben (Anwälte werden nicht zu Gefangenen gelassen, unliebsame Buchhändler werden entführt). Fluggesellschaften werden gezwungen, Personen zu entlassen, die sich in Peking unbeliebt gemacht haben. Es kann kein Zweifel bestehen, wer dahinter steckt. Die Krake der Diktatur unterwandert die Stadt mehr und mehr; gut verständlich, dass Demonstranten versuchen sich dagegen zu wehren. Es geht nicht einfach um den Einfluss Chinas, sondern die Krakenarme der diktatorischen Willkür, die sich nach Hongkong ausbreiten und die Freiheiten versuchen auszuhöhlen. Hoffen wir, dass sie sich wenigstens für eine gewisse Zeit (und sei es auch aus wirtschaftlichen Gründen) wieder zurückziehen.
peteftw 25.08.2019
2. ...
#1 Was genau hat China getan dass den Status quo ändern sollte? Es ist anderes herum, der VR China ist es am liebsten dass es keine Änderung gibt, da HK 2047 sowieso eingegliedert wird. Der Gesetzentwurf zum Auslieferungsabkommen war doch ein Witz. Kaum einer hat den Inhalt wirklich verstanden. Es ging darum, Kriminelle die.sich nach HK absetzen ihrer gerechten Strafe zuzuführen, es geht um Mörder, Vergewaltiger, etc. Die Auslieferung hätte nur gegolten für Verbrechen die in der VR China UND HK strafbar sind und zu mehr als 7 Jahren Gefängnis führen...
tomrobert 25.08.2019
3. China muss ein Beispiel geben und reden!
Wenn China sich öffnet und human agiert, ist Trump ganz schnell Geschichte! Das würde der EU sicher die Möglichkeit geben mit Trump auf der Seite Chinas anders zu verfahren. Solange die EU aber nicht weiß mit wem sie mit China zu tun hat, wird sie sich immer in der Mitte bewegen.
jana45 25.08.2019
4. einige radikale Gewalttäter machen die Demokratiebewegung kaputt
Mit ihrer Gewalt rechtfertigen sie die Gewalt der Polizei und sogar ein Eingreifen Chinas. Dies kann leicht auch die größtenteils friedliche Demokratiebewegung insgesamt gefährden und unglaubwürdig machen.
rgw_ch 25.08.2019
5. Eskalation mit Wasserwerfern
Bei europäischen Demos gelten Wasserwerfer als eher mildes Mittel, über das man selten viele Worte verliert, insbesondere im Vergleich mit Tränengas und Hartgummigeschossen. In Hongkong dagegen bedeuten Wasserwerfer eine Eskalation der Polizeigewalt. Warum ist das so? Wo ist mein Denkfehler`
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