Sicherheitsbedenken U-Bahnverkehr in Hongkong eingestellt

In Hongkong fahren derzeit weder Busse noch Bahnen, betroffen ist auch die Verbindung zum Flughafen, wegen Sicherheitsbedenken, wie es heißt. Bei Protesten gegen die Regierung soll erneut ein Mensch angeschossen worden sein.

Demonstranten randalieren Anfang Oktober im Eingangsbereich einer Hongkonger U-Bahnstation
Kin Cheung/ DPA

Demonstranten randalieren Anfang Oktober im Eingangsbereich einer Hongkonger U-Bahnstation


In Hongkong wird am Samstag angesichts der teils gewaltsamen Massenproteste der U-Bahnverkehr vorläufig eingestellt. Die Bahnen und Busse in der chinesischen Sonderverwaltungszone würden ab dem Morgen nicht fahren, erklärte der Betreiber. Betroffen sei auch die Verbindung zum Flughafen. Im Verlauf des Tages werde über die Fortdauer der Maßnahme entschieden. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, dass der U-Bahnverkehr schon Freitagabend gestoppt wurde.

Bei Zusammenstößen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften waren mehrfach U-Bahnstationen verwüstet worden. Bevor Mitarbeiter des Verkehrsbetriebs zu Reparaturarbeiten ausrücken könnten, müsse deren Sicherheit gewährleistet sein, begründete der Betreiber die Entscheidung.

Am Samstag sollen zudem zahlreiche Einkaufszentren geschlossen bleiben, außerdem Geschäfte und Banken, die Beziehungen zu China haben.

Medienbericht: Demonstrant angeschossen

Bei den Massenprotesten soll außerdem erneut ein Demonstrant angeschossen worden sein. Im nördlichen Stadtteil Yuen Long sei ein 14-Jähriger durch einen Schuss verletzt worden, berichtete die "South China Morning Post" unter Berufung auf Ärzte.

Die Polizei teilte mit, dass ein Polizist im selben Viertel einen Schuss abgegeben habe. Demonstranten hätten eine Benzinbombe gezündet und auf den am Boden liegenden Beamten eingeschlagen. Daraufhin habe er geschossen, um sich zu verteidigen. Ob der Vorfall im Zusammenhang mit der Verletzung des 14-Jährigen steht, war zunächst jedoch unklar.

Video: Proteste am 70. Jahrestag der Volksrepublik China

Vincent Thian/AP/dpa

In Hongkong gibt es seit Monaten Massenproteste gegen die wachsende Einflussnahme der Regierung in Peking und die Beschneidung der Bürgerrechte. Die Demonstrationen hatten sich anfänglich gegen ein geplantes Gesetz gerichtet, das Überstellungen von Verdächtigen an China vorsah. Mittlerweile richten sich die Proteste aber generell gegen die prochinesische Führung in Hongkong und die Einschränkung der Demokratie.

Für dieses Wochenende waren eigentlich kaum Proteste geplant. Dann wurde jedoch überraschend ein Vermummungsverbot verhängt - mit Rückgriff auf ein altes koloniales Notstandsgesetz, das Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam noch weiter reichende Vollmachten gibt. Dadurch wurden die Spannungen wieder verschärft.

aar/Reuters/AFP/dpa

insgesamt 8 Beiträge
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jjcamera 05.10.2019
1. Tragisch
Die Bilder, die man auf BBC sieht, sprechen eine andere Sprache: die "friedlichen Proteste" gegen ein Auslieferungsgesetz, das inzwischen zurückgenommen wurde, sind längst in eine Spirale von Gewalt und Gegengewalt ausgeufert, die die eigentlichen Ziele der Demonstranten in den Hintergrund gedrängt hat. Jede Seite gibt der anderen Seite die Schuld an der Eskalation. Gut und Böse lässt sich nicht mehr trennen. Verhandlungen, Verständigung und Mäßigung sind nicht in Sichtweite oder vielleicht von beiden Seiten gar nicht mehr gewollt. Wir alle wissen, wie so etwas endet. Tragisch.
SkeptischerLeser 05.10.2019
2. Korrektur - die Busse fahren
Die MTR ist zu. Viele Stationen sind beschädigt. Auf der noch gar nicht geöffneten Station in Kowloon City (Sung Wong Toi Station, Nam Kok Rd. Exit) sind fast alle Scheiben zerschlagen. Busse fahren da wo es geht ganz normal. Das kann man auf diversen webcams beobachten. http://traffic.td.gov.hk/LiveProcessor.do
fiegepilz 05.10.2019
3.
es wäre zu begrüßen wenn der spiegel nicht einfach die regierungsmitglinie nachplappern würde. die sicherheitsbedenken sind doch offenbar nur ein vorwand die proteste zu behindern
MisterD 05.10.2019
4. Nunja...
es ist mehr als höhnisch zu sagen, dass sich Gut und Böse nicht trennen lassen. Hongkong kämpft längst nicht mehr um dieses Gesetz, sondern für die Garantie, dass man seine Freiheiten auch über die nächsten Jahre hinaus behalten kann. Da ist es natürlich leicht von der Couch in einem der freiesten Länder der Welt zu behaupten, die Demonstranten wären ganz ganz pöhse...
klj1 05.10.2019
5. Zu Kommentar 1
Als jemand der vor Ort ist kann ich nur zustimmen: die Bewegung hat gute Gründe auf die Straße zu gehen, friedlich so wie am Beginn im Juni. Mittlerweile hat jedoch alles in blinden Hass umgeschlagen. Die MTR ist geschlossen da viele Stationen in den letzten Tagen komplett zerstört wurden. Genauso wie Geschäfte mit Verbindungen nach China. Die Konfrontation mit der Polizei wird aggressiv gesucht... für mehr Informationen sei die South China Morning Post empfohlen, die momentan wohl neutralste Quelle mit vielen Hintergrundinformationen dazu was HK bewegt.
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