Hongkong-Wahl "Wir sind bereit für die Demokratie"

Peking will in Hongkong keine echte Demokratie, wie sich bei den manipulierten Wahlen zum "Chief Executive" zeigt. Doch der aussichtslose Kandidat der Opposition gibt sich im Interview mit SPIEGEL ONLINE dennoch kämpferisch.


SPIEGEL ONLINE: Ihre Chancen zu gewinnen sind gleich Null. Warum treten Sie trotzdem an?

Leong: Es geht mir nicht um den Posten. Es geht mir vielmehr darum, ein System zu schaffen, das den Hongkongern ermöglicht zu entscheiden, wer ihn bekommen soll. Wir erwarten nicht, eine solche manipulierte Sache zu gewinnen, aber wir haben den Weg dafür geebnet, das nächste Mal bei freien Wahlen zu siegen.

Kandidat Leong: "Es ist Zeit, dass die Hongkonger ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen"
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Kandidat Leong: "Es ist Zeit, dass die Hongkonger ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen"

SPIEGEL ONLINE: Wie hat Peking auf Ihre Kandidatur reagiert?

Leong: Peking sollte den positiven Effekt anerkennen, den meine Kandidatur auf die Wahlkultur in Hongkong gehabt hat. Als pragmatische, rationale und professionelle Politiker sollte die Pekinger Führung erkannt haben, wie wichtig eine faire und offene Debatte ist und dass sie zum Erfolg des "Ein Land-Zwei Systeme"-Prinzips beiträgt. Diese Verfassungsregel ist Hongkong im Grundgesetz versprochen worden.

SPIEGEL ONLINE: Kritiker werfen Ihnen vor, mit Ihrer Kandidatur nur eine politische Farce zu unterstützen. Was sagen Sie dazu?

Leong: Es ist Zeit, dass die Hongkonger ihre Zukunft in die eigenen Hände nehmen und für die kommende Generation eine bessere Gesellschaft errichten. Im Vergleich zu Donald Tsang, seit 40 Jahren Bürokrat, habe ich neue Werte und neue Ansätze in der Regierung versprochen. Wichtiger noch: Ich habe den Bürgern meine Visionen für Hongkong vorgestellt. Ich will eine bessere Umwelt und Stadtplanung. Ich bin für faire Marktwirtschaft anstatt der Privilegien für Spezis. Ich will die Armut bekämpfen. Ich bin fest entschlossen dazu beizutragen, dass diese Wahl des Chief Executive in der Hongkonger Geschichte die letzte im kleinen Kreis ist. Wenn wir das nicht versuchen, werden wir nie wissen, was wir erreichen können.

SPIEGEL ONLINE: Wann werden die Hongkonger ihren Regierungschef frei wählen können?

Leong: Wir, die Bürger Hongkongs, sind absolut bereit für volle Demokratie. Die Wahl in diesem Jahr mit mir als Gegenkandidaten beweist Peking, das es sich nicht vor allgemeinen Wahlen fürchten muss. In den nächsten fünf Jahren haben wir ausreichend Zeit, uns auf allgemeine Wahlen der Exekutive und der Legislative in Hongkongs Regierung im Jahr 2012 vorzubereiten.

Das Interview führte Andreas Lorenz



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