Hongkong Tausende Menschen demonstrieren gegen Auslieferungsgesetz

Sie fürchten, ihre Freiheit könnte eingeschränkt werden: Tausende haben in Hongkong gegen die Pläne der Regierung protestiert, dass die Justiz Verdächtige künftig an China ausliefern darf.

Wieder mit gelben Regenschirmen: So protestierten Tausende Hongkonger am Sonntag. Es waren die größten Demos seit Langem.
Anthony WALLACE/ AFP

Wieder mit gelben Regenschirmen: So protestierten Tausende Hongkonger am Sonntag. Es waren die größten Demos seit Langem.


Es waren die größten Proteste seit Langem: In Hongkong sind Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Sie protestierten gegen die Pläne der Regierung der chinesischen Sonderverwaltungszone, Verdächtige nach China auszuliefern. Auch an den jüngsten Urteilen gegen prodemokratische Aktivisten entzündete sich die Kritik der Demonstranten.

"Wir können der nächsten Generation sagen, dass wir vielleicht nicht bekommen, was wir wollen", sagte eine 20-jährige Studentin, die am Protestmarsch teilnahm, "aber immerhin haben wir Widerstand geleistet". Nach Polizeiangaben nahmen 22.000 Menschen an der Demonstration teil - die höchste offizielle Zahl seit den Protesten im Jahr 2014. Die Veranstalter sprachen sogar von mehr als 130.000 Teilnehmern.

Viele Menschen trugen gelbe Regenschirme als Symbol des Widerstands. Sie zeigten sich solidarisch mit den Anführern der "Regenschirm"-Bewegung, die am Mittwoch zu Haftstrafen von bis zu 16 Monaten verurteilt worden waren. 2014 hatten Zehntausende mehr Demokratie und freie Wahlen in Hongkong gefordert.

Haftstrafen für vier prominente Vertreter der Regenschirm-Bewegung

Einige Demonstranten waren in Uniformen erschienen, wie sie die Polizei in China trägt. "Präsident Xi Jinping, keine legalisierte Entführung Hongkonger Bürger nach China", stand auf einem Plakat. In Sprechchören forderten die Demonstranten den Rücktritt der Peking-freundlichen Verwaltungschefin Carrie Lam.

Hongkonger Gericht verurteilte mehrere Anführer der "Regenschirm-Bewegung"
Kin Cheung/AP/dpa

Hongkonger Gericht verurteilte mehrere Anführer der "Regenschirm-Bewegung"

Gegen die Pläne der Regierung gibt es bereits seit längerem Proteste. Bisher hatte Hongkong von Auslieferungen aufs Festland Abstand genommen, weil das Justizsystem dort wenig transparent und die Verhängung der Todesstrafe weit verbreitet ist. Anfang des Jahres hatte die Stadtregierung jedoch angekündigt, künftig Auslieferungen nach Festlandchina, Macau und Taiwan zu erlauben.

Unternehmer fürchten um Image der Stadt als Finanzzentrum

Hongkongs früherer britischer Generalgouverneur sagte, Gesellschaften, die an den Rechtsstaat glaubten, träfen keine solchen Abkommen mit denen, die das nicht täten. Unternehmer und Juristen in Hongkong fürchten, dass die Stadt ihre Position als internationales Finanzzentrum riskiert, wenn Anwohner eine Auslieferung an die chinesischen Behörden fürchten müssen.

Erst am Mittwoch waren vier prominente Vertreter der Regenschirm-Bewegung zu Haftstrafen von bis zu 16 Monaten verurteilt worden. Es sei nicht richtig, sie ins Gefängnis zu stecken, sagte eine 61-Jährige Demonstrantin, "das sind Professoren, hoch gebildete Menschen, die einen Beitrag zur Gesellschaft liefern."

Die frühere britische Kronkolonie Hongkong war 1997 an China zurückgeben worden. Unter der Formel "Ein Land, zwei Systeme" sagte Peking ihr für 50 Jahre weitreichende innere Autonomie zu. In Hongkong gelten daher Grundrechte, die den Bürgern der Volksrepublik vorenthalten werden, etwa Meinungs- und Pressefreiheit. Die Opposition wirft Peking jedoch vor, sich zunehmend in Hongkongs Angelegenheiten einzumischen und damit die Autonomievereinbarungen zu verletzen.

mst/AFP



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