Horror-Waisenhaus Irakischer Minister unterstellt US-Militär "böse Absichten"

Der irakische Sozialminister Radi überrascht mit bizarrer Logik: Er will die US-Soldaten vor Gericht bringen, die halbverhungerte Kinder aus einem Bagdader Horror-Waisenhaus gerettet haben. Der Vorwurf: Die Amerikaner würden sich als Befreier inszenieren.


Bagdad - "Schamlosigkeit" und "böse Absichten" warf Iraks Arbeits- und Sozialminister Mahmud Radi dem US-Militär nach Veröffentlichung der Fotos aus dem Horros-Waisenhaus in Bagdad vor. Amerikanische Soldaten hatten gemeinsam mit irakischem Militär vor knapp zwei Wochen völlig verwahrloste Kinder in einem Heim entdeckt und befreit: Die 24 Jungen waren bis auf die Knochen abgemagert, fast verhungert, nackt. An Gitterbetten gefesselt, lagen sie im eigenen Kot.

Gestern wurden die furchterregenden Bilder aus dem von der irakischen Regierung geführten Waisenhaus veröffentlicht. Während aber Iraks Premier Nuri al-Maliki die Bestrafung der Verantwortlichen angeordnet hat, empörte sich der für das Waisenhaus zuständige Minister Radi über das Vorgehen der Amerikaner: "Die US-Streitkräfte haben faktisch die Würde dieser Kinder verletzt." Mahmud Radi weiter: "Jene, die diese Durchsuchung durchgeführt haben, gehören vor Gericht gestellt."

Einziges Ziel der Soldaten sei es gewesen, sich als Befreier in ein günstiges Licht zu rücken, so der Schiit Radi, der von einer bevorstehenden Untersuchung sprach: "Die Geschichte, die von den US-Streitkräften manipuliert wurde, erfordert eine objektive Analyse, gegründet auf logische Argumentation und frei von den demagogisch geweckten Emotionen."

Über die grauenvollen Umständen, unter denen die Kinder im Waisenhaus lebten, ist kein Satz von Radi überliefert. Nach einem Bericht der "CBS News" war eines der 24 Kinder in einem besonders erbärmlichem Zustand: Ärzte hätten den Jungen zunächst für tot gehalten, weil "Tausende Fliegen seinen Körper bedeckten", so ein Militärsprecher. "Fliegen im Mund, auf den Augen, in Nase, Ohren, in den vom Schlafen auf dem Betonboden offenen Wunden."

Dem "CBS News"-Bericht zufolge wurden die Jungen seit mehr als einem Monat auf diese Weise festgehalten. "Ich habe Kinder gesehen, an denen buchstäblich jeder Knochen zu erkennen war, sie hatten keine Kraft, sich zu bewegen", sagte Sergeant Michael Beale.

Besonders dramatisch: Während die Kinder hungerten, soll in dem Waisenhaus sehr wohl gekocht worden sein. In der Küche entdeckten die Soldaten drei Erwachsene, die für sich selbst kochten. Die Küchenregale und Vorratsschränke waren dem Bericht zufolge voller Lebensmittel. Auch Kleidung, noch in Plastik verpackt, war vorhanden. Das Büro des Waisenhaus-Leiters war aufgeräumt und in bester Ordnung. Die Soldaten vermuten daher, dass die Nahrungsmittel und die Kleidung auf Märkten verkauft werden sollten.

Die 24 Waisenkinder sind unterdessen am Donnerstag in ein anderes Kinderheim gebracht worden. Die Jungen im Alter zwischen drei und 15 Jahren werden nach Informationen der Nachrichtenagentur AFP fortan im Bagdader Dar-el-Hanan-Waisenhaus betreut. Dort hätten sie auch Kleider erhalten.

sef/AFP/dpa



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