Chinesischer Konzern Nato-Generalsekretär Stoltenberg in Sorge wegen Huawei

Die Debatte über Huawei erreicht die Nato: Die USA warnen die Verbündeten, die Chinesen am Ausbau der 5G-Netze zu beteiligen. Im SPIEGEL bekräftigt Generalsekretär Stoltenberg die Bedenken.

Jens Stoltenberg: Kann die Sorgen in Washington nachvollziehen
Francisco Seco/AP

Jens Stoltenberg: Kann die Sorgen in Washington nachvollziehen

Von und , Brüssel


Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg fürchtet, die Sicherheit des Bündnisses könnte gefährdet werden, wenn der chinesische Ausrüster Huawei beim Aufbau von neuen Mobilfunknetzen zum Zug kommt.

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"Einige Nato-Mitgliedstaaten darunter die USA sehen es mit großer Sorge, wenn Huawei die Netze von Nato-Mitgliedern aufbaut und haben sich im Rahmen der Nato auch entsprechend geäußert. Wir nehmen diese Sorgen sehr ernst", sagte Stoltenberg dem SPIEGEL. (Lesen Sie hier das ganze Interview mit Jens Stoltenberg bei SPIEGEL+.)

Zwar könnten Mitgliedstaaten selbst entscheiden, an welche Firmen sie Aufträge für Investitionen vergeben und mit welchen Ländern sie Handel treiben, so Stoltenberg. "Wir weisen aber auch darauf hin, dass diese Entscheidungen Konsequenzen für unsere Sicherheit haben könnten." Die Nato habe sich daher auf Standards verständigt, "um eine sichere Telekommunikations- und Energie-Infrastruktur zu gewährleisten", sagte er weiter.

Huawei gehört zu den größten Anbietern der 5G-Mobilfunktechnik, die deutlich schnellere Datenübertragungsraten bringen soll, westliche Geheimdienste werfen dem Unternehmen jedoch eine große Nähe zur Regierung in Peking vor. Die USA setzen Deutschland und andere Länder daher unter Druck. Unter anderem wollen sie im Falle eines Zuschlags für den Netzausbau an Huawei den Austausch vertraulicher Geheimdienstinformationen oder militärischer Geheimnisse einschränken.

Auch in der Nato drängt die Frage des Umgangs mit China auf die Tagesordnung. "Wir müssen uns mit China auseinandersetzen, daran gibt es keinen Zweifel", sagt Stoltenberg. "China ist eine wachsende Wirtschafts- aber eben auch Militärmacht. Die Chinesen entwickeln Fähigkeiten, die sie weltweit einsetzen können, neue Waffensysteme, neue Raketen, sie sind nicht gebunden durch den INF-Vertrag." (Lesen Sie hier mehr zum INF-Vertrag über atomare Mittelstreckenraketen.)

Es gehe nicht darum, so Stoltenberg, die Nato in Richtung des südchinesischen Meers auszudehnen, im Gegenteil: "Die Chinesen rücken uns näher. Sie halten Marinemanöver im Mittelmeer ab, in der Ostsee und im hohen Norden."

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Seite 1
erzengel1987 29.03.2019
1. Übertriebene Warnung
Was soll denn schlimmes passieren? Für den Bürger ändert sich nichts. Nur dass jetzt dadurch die Chinesen noch bisschen besser abhören können. Also wo ist der Vorteil? Wenn Huawei günstiger ist sollen die es doch machen. Es gibt zudem kein Krieg mit den Chinesen. Also was soll die Aufregung. Besser wäre natürlich einen Europäischen Anbieter zu finden der das ganze System aufbaut.
discprojekt2 29.03.2019
2. Also,
Bisher hatte ich immer den Eindruck, dass die Nato (USA) immer Näher an andere Staaten "heranrueckt". (Osteuropa, Naher Osten usw.) Als die untergegangene Sowjetunion Näher an die USA "heranrueckte", nämlich auf Cuba, war das Geschrei, zu Recht, gross.
joenzon 29.03.2019
3. Wir lassen
uns grundsätzlich nur von unserm NATO Partner USA abhören, wo kämen wir denn hin wenn das jetzt auch noch China könnte
Karelia 29.03.2019
4. USA- Lautsprecher Stoltenberg
Falls Stoltenberg besorgt ist, ist das seine Sache. Wenn er diese Besorgnis aber als USA-Interessenvertreter offiziell in seiner Funktion innerhalb der Nato (Sekretär) äußert, sieht die Sache anders aus. Das sieht nach Auftragsarbeit aus. Natürlich hätten die amerikaner lieber hauptsächlich US Unternehmen am Start für den G5 Aufbau in Europa, die Firma CISCO zum Beispiel. Die können dann in geübter Zusammenarbeit mit CIA und NSA ihre Kill-Switches installieren und für geordneten Informationsabfluß nach den USA sorgen. Merke: Es müssen mehrere Anbieter in Rennen, um einseitige Interessenlagen von Nicht-Europäern auszugleichen. Laßt Huawei ruhig mitmachen! Den USA geht es nie um Sicherheitsinteressen anderer, sondern ausschließlich um ihre eigenen. Und Gruß
schroedingers_katze 29.03.2019
5. Feindbilder
braucht die Nato. Früher wars die rote Gefahr, jetzt ist es eben die gelbe. Einen Feind muß es geben, wie sonst sollte dieser gigantische Aufwand gerechtfertigt werden?
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