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Clintons Vertraute Abedin: Das Genie im Hintergrund

Foto: Mark Wilson/ Getty Images

Huma Abedin Hillary Clintons Mädchen für alles wird zum Problem

Hillary Clinton kann den E-Mail-Skandal nicht abschütteln. Im Zentrum der Debatte steht ihre engste Beraterin Huma Abedin. Die schillernde Aufsteigerin wird plötzlich zum Risiko im Wahlkampf.

Vor einiger Zeit charakterisierte Huma Abedin ihre Rolle in politischen Kampagnen so: "Ich halte mich normalerweise hinten im Raum auf", sagte sie: "So weit weg von den Mikrofonen wie möglich." Mächtig, aber öffentlichkeitsscheu. Das war ihr Ruf.

Inzwischen steht sie deutlich mehr im Zentrum - unfreiwillig allerdings. Abedin, 41, ist nicht nur Hillary Clintons wichtigste Vertraute, sie ist auch die zentrale Figur in der E-Mail-Affäre der Präsidentschaftskandidatin. In der Kommunikation Clintons, die seit Monaten in die Öffentlichkeit tröpfelt, taucht Abedins Name immer wieder auf. Die Frage ist: Wie sauber wurden im Team der Demokratin während ihrer Zeit als Außenministerin private und geschäftliche Belange getrennt? Bei der Antwort spielt Abedin, auch schon damals Clintons rechte Hand, eine wichtige Rolle.

Dass sie im Rennen ums Weiße Haus noch einmal zum Problem werden könnte, hätte bei den Demokraten kaum jemand gedacht. Abedin genießt in der Partei einen exzellenten Ruf, gilt als gesetzt für den Posten der Stabschefin in einer möglichen Clinton-Administration. Loyal, zuverlässig, ein Organisationsgenie - so wird sie beschrieben.

In der grauen Beraterszene Washingtons fällt sie mit einer interessanten Biografie auf. Der Vater aus Indien, die Mutter aus Pakistan, geboren in Michigan, aufgewachsen in Saudi-Arabien, 1995 Studium in Washington DC, 1996 Praktikum in Hillary Clintons Büro im Weißen Haus.

Heikles Sonderkonstrukt

Von da an ging es bergauf: Referentin, stellvertretende Büroleiterin, Beraterin für Nahost-Fragen, jetzt Vizechefin der Präsidentschaftskampagne, zuständig für so ziemlich alles von Interviews über Termine bis zur Modeauswahl der Kandidatin. Privat hat Abedin turbulente Jahre hinter sich. Ihr Ehemann, der Ex-Kongressabgeordnete Anthony Weiner, stolperte über mehrere schlüpfrige Twitter-Affären. Abedin hält bis heute zu ihm.

"Niemand - außer vielleicht Bill - ist näher dran an Hillary", sagt einer, der sie gut kennt. Diese Nähe wird jetzt Thema. Clintons Kritiker arbeiten sich an ihrer früheren Rolle im Außenministerium ab. Im Kern geht es dabei um ein heikles Sonderkonstrukt, das Abedin im Jahr 2012 erlaubte, parallel für Clinton im Ministerium und für die "Clinton Foundation" zu arbeiten, die Stiftung von Ehemann Bill. Normalerweise werden die so genannten "besonderen Regierungsmitarbeiter" von außen engagiert. Bei Abedin funktionierte es ausnahmsweise genau anders herum. Sie wurde gewissermaßen nach außen verliehen - unter anderem an die familieneigene Institution.

Die Doppelbeschäftigung ist deshalb problematisch, weil die Präsidentschaftskandidatin im Verdacht steht, Spender der "Clinton Foundation" besonders gerne im Außenamt empfangen zu haben. Abedin, so glauben die Republikaner, sei damals das Scharnier gewesen, um die Termine zwischen Clinton und den Geldgebern zu arrangieren. Erwiesen ist das bislang nicht, aber allein die Tatsache des Sonderkonstrukts für Abedin wirft Fragen nach dem politischen Gespür von Clinton und ihrer Vertrauten auf.

"Guter Freund von uns"

Die jüngst neu veröffentlichten E-Mails verdeutlichen, wie sehr Abedin den Zugang zu ihrer Chefin überwachte und wie sehr sie sich schon vor 2012 für namhafte Spender der Stiftung von Clintons Ehemann Bill einsetzte. Im Juni 2009 versuchte etwa der Kronprinz von Bahrain über offizielle Kanäle einen Termin mit der Außenministerin zu bekommen. Vergeblich. Er wandte sich an Doug Band, damals einer der Manager der "Clinton Foundation". "Guter Freund von uns", schrieb Band an Abedin und bat sie, nach einer Lücke im Kalender der Ministerin zu suchen. 48 Stunden später hatte der Kronprinz sein Date.

In etlichen anderen Fällen bot Abedin ihre Hilfe an. Sie verschaffte "Slimfast"-Gründer Daniel Abraham einen 15-Minuten-Termin mit Clinton, für den die Ministerin sogar ihr Flugzeug warten ließ. Sie versuchte, wichtige Fundraiser im Kalender unterzukriegen. Auch in besonders unkonventionellen Fällen fühlte sie vor. So wie im Mai 2009. Damals bat Doug Band sie im Namen eines Großspenders darum, einem britischen Fußballspieler, der mit dem Gesetz in Konflikt gekommen war, bei der Einreise in die USA zu helfen. "Es macht mich nervös, da einzusteigen, aber ich frage nach", schrieb Abedin zurück. Der Fußballer erhielt am Ende allerdings keine Einreisegenehmigung.

Clintons Team wehrt sich vehement gegen den Vorwurf des Interessenkonflikts. Sämtliche Gäste im Außenministerium, so die Linie, wären wohl auch dann empfangen worden, wenn sie keine Spender gewesen wären. Möglich, dass die Affäre für Abedin glimpflich ausgeht. So lange ihr kein Rechtsbruch nachgewiesen werden kann, dürfte der politische Schaden für sie und Clinton einigermaßen überschaubar bleiben. Doch die Republikaner drängen längst darauf, einen Sonderermittler einzusetzen. Er soll auch Abedins Rolle noch einmal genauer durchleuchten.

Sie selbst scheint keine Angst vor einem Karriereknick zu haben. "Ich habe schon oft darüber nachgedacht, dass ich im Modebusiness arbeiten würde, wenn ich nicht in der Politik wäre", sagte sie kürzlich der Zeitschrift "Vogue".


Zusammengefasst: Huma Abedin ist eine der wichtigsten Beraterinnen von Hillary Clinton, organisiert für die demokratische Kandidatin Termine, Treffen, sogar die Modeauswahl. Doch nun könnte sie wegen ihrer Rolle in der E-Mail-Affäre zum Problem werden. Kritiker vermuten eine Begünstigung von Spendern der Clinton-Stiftung, wenn es um Termine mit der damaligen Außenministerin geht. Ob Abedin den Skandal unbeschadet übersteht, ist aber noch offen.

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