Vorwurf von Menschenrechtlern Assads Luftwaffe setzt offenbar Streubomben ein

Im Kampf gegen die Rebellen schreckt Syriens Regime offenbar auch vor dem Einsatz von Streubomben nicht zurück: Laut Human Rights Watch gibt es neue Beweise dafür, dass Assads Luftwaffe die Rebellen mit den international geächteten Geschossen bombardiert hat.

Zerstörte Häuser in Aleppo: Bomben auf die eigene Bevölkerung
AFP

Zerstörte Häuser in Aleppo: Bomben auf die eigene Bevölkerung


Berlin - Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) bekräftigt ihre schweren Vorwürfe gegen das syrische Regime: Den Menschenrechtlern zufolge gibt es neue Beweise dafür, dass die Truppen von Baschar al-Assad Streubomben auf Rebellenstellungen abgeworfen haben, auch in den letzten Tagen. Die Kampfmittel sind international geächtet, Syrien hat sich an einem solchen Abkommen allerdings nie beteiligt.

Die Menschenrechtler hatten solche Vorwürfe bereits im Sommer erhoben und sich unter anderem auf Videos bezogen, die die Geschoss-Überreste der Bomben zeigen sollten. Ähnlich ist es jetzt auch: Die Organisation verweist auf YouTube-Clips, hochgeladen während der letzten Tage von syrischen Aktivisten. Auch darauf sind den Angaben zufolge solche Überreste von Streubomben zu sehen. Es lasse sich auf den Bildern erkennen, dass diese aus der Luft abgeworfen wurden.

Zudem habe man mit Zeugen aus verschiedenen umkämpften Gebieten gesprochen, teilte HRW mehr. Diese hätten ausgesagt, ihre Ortschaften seien von Hubschraubern aus bombardiert worden. Angaben über Opfer habe man allerdings nicht.

Brutale Waffe, gefährliche Blindgänger

Die Menschenrechtler verurteilten den Einsatz des Kampfmittels scharf: Syriens Missachtung der eigenen Zivilbevölkerung zeige sich in den Luftschlägen, zu denen jetzt offenbar auch der Einsatz von Streubomben gehöre, sagte Steve Goose von HRW. Das Regime solle die Bombardierung sofort einstellen.

Streubomben sind international geächtet. Syrien hat die internationale Konvention zum Verbot der Kampfmittel jedoch nie ratifiziert. Die im Mai 2008 von 107 Staaten verabschiedete Konvention verbietet den Einsatz, die Herstellung, die Lagerung und die Weitergabe derartiger Waffen. Sie trat 2010 in Kraft.

Streubomben können aus Flugzeugen abgeworfen oder vom Boden aus mit Raketenwerfern abgefeuert werden. Ihre Behälter öffnen sich in der Luft und setzen viele kleine Bomben, sogenannte Bomblets, über große Flächen frei. Diese Flächen bleiben wegen der großen Zahl von Blindgängern auch nach dem Ende eines Konflikts verseucht.

Die Blindgänger liegen oft jahrelang unentdeckt herum - bis sie zufällig ausgelöst werden. Dabei kann schon ein spielendes Kind oder ein Bauer bei der Feldarbeit die Explosion verursachen. Genau wie Landminen reagiert die Munition auf Berührung. Wer nicht sofort getötet wird, überlebt meist schwer verstümmelt.

otr

insgesamt 160 Beiträge
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Seite 1
RAmonbudi 14.10.2012
1. wie ist das mit der ÄCHTUNG von Steumunition ?
Am 19. Mai 2008 kamen Vertreter aus 111 Staaten zu einer weiteren Konferenz in Dublin zusammen.Sie formulierten eine Konvention zur Ächtung der Produktion, Lagerung und Verwendung von Streumunition; diese wurde am 3. Dezember 2008 in Oslo unterzeichnet und trat am 1. August 2010 in Kraft.(siehe Übereinkommen über Streumunition) Diese Konvention wird allerdings u. a. von den USA, Russland, China, Israel, Indien, Pakistan und Brasilien nicht mitgetragen. Keines der Länder Nordafrikas und des Nahen Ostens bis auf Tunesien, Libanon und Irak hat sie unterzeichnet. Deutschland wird zwar selbst keine solche Munition allein einsetzen, aber mit seinen Verbündeten oder Freunden gemeinsam darauf nicht verzichten. Auch die EU-Staaten Griechenland, Finnland, Lettland, Polen, Rumänien und Zypern hatten bis Ende November 2008 Vorbehalte geltend gemacht oder zumindest ihre Unterzeichnung noch nicht zugesagt. Das Europäische Parlament forderte im November 2008 alle EU-Mitgliedsstaaten nachdrücklich dazu auf, die Konvention zu unterzeichnen und möglichst bald zu ratifizieren. Auf Druck mehrerer NATO-Staaten, unter anderem von Deutschland, wurden Ausnahmeregelungen zugelassen, die gemeinsame Militäraktionen mit den Streitkräften von Staaten zulassen, die weiterhin den Einsatz von Streubomben befürworten....
de-be 14.10.2012
2.
Zitat von sysopAFPIm Kampf gegen die Rebellen setzt Syriens Regime offenbar Streubomben ein: Laut Human Rights Watch gibt es neue Beweise dafür, dass Assads Luftwaffe die Rebellen mit den international geächteten Geschossen bombardiert hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/human-rights-watch-wirft-assad-streubomben-einsatz-vor-a-861192.html
*International geächtet*!? Komisch, wenn die internationale Gemeinschaft von Willigen solche Bomben in Afghanistan oder Irak einsetzt, ist das kein Problem.
zompel 14.10.2012
3. Fragt mal die USA
Zitat von sysopAFPIm Kampf gegen die Rebellen setzt Syriens Regime offenbar Streubomben ein: Laut Human Rights Watch gibt es neue Beweise dafür, dass Assads Luftwaffe die Rebellen mit den international geächteten Geschossen bombardiert hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland/human-rights-watch-wirft-assad-streubomben-einsatz-vor-a-861192.html
USA: "Streubomben-Verbot gefährdet Hilfseinsätze" - Politik | STERN.DE (http://www.stern.de/politik/ausland/usa-streubomben-verbot-gefaehrdet-hilfseinsaetze-621185.html) was diese Menschenrechtler zu Streubomben sagen
berserker88 14.10.2012
4.
Hat er sich bestimmt bei den amis angeguckt, diese haben diese schreckliche Waffe in lybien zu letzt eingesetzt.. (komisch das darüber kaum ein bericht erschienen ist)
Grafsteiner 14.10.2012
5. Tinnef
Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (CAI) bekräftigt ihre schweren Vorwürfe gegen das syrische Regime. Schon das letzte Mal konnten die das nicht beweisen. Die USA hingegen setzen weiter die von der "Weltgemeinschaft" geächteten Streubomben ein. Und Drohne zum Ermorden von Zivilisten, was diese Humanorganisation nicht kümmert.
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