Hunger in Ostafrika Weltbank prangert hohe Nahrungsmittelpreise an

Es ist nicht die Dürre allein: Die Weltbank sieht die derzeit hohen Nahrungsmittelpreise als eine Ursache der Hungerkatastrophe in Ostafrika. Die Kosten für Lebensmittel sind demnach in einem Jahr um ein Drittel gestiegen. Inzwischen sind fast 30.000 Kinder am Horn von Afrika gestorben.

Hunger in Somalia: Kinder warten in Mogadischu auf Lebensmittelrationen
AP

Hunger in Somalia: Kinder warten in Mogadischu auf Lebensmittelrationen


Washington - Die derzeit extrem hohen Nahrungsmittelpreise bedrohen vor allem die oft ohnehin schon hungernden armen Menschen in der Welt. Lebensmittel seien weltweit im Juli im Schnitt 33 Prozent teurer gewesen als noch ein Jahr zuvor, konstatierte die Weltbank am Montag in Washington. Hinzu kämen um 45 Prozent gestiegene Ölpreise, wodurch Düngemittel für viele unbezahlbar geworden seien. Die extrem hohen Preise seien ein entscheidender Grund für die Hungerkatastrophe in Ostafrika, sagte Weltbank-Präsident Robert Zoellick. "Nirgendwo sonst bilden hohe Nahrungsmittelpreise, Armut und Instabilität eine so tragische Kombination wie am Horn von Afrika."

Der Weltbank zufolge starben in den vergangenen drei Monaten allein in Somalia 29.000 Kinder im Alter unter fünf Jahren, rund 600.000 Kinder seien in der Region von der Hungersnot betroffen. Insgesamt sei durch die schlimmste Dürrekatastrophe seit 60 Jahren im Osten Afrikas das Leben von mehr als zwölf Millionen Menschen bedroht.

Angesichts der Hungerkatastrophe hatten in den vergangenen Tagen viele Staaten ihre Hilfe erhöht. Unter anderem will die Bundesregierung bis zu 118 Millionen Euro zusätzlicher Mittel bereitstellen, wie Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP) am Montag nach einem Treffen mit dem kenianischen Staatschef Mwai Kibaki in Nairobi sagte. Deutschland hat bisher 33,5 Millionen Euro an bilateraler Unterstützung bereitgestellt.

Allein für Kenia seien nun rund 50 Millionen Euro vorgesehen, erklärte der Minister. Das Geld solle den Menschen in den Flüchtlingslagern, aber auch der Bevölkerung vor Ort zugute kommen. Auch Nachbarländer wie Dschibuti, Uganda und der Jemen sollten durch die zusätzlichen Mittel unterstützt werden. "Wir wollen schnell helfen, um die Menschen vor dem Hungertod zu bewahren", erklärte Niebel. "Wir wollen aber auch durch stärkere Entwicklung ländlicher Räume dazu beitragen, dass derartige Katastrophen in Zukunft nicht mehr oder wenigstens weniger hart eintreten."

Am letzten Tag seiner Kenia-Reise besucht Niebel am Dienstag das Flüchtlingslager Dadaab im Osten das Landes. Im größten Flüchtlingslager der Welt leben derzeit mehr als 400.000 Menschen, die meisten von ihnen Somalier.

ler/AFP/dpa



© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.