Hungerkatastrophe in Somalia Tote bei Plünderung von Uno-Hilfsgütern

Blutiger Zwischenfall in der somalischen Hauptstadt: Mehrere Menschen wurden erschossen, als sie über einen Uno-Transport herfielen. Die Hilfsorganisation wollte 300 Tonnen Mais und Öl an Flüchtlinge in Mogadischu verteilen.
Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Mogadischu: 3,7 Millionen Somaliern droht der Hungertod

Flüchtlinge bei ihrer Ankunft in Mogadischu: 3,7 Millionen Somaliern droht der Hungertod

Foto: OMAR FARUK/ REUTERS

Mogadischu - Das Chaos in Somalia verschlimmert die Situation der hungernden Bevölkerung. In der Hauptstadt Mogadischu hat sich am Freitag ein schwerer Zwischenfall ereignet: Unbekannte versuchten, Nahrungsmittel von einem Lastwagen der Vereinten Nationen gewaltsam zu plündern.

Somalische Regierungssoldaten eröffneten daraufhin das Feuer. Augenzeugen berichten, mindestens fünf Angreifer seien getötet worden. Andere sprechen von zehn Toten, unter ihnen auch Flüchtlinge. Der Überfall habe sich in der Nähe des Camps Badbaado für Binnenflüchtlinge ereignet. In dem Lager leben fast 30.000 Menschen.

Noch ist unklar, wer genau über die Nahrungsmittel herfiel. Einige Quellen berichten, es habe sich um hungernde Flüchtlinge gehandelt. Andere sagen, auch Soldaten hätten die Güter von drei Lastwagen geplündert. Beteiligt gewesen seien auch Bewohner Mogadischus, die mit gestohlenen Lebensmitteln geflohen seien.

Das Welternährungsprogramm (WFP) bestätigte, dass es in Badbaado zu einem Zwischenfall gekommen sei. Zwei Stunden lang hätten die Helfer Lebensmittel verteilt, danach sei die Situation außer Kontrolle geraten und die Plünderungen hätten begonnen, sagte WFP-Sprecher David Orr der Nachrichtenagentur Reuters. Die restlichen Nahrungsmittel seien verloren. Ursprünglich hätten 290 Tonnen Mais und Öl verteilt werden sollen.

29.000 Kinder an Hunger gestorben

In den vergangenen zwei Monaten haben etwa hunderttausend Flüchtlinge Mogadischu erreicht, sie fliehen vor der schlimmsten Dürre seit 60 Jahren. Hunderte weitere strömen jeden Tag in die Stadt - trotz der Bedrohung durch die brutalen islamistischen Schabab-Milizen.

US-Schätzungen zufolge kamen allein in Somalia durch die Dürre und den Hunger in den vergangenen 90 Tagen über 29.000 Kinder unter fünf Jahren ums Leben. Laut Uno-Angaben sind 640.000 somalische Kinder akut unterernährt.

Insgesamt droht etwa 3,7 Millionen Somaliern der Hungertod. Der Großteil von ihnen lebt im Süden des Landes, der teilweise von der Schabab kontrolliert wird. Auf der Suche nach Nahrungsmitteln machen sich daher viele auf den gefährlichen Weg in die Hauptstadt Mogadischu. Die Islamisten stehen mit al-Qaida in Verbindung und haben in ihrem Herrschaftsgebiet die Arbeit aller Hilfsorganisationen mit Ausnahme des Roten Kreuzes verboten. Sie hindern Menschen an der Flucht, wo sie können.

Viertes Flüchtlingslager eröffnet in Äthiopien

Dennoch reißt der Flüchtlingsstrom in die Nachbarländer Kenia und Äthiopien nicht ab. In den ersten vier Augusttagen seien täglich etwa 1500 Somalier in Kenia eingetroffen, sagte UNHCR-Sprecher Andrej Mahecic. Im Juli seien es täglich 1300 gewesen.

In Äthiopien wurde am Freitag ein viertes Flüchtlingslager eröffnet. Das Camp soll bis zu 15.000 Menschen aufnehmen, die derzeit im überfüllten Übergangslager Dollo Ado in Ostäthiopien untergebracht sind. In Dollo Ado sind der Uno zufolge die Masern ausgebrochen - es soll bereits ein Dutzend Tote gegeben haben.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat bereits vor dem Ausbruch von Krankheiten in dem Krisengebiet gewarnt, weil es an sauberem Wasser mangele, die Flüchtlingslager überfüllt und die dort lebenden Flüchtlinge ohnehin geschwächt seien. Am Horn von Afrika, hauptsächlich in den Dürregebieten Äthiopiens, seien in diesem Jahr bereits 17.500 Fälle von Masern und in Somalia auch Cholerafälle aufgetreten, sagte WHO-Sprecherin Fadela Chaib. In Somalia steige außerdem die Zahl der Durchfallerkrankungen.

Für das Wochenende haben US-Außenministerin Hillary Clinton und Jill Biden, die Frau des US-Vizepräsidenten, einen Besuch in Kenia angekündigt. Dort sollen sie erörtern, wie die USA den Hungeropfern in der Dürreregion helfen können.

Der türkische Außenminister Ahmed Davutoglu rief am Freitag die 57 Nationen der Organisation der Islamischen Kooperation (OIC) - der früheren Organisation der Islamischen Konferenz - zu einer Dringlichkeitssitzung auf, um die Hungerkrise zu diskutieren. Das Treffen könne in Istanbul oder im saudiarabischen Dschidda stattfinden, sagte er. Im Laufe des Monats will Davutoglu nach Äthiopien und Südafrika reisen. Außerdem plant er den Besuch von Kenia und weiteren Ländern der Region.

kgp/dpa/dapd/Reuters/AFP
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