Hungerstreik in Guantanamo Gefangene beklagen rüde Methoden der Wärter

Die US-Regierung ist stolz darauf, dass der Hungerstreik im Gefangenenlager Guantanamo offiziell zu Ende ist. Doch der "Guardian" veröffentlicht jetzt Berichte, mit welch harten Mitteln die Wärter dieses Ziel erreichten.

Wärter in Guantanamo (im April 2013): Berichte über gezielte Drangsalierung
AP

Wärter in Guantanamo (im April 2013): Berichte über gezielte Drangsalierung


Berlin - Ein halbes Jahr lang hatten Gefangene des US-Lagers Guantanamo mit einem Hungerstreik gegen ihre Inhaftierung protestiert. Doch zumindest nach Lesart des US-Militärs ist der Protest seit Ende September zu Ende - auch wenn nach Angaben von Menschenrechtlern noch 16 Männer zwangsernährt werden und zwei weitere im Krankenhaus liegen. Die britische Zeitung "The Guardian" berichtet nun, mit welchen Taktiken die Lagerleitung den Hungerstreik beenden ließ und beruft sich dabei auf gerade freigegebene Interviews mit Insassen.

So berichtet der 42-jährige Syrer Abu Wa'el Dhiab vom Fall des britischen Staatsbürgers Shaker Aamer. Der 44-Jährige habe an den Protesten teilgenommen - und sei deswegen fünf Mal pro Tag von der schnellen Eingreiftruppe des Lagers in seiner Zelle drangsaliert worden. "Sie haben ihm Nahrung, Wasser und Medizin vorenthalten. Dann hat das Überfallkommando die Ausrede, dass sie ihm Wasser und Nahrung geben, genutzt, um wieder seine Zelle zu stürmen."

Wa'el ist ebenso wie Aamer seit elf Jahren in dem Lager, dessen Schließung US-Präsident Barack Obama versprochen hat, zuletzt im Mai dieses Jahres. Wa'el berichtet vom Umgang mit dem Hungerstreikenden Aamer: "Sie brachten ihn in die Klinik, rissen seine Kleidung herunter, ließen ihn stundenlang nur in seiner Unterwäsche stehen und verspotteten ihn."

Die nun veröffentlichten Aussagen sind Teil eines Animationsfilms von David Morrissey und Peter Capaldi. Darin werden in künstlerischer Form die Aussagen von fünf Insassen präsentiert. Diese wurden allesamt von den gegen sie erhobenen Vorwürfen freigesprochen - doch vier von ihnen sind noch immer im Lager. Sie berichten unter anderem darüber, wie die Sonde für die Zwangsernährung schmerzhaft über die Nase in den Magen eingeführt wird. Es ist eine immer wieder von Menschenrechtsaktivisten kritisierte Praxis. Die US-Regierung sagt dagegen, es handle sich um eine humane Art, die Häftlinge vor dem Verhungern zu schützen.

Zwei Sonderbeauftragte sollen sich um Schließung kümmern

Einer der Gefangenen, Samir Mukbel aus dem Jemen, berichtet außerdem, dass die Hungerstreikenden in Einzelhaft gekommen seien - und dass die Isolation der Hauptgrund für den weitgehenden Zusammenbruch des Protests gewesen sei. Durchsuchungen der Zellen seien absichtlich so gelegt worden, dass der Schlaf der Gefangenen gestört wurde. Der Algerier Ahmed Belbacha beklagte, dass man ihm sogar seine Brille, seine juristischen Unterlagen, seine Zahnbürste und Zahncreme abgenommen habe.

In Guantanamo sitzen derzeit noch 164 Männer ein. Mehr als 80 von ihnen könnten freigelassen oder in andere Länder abgegeben werden. Doch dagegen sperrt sich der Kongress. Außerdem werden keine Insassen in den Jemen zurückgeschickt, wegen der politischen Instabilität des Landes. In der vergangenen Woche hat das Pentagon einen Sonderbeauftragten benannt, der sich um die versprochene Schließung des Lagers kümmern soll. Der Rechtsexperte Paul Lewis soll dabei mit dem Juristen Cliff Sloan zusammenarbeiten, der im US-Außenministerium diese Aufgabe übernommen hat.

chs

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