IAEA-Bericht Atomaufseher warnen vor Nuklearmacht Iran

Steht Iran kurz vor der Fertigstellung einer Atombombe? Die "Washington Post" zitiert aus einem Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde, wonach das Land beim Bau Hilfe aus dem Ausland erhalten hat. Die IAEA-Analyse könnte den Streit über einen israelischen Militärschlag verschärfen.
Präsident Ahmadinedschad im Atomforschungszentrum (Archiv): Know-how aus dem Ausland

Präsident Ahmadinedschad im Atomforschungszentrum (Archiv): Know-how aus dem Ausland

Foto: AP/ Iranian Presidents Office

Hamburg/Washington/Moskau - Voller Ungeduld blicken die Regierungen der westlichen Staaten nach Wien. In dieser Woche will die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) ihren jüngsten Bericht über die nuklearen Aktivitäten Irans veröffentlichen. Es soll die bisher detaillierteste Analyse zu dem Thema werden. Beobachter fürchten, dass die Vorlage die Debatte über die Atomambitionen des Regimes von Präsident Mahmud Ahmadinedschad weiter verschärfen wird.

Das lässt auch ein Bericht der "Washington Post" erwarten. Die Zeitung will bereits zentrale Informationen aus dem Papier erhalten haben. Demnach ist Iran bereits nah dran am Bau einer Atombombe.

Laut "Washington Post" hat das iranische Nuklearprogramm die schwierigsten Hürden auf dem Weg zu einer Nuklearwaffe gemeistert. Entsprechende Informationen soll die IAEA von Geheimdiensten erhalten haben, berichtet die Zeitung unter Berufung auf nicht namentlich genannte westliche Diplomaten und Atomexperten.

Demnach soll Iran entscheidende technische Hilfe von ausländischen Experten erhalten haben. So liefert der IAEA-Bericht offenbar neue Details über die Rolle eines ehemaligen sowjetischen Waffenexperten, der den Iranern Technik zur Entwicklung eines hochpräzisen Zünders vermittelt haben soll, der eine nukleare Kettenreaktion auslösen kann. Es soll sich dabei um den Atomwissenschaftler Wjatscheslaw Danilenko handeln. Er soll Iran mindestens fünf Jahre lang entscheidend geholfen haben.

Droht der Militärschlag?

Der Westen vermutet seit langem, dass Iran unter dem Deckmantel eines zivilen Atomprogramms auch Atombomben entwickelt. Der iranische Außenminister Ali Akbar Salehi hatte bereits am Wochenende erklärt, der IAEA-Bericht beruhe auf "falschen Dokumenten". Die anstehende Veröffentlichung ist offenbar auch der Hintergrund der aktuellen Diskussion in Israel über ein militärisches Vorgehen gegen Iran. Die Regierung in Teheran hat für den Fall eines Angriffs eine "apokalyptische" Antwort angedroht.

Kurz vor der für Dienstag oder Mittwoch erwarteten Veröffentlichung der IAEA-Analyse nimmt der diplomatische Druck zu. Russland warnt nun erneut vor einem möglichen Militärschlag. "Ein Angriff wäre ein sehr ernster Fehler, dessen Folgen unabsehbar wären", sagte Außenminister Sergej Lawrow am Montag nach Angaben der Agentur Interfax in Moskau. "Militärschläge bringen keine Lösungen, sondern nur viele Opfer", so Lawrow.

In Israel wird schon seit mehr als einer Woche eine intensive Debatte über das Für und Wider eines Militärschlags gegen Iran diskutiert. Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, ein Angriff stehe nicht unmittelbar bevor, aber Israel halte sich alle Optionen inklusive eines Militäreinsatzes offen. Israelischen Medienberichten zufolge sollen die USA jedoch sehr besorgt sein, dass die Israelis ohne Vorwarnung plötzlich gegen Iran losschlagen könnten.

Der israelische Präsident Schimon Peres hatte am Wochenende einen Militärschlag Israels und anderer Staaten gegen das iranische Atomprogramm für immer wahrscheinlicher erklärt. "Ein Angriff ist näher als eine diplomatische Lösung", zitierte die Zeitung "Israel Hajom" Peres am Sonntag in ihrer Online-Ausgabe. "Die Geheimdienste aller Länder wissen, dass die Zeit abläuft", sagte Peres nach Angaben der Zeitung "Haaretz" vom Samstag auch in einem Fernsehinterview. Iran könne schon in sechs Monaten eine Atombombe haben, warnte der Friedensnobelpreisträger von 1994.

Zweifel in Berlin

Auch in Berlin wachsen die Zweifel an den Darstellungen aus Teheran. Der Sprecher des Außenministeriums im Berlin, Andreas Peschke, hatte vergangene Woche erklärt, dass der diplomatische Druck auf Iran erhöht werden müsse, sollte der erwartete IAEA-Bericht diese Zweifel weiter bestärken. In Jerusalem rechnet man damit, dass die USA nach Veröffentlichung des Berichts "in ihrer Härte nie dagewesene Sanktionen" der internationalen Gemeinschaft gegen Teheran fordern werden, wie die israelische Zeitung "Jediot Achronot" am Sonntag schrieb.

Die IAEA will nach Angaben von Diplomaten in ihrem neuen Bericht neue Details über das iranische Atomprogramm veröffentlichen. Dazu sollen unter anderem Informationen zählen, die auf ein Computermodell eines Atomsprengkopfs hindeuten. Auf einer Satellitenaufnahme sei außerdem ein Stahlkörper zu sehen, in dem hochexplosiver Sprengstoff beispielsweise zur Zündung von Atombomben getestet werden könne, sagte ein Diplomat, der namentlich nicht genannt werden möchte, der Nachrichtenagentur dpa am Samstag in Wien.

Iran bestritt, an einer Computersimulation für Atomsprengköpfe zu arbeiten. Diese Anschuldigungen seien haltlos, sagte Außenminister Ali Akbar Salehi.

ler/dpa/AFP/Reuters
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