IAEA-Bericht Iran besitzt Bauplan für Atomwaffen

Iran hat sich Anleitungen zum Bau der Atombombe auf dem Schwarzmarkt beschafft. Entsprechende Dokumente dienten ausschließlich dem Bau von Atomsprengköpfen, heißt es in einem vertraulichen Bericht, der mehreren Agenturen vorlag.


Wien - Die Erkenntnisse sind Bestandteil eines Berichts der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), der dem Gouverneursrat der Organisation am Donnerstag vorgelegt werden soll. Die Vertreter von 35 Nationen wollen auf einer Sondersitzung über die Einschaltung des Uno-Sicherheitsrates wegen des Atomkonflikts mit dem Iran beraten.

Teheran drohte am Dienstag umgehend mit einem Abbruch aller Gespräche und der Wiederaufnahme bislang ausgesetzter Nuklearaktivitäten. Ein solcher Schritt wäre das "Ende der Diplomatie", sagte der iranische Chefunterhändler Ali Laridschani dem staatlichen Fernsehen zufolge. Er kritisierte, dass auch die bisherigen Verhandlungspartner Deutschland, Frankreich und Großbritannien für eine Einschaltung des Sicherheitsrats eintraten.

Am Dienstagvormittag hatten Diplomaten in Wien mitgeteilt, Teheran habe der IAEA einen eineinhalb Seiten langen Bericht übergeben, in dem beschrieben werde, wie spaltbares Uran in die Form von Sprengköpfen gegossen werden könne. Zum selben Zeitpunkt habe die Behörde Irans Delegation Geheimdienstinformationen aus den USA übergeben, die nahelegten, dass Iran an Atomwaffen gearbeitet habe. Irans Regierung sei zu einer Reaktion aufgefordert worden, erklärten die Diplomaten, die nicht namentlich genannt werden wollten.

Einem vertraulichen IAEA-Bericht zufolge hat Iran auch die Forschung zur Urananreicherung bereits wieder aufgenommen. Darüber habe Teheran die IAEA "in kleinem Umfang" informiert, heißt es in dem Bericht, der am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP vorlag.

Steinmeier: Noch keine Sanktionen auf der Tagesordnung

Nach Worten von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) stehen derzeit noch keine möglichen Sanktionen auf der Tagesordnung. "Darum geht es im Augenblick noch nicht", sagte Steinmeier am Dienstag im ZDF-"Heute- Journal". Die internationale Staatengemeinschaft bemühe sich jetzt, "dass aus einer Gefahr, die wir sehen, keine Bedrohung wird". Es sei unklar, wie weit die Entwicklung des iranischen Atomprogramms bereits gediehen sei.

Steinmeier betonte: "Wir sind dabei, einem Verdacht nachzugehen, dass in der technologischen Entwicklung dort möglicherweise auch Komponenten entwickelt worden sind, die für Waffentechnologien nutzbar sein könnten." Russland und China sähen diese Bedrohung nicht anders. Er gehe fest davon aus, dass sich die internationale Staatengemeinschaft nicht spalten lasse.

Bei einem Treffen der fünf Veto-Mächte und Deutschlands hatten Russland und China in der Nacht zum Dienstag überraschend einer Forderung der USA und der EU zugestimmt, die Frage an den Uno-Sicherheitsrat zu überweisen. Bisher hatten sich die beiden Länder gegen eine Anrufung des UN-Gremiums gesperrt.

Washington begrüßte die Entscheidung als "wichtigen Schritt" und forderte Teheran erneut zur Einstellung seiner Aktivitäten zur Urananreicherung auf. Moskau erklärte, es gehe zunächst nur darum, das höchste UN-Gremium zu informieren.   

Der UN-Sicherheitsrat könnte den Iran mit Sanktionen zu einer Zusammenarbeit bewegen. Vor möglichen Aktionen gegen den Iran soll der Sicherheitsrat jedoch den Bericht abwarten, den IAEA-Chef Mohamed ElBaradei bei der nächsten ordentlichen Sitzung des Gouverneursrats am 6. März vorlegen will.    Teheran hält bislang an der Entscheidung zur Wiederaufnahme seines umstrittenen Forschungsprogramms zur Anreicherung von Uran fest. Hoch angereichertes Uran kann zum Bau von Atomwaffen verwendet werden.



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